Feuchtfröhlich in den Mai

Vom Maibrauchtum im Rheinland, berichtet Christa Schyboll

Ende April sind die letzten Planungen in den rheinischen Junggesellenvereinen für eines der zentralen Jahresfeste längst abgeschlossen und die Fragen geklärt: Welches Mädel bekommt einen Maibaum? Wo dürfen die Maibäume geschlagen werden? Wer besorgt Äxte, Traktor, Bier und Proviant? Allein schon diese Mai-Gaudi ist für Abertausende junger Männer bis heute noch Grund genug, Mitglied in den traditionellen Junggesellenvereinen der Gemeinden zu werden und dort auch aktiv mitzumachen.

Natürlich hat ein jedes Dorf seine eigenen Regeln, was erlaubt ist und was nicht. Und selbstverständlich geht es gerade bei den Maibräuchen in erster Linie um das andere Geschlecht, das selbst bei alldem nicht mitmachen darf, aber dennoch im Zentrum aller Bemühungen steht. Wer von den Junggesellen eine Freundin hat, wird ihr in aller Regel gemeinsam mit den Vereinskameraden einen Maibaum stellen. Zumeist handelt es sich um eine Birke, manchmal auch um eine Fichte. Wie imposant oder mickrig das Bäumchen ist, hängt auch ein wenig vom Ehrgeiz der Junggesellen ab. In jedem Fall wird es mit bunten Bändern geschmückt und mancherorts auch mit Büscheln oder Rosen aus Seiden- oder Krepppaper versehen.

Die Mädels oder deren Eltern, die schon vorher vom Baumstellen der Junggesellen oder der Freundesclique wissen oder es zumindest ahnen, haben oftmals eine Nachtmahlzeit vorbereitet. Das kann eine heiße Goulasch-Suppe sein oder auch belegte Brötchen mit Wurst, Mett oder Käse. Dazu gibt es in der Regel auch einen Schnaps und Bier für das nicht selten schon etwas angetrunkene fröhliche Völkchen, das meist bis in den frühen Morgen seine Umzüge von Haus zu Haus macht.

Das große Spektakel findet in der Mainacht statt. Also in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. In manchen Gegenden gibt es auch Maiherzen oder Maibilder, die ans Haus gehängt werden.


Und im Schaltjahr ist alles ganz anders


Traditionell verankert ist auch das Versteigern von Mai-Bräuten. Die jungen Mädchen sind in der Regel 16 Jahre alt und dürfen nun von einem Verehrer gegen Geld ersteigert werden. Dem Ersteigerer steht das Recht zu, mit seiner Mai-Braut zusammen dann an der Maitradition teilzunehmen. Das Ehrenfest ist dann der Mai-Ball und der traditionelle Umzug mit Musik durchs ganze Dorf. Das Geld aus der Versteigerung fließt häufig der Organisation der oft vielfältigen Mai-Feste zu, die sich über den Wonnemonat verteilen können.

Die besondere Bandbreite, wie die Maifeste im einzelnen gefeiert werden, ist je nach Gebiet recht unterschiedlich. So kennen manche Gegenden auch die Mai-Kirmes, das Mai-Singen, den Mai-Ball, den Tanz um den Mai-Baum, diverse Festumzüge durchs Dorf, allerlei Maischabernack durch Hexen und Mai-Buben und eben auch die Wahl der Maikönigin.

Auch der Maikönig unterliegt einem eigenen Versteigerungsverfahren. Dieser darf nach der Wahl dann seine Maikönigin ernennen. Doch auch bei dieser Regel gibt es regionale Unterschiede im Ablauf. In der Regel dauert die Regentschaft des Maikönigs ein volles Jahr.

Eine andere interessante Variante der Bestimmung des Maikönigs wird mit dem Fällen des Dorfmaibaumes verbunden. Hier ist es dann kein Versteigerungsverfahren, dass über die Königswürde bestimmt, sondern es ist der letzte entscheidende Schlag am Dorfmaibaum selbst. Im Wald wird von den Junggesellen Schlag für Schlag der vorher sorgsam ausgewählte Baum bis zum Umkippen gefällt. Derjenige, der den letzten Schlag zum Fall des Baumes tut, wird dann zum Maikönig ausgerufen.

Fällt der 1. Mai in ein Schaltjahr, so kennt man vor allem in der Kölner Gegend noch einen Spezialbrauch. Dann nämlich müssen die Mädchen ihren Freunden einen Maibaum aufstellen. Das dürfte je nach Baumstärke eine ordentliche Herausforderung ans schwache Geschlecht sein.