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François VI. Herzog de La Rochefoucauld

französischer Schriftsteller und Moralist (1613 - 1680)

311 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Die Eifersucht ist in gewisser Hinsicht gerechtfertigt und verständlich, weil sie nichts anderes will als ein Gut bewahren, das uns gehört oder von dem wir annehmen, daß es uns gehöre; wohingegen der Neid eine Wut ist, welche die Güter anderer nicht ertragen kann.

  • Die Aufrichtigkeit ist eine Eröffnung des Herzens. Man findet sie bei sehr wenig Menschen, und die, die man gewöhnlich sieht, ist nur eine feine Heuchelei, um das Vertrauen der anderen anzulocken.

  • Alle Fehler, die man hat, sind verzeihlicher als die Mittel, welche man anwendet, um sie zu verbergen.

  • Trennung läßt matte Leidenschaften verkümmern und starke wachsen, wie der Wind die Kerze verlöscht und das Feuer entzündet.

  • Beurteilt man die Liebe nach ihren Wirkungen, so hat sie vom Haß als von der Freundschaft an sich.

  • Man muß es mit dem Schicksal halten wie mit dem Befinden des Körpers: Es genießen, wenn es gut ist, sich gedulden, wenn es schlecht ist, und nur in der äußersten Not starke Heilmittel anwenden.

  • Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen.

  • Es ist schwerer, Gefühle die man hat, zu verbergen, als solche, die man nicht hat, zu heucheln.

  • Was die Enttäuschung in der Dankbarkeit, die man für erwiesene Wohltaten erwartet, bewirkt, ist, daß der Stolz des Gebers und der Stolz des Empfängers sich über den Preis der Wohltat nicht einigen können.

  • Selbstvertrauen ist die Quelle des Vertrauens zu anderen.

  • Menschen und Dinge verlangen verschiedene Perspektiven. Es gibt manche, die man aus der Nähe sehen muß, um sie richtig zu beurteilen, und andere, die man nie richtiger beurteilt, als wenn man sie aus der Ferne sieht.

  • Die Mittelmäßigkeit pflegt alles zu verurteilen, was ihren Horizont übersteigt.

  • Mit dem Glück muß man es machen wie mit der Gesundheit: Es genießen, wenn es günstig ist, Geduld haben, wenn es ungünstig ist, und zu gewaltsamen Mitteln nur im äußersten Notfall greifen.

  • Kein Streit würde lange dauern, wenn das Recht oder das Unrecht nicht auf beiden Seiten wäre.

  • Die Eifersucht wächst heran unter Zweifeln, und sie wird rasend oder stirbt dahin, sobald der Zweifel zur Gewißheit wird.

  • Jugend ist eine beständige Trunkenheit: Sie ist das Fieber der Vernunft.

  • Die Unnahbarkeit der Frauen ist ein Kleid und eine Schminke, die sie ihrer Schönheit hinzufügen.

  • Alle Leidenschaften sind nur verschiedene Grade der Wärme und der Kälte des Blutes.

  • Körperliche Arbeit befreit von seelischen Schmerzen, und das ist es, was den Armen glücklich macht.

  • In der ersten Liebe lieben die Frauen den Geliebten. In der zweiten lieben sie nur noch die Liebe.

  • Alle Leidenschaften verleiten uns zu Fehlern, die Liebe aber zu den lächerlichsten.

  • Es ist schwer, die Liebe zu definieren. In der Seele ist sie eine Leidenschaft zu herrschen, im Verstande Sympathie, im Körper ein geheimnisvoller Drang zu besitzen.

  • Wahre Liebe mag selten sein - / wahre Freundschaft ist noch seltener.

  • Der Wunsch klug zu erscheinen verhindert oft, es zu werden.

  • Die Beständigkeit in der Liebe ist eine dauernde Unbeständigkeit, in der wir abwechselnd der einen und dann der anderen Eigenschaft des geliebten Wesens den Vorzug geben. Beständigkeit ist also die auf einen Menschen konzentrierte Unbeständigkeit.

  • Schwache Menschen können nicht aufrichtig sein.

  • Gibt es eine reine Liebe, in die sich gar keine anderen Leidenschaften einmengen, so hält sie sich, uns selber unbekannt, im innersten Herzen verborgen.

  • Es gibt unendlich viele Arten des Benehmens, welche lächerlich erscheinen und deren verborgene Gründe doch sehr klug und fest sind.

  • Es gibt Menschen, die so belanglos sind, daß sie weder Fehler noch Vorzüge haben.

  • Unser Neid dauert stets länger als das Glück derer, die wir beneiden.

  • Wir würden weit mehr gewinnen, wenn wir uns zeigten, wie wir sind, als bei dem Versuche, das zu scheinen, was wir nicht sind.

  • Die feinste aller Listen besteht darin, sich geschickt so zu stellen, als ob man in die Falle ginge, die einem gelegt wird. Denn niemand wird so leicht getäuscht, als wer einen anderen zu täuschen glaubt.

  • Wer ohne die Welt auszukommen glaubt, irrt sich. Wer aber glaubt, daß die Welt nicht ohne ihn auskommen könne, irrt sich noch viel mehr

  • Die Eifersucht wird immer mit der Liebe geboren, aber sie stirbt nicht immer mit ihr.

  • Mit der Heuchelei bringt das Laster der Tugend seine Huldigung dar.

  • Luxus und allzu große Verfeinerung in den Staaten sind ein sicheres Zeichen ihres Unterganges, weil die einzelnen sich selbst nur so weit fördern konnten, wenn sie das allgemeine Wohl aus den Augen verloren.

  • In der Eifersucht liegt mehr Eigenliebe als Liebe.

  • Oft ist Mitleid Gefühl unserer eigenen Leiden in den Leiden anderer. Es ist eine kluge Voraussicht der Leiden, die uns begegnen können. Wir helfen anderen, damit sie uns bei ähnlichen Gelegenheiten helfen, und die ihnen erwiesenen Dienste sind eigentlich Wohltaten, die wir uns selber auf Vorschuß leisten.

  • Fast alle Menschen tragen gerne kleine Verbindlichkeiten ab; viele empfinden Erkenntlichkeit für größere, aber fast niemand hat für die großen etwas anderes als Undankbarkeit.

  • Man ist nie so lächerlich durch die Eigenschaften, die man besitzt, wie durch jene, die man zu haben vorgibt.

  • Nur starke Naturen können wirklich liebreich sein. Die meisten Menschen sind nur aus Schwäche oder aus Berechnung sanft. Und nur zu leicht schlägt ihre scheinbare Güte in Bösartigkeit um.

  • Wie verschieden auch die Schicksale scheinen, es waltet doch eine gewisse Ausgleichung zwischen Glück und Unglück.

  • Es ist mit der Dankbarkeit wie mit der Redlichkeit der Kaufleute: Sie hält den Handel aufrecht. Wir bezahlen nicht, weil es gerecht ist, unsere Schulden zu bezahlen, sondern um leichter wieder Leute zu finden, die uns borgen.

  • Wer seine Gesundheit durch allzu strenge Lebensweise zu erhalten sucht, begibt sich damit in eine fortlaufende und langweilige Krankheit.

  • Die Mehrzahl der Frauen ergibt sich eher aus Schwäche als aus Leidenschaft: Daher kommt es, daß unternehmungslustige Männer gewöhnlich eher zum Ziele gelangen als die andern, obwohl sie nicht liebenswerter sind.

  • Die Liebe gibt ihren Namen für zahllose Verhältnisse her, an denen sie keinen größeren Anteil hat als der Doge an den Vorgängen in Venedig.

  • Die Menschen können nur deshalb in Gemeinschaft leben, weil sie Betrüger und Betrogene zugleich sind.

  • Es gibt schlechte Eigenschaften, welche große Talente machen.

  • Die Absicht, niemals zu täuschen, bringt uns in Gefahr, oft getäuscht zu werden.

  • Das Vertrauen gibt dem Gespräch mehr Stoff als der Geist.

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