Johann Heinrich Pestalozzi war ein Schweizer Pädagoge der sich als Schul- und Sozialreformer um die Entwicklung und den Ausbau der Kindererziehung verdient machte. Sein pädagogisches Ziel war die ganzheitliche Volksbildung zur Stärkung der Menschen für das selbständige und kooperative Wirken in einem demokratischen Gemeinwesen. Besonderes Augenmerk richtete Pestalozzi auf die Elementarbildung der Kinder, die schon vor der Schule in der Familie beginnen sollte. Seine Ideen beschrieb er 1801 in seinem Buch "Wie Gertrud ihre Kinder lehrt".

Geboren wurde Johann Heinrich Pestalozzi am 12. Januar 1746 in Zürich. Von 1751 bis 1765 besuchte er die Elementar- und die Lateinschule. Anschließend studierte er zunächst Theologie und später Jurisprudenz am Collegium Carolinum in Zürich.

Pestalozzi brach jedoch sein Studium in Zürich ab und absolvierte stattdessen 1767/1768 eine landwirtschaftliche Lehre. Ab 1769 versuchte er sich im aargauischen Birr als landwirtschaftlicher Unternehmer, der der teilweise verarmten Bauernschaft zeigen wollte, wie sie mit neuen Gewächsen und neuen Düngemethoden ihre Situation verbessern könnten. Das Projekt scheiterte jedoch trotz seines persönlichen Einsatzes, so wie später weitere Projekte finanziell wenig erfolgreich wurden.

Im September 1769 heiratete Pestalozzi Anna Schulthess und wurde ein Jahr später Vater eines Sohnes an dem er Jean-Jacques Rousseaus in "Emile" dargestellte Ratschläge zur natürlichen Kindererziehung umsetzen wollte. Der Versuch scheiterte und schuf statt einer idealen Kindheit Stress und Unsicherheiten, so dass der Junge mit 11 Jahren noch immer nicht richtig schreiben und lesen konnte. Zusätzlich brachen bei ihm epileptische Anfälle aus. 1801 starb Pestalozzis Sohn; er wurde nur mit 31 Jahre alt.

In einem größeren Projekt nahm das das Ehepaar Pestalozzi ab 1773/74 rund 40 Kinder auf ihrem Landgut auf. Sie lernten dort spinnen, weben und den Landbau. Pestalozzi verband die praktische Arbeit mit Schulunterricht und sittlich-religiöser Erziehung und hoffte, dass er das Projekt durch den Verkauf der Textilprodukte finanzieren könne. Dies scheiterte jedoch erneut und die Familie das Projekt 1779 schließen.

In den beiden folgenden Jahrzehnten widmete sich Pestalozzi vorwiegend dem Schreiben und wurde durch seinen Roman "Lienhard und Gertrud", der zwischen 1781 und 1787 in 4 Bänden erschien, berühmt. Mit weiteren Werken wie "Die Abendstunde eines Einsiedlers" (1780), "Christoph und Else" (1782), "Gesetzgebung und Kindermord" (1783) und "Ja oder Nein?" (1793) festigte er seinen Ruf als erfolgreicher Schriftsteller. Im Jahr 1797 veröffentlichte Pestalozzi einen Band "Fabeln" mit dem er sich wieder mehr an seinen Pädagogischen Interessen annäherte.

1799 übernahm Pestalozzi die Führung eines Waisen- und Armenhauses in Stans, wo er grundlegende pädagogische Erfahrungen machen konnte. Im Jahr 1800 gründete er dann sein Erziehungsinstitut im Schloss Burgdorf, wo er eine eigene Unterrichts- und Erziehungsmethode entwickelte und in seinem Hauptwerk "Wie Gertrud ihre Kinder lehrt" theoretisch begründete.

1804 zog Pestalozzi mit seinen Institut nach Yverdon-les-Bains im Kanton Waadt, wo er seine Methode weiter entwickelte und in zahlreichen Schriften dokumentierte. Der Kern seiner "Idee der Elementarbildung" basierte auf einer naturgemäßen Erziehung und Bildung, die die Anlagen und intellektuelle Kräfte des Kopfes, die sittlich-religiösen Kräfte des Herzens und die handwerklichen Kräfte als eine Einheit betrachtet und fördert.

Doch auch dieses Projekt scheiterte aufgrund interner Streitigkeiten in der Lehrerschaft um Pestalozzis Nachfolge. 1825 musste Pestalozzi das Institut in Yverdon schließen und zog sich auf den Neuhof zurück.

Am 17. Februar 1827 starb Johann Heinrich Pestalozzi im Alter von 81 Jahren in Brugg, Kanton Aargau.