Anzeige

28. Oktober 2013

Sebastian Vettel fährt in die Sportgeschichte

Und das voll und ganz verdient, meint Tom Borg

Als jüngster Formel 1 Weltmeister zeigt Sebastian Vettel, dass man mit Spaß an der Aufgabe, einer Portion Ehrgeiz und wohl auch ein wenig Besessenheit sein Ziel erreichen, seine Träume wahr werden lassen kann. Das macht ihn zu einem Vorbild und gibt allen anderen Hoffnung.

Mit seinem überlegenen Sieg beim Großen Preis von Indien ist Sebastian Vettel gelungen, was vor ihm noch keiner schaffte: Er ist mit 26 Jahren der jüngste Vierfach-Weltmeister in der Geschichte des Formel 1 Rennsports. Überhaupt gab es bisher mit Rekordweltmeister Michael Schumacher (sieben Titel), Juan Manuel Fangio (fünf) und Alain Prost (vier) erst 3 Rennfahrer die vier Titel in der Formel 1 gewinnen konnten.

Doch damit nicht genug, Sebastian Vettel gewann auch alle vier Titel in Serie, was außer Michael Schumacher bisher keinem gelang, und ist bei fast jedem seiner Rekorde der jüngste Fahrer.

Dennoch reisst die Kritik und der Spott über Vettel nicht ab. Viel meinen, er wäre nur Weltmeister, weil er ein überlegenes Auto hat. Wäre dem so, dann müsste sein Teamkollege Mark Webber, der das gleiche Auto zur Verfügung hat, zumindest auf Platz 2 stehen, wovon er aber inzwischen Meilenweit entfernt ist.

Und das macht Sebastian Vettel zu etwas besonderem, zu einem, der bereits jetzt schon mit Michael Schumacher in einem Atemzug genannt werden darf. Denn machen wir uns nichts vor, den Ferrari-Funkspruch "Let Michael pass for the championship" wird die Formel 1 Welt nie vergessen. Zu oft mussten Schumachers Kollegen Rubens Barrichello und Felipe Massa Platz machen, wenn der Herr Weltmeister aus eigener Kraft nicht überholen konnte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur lautet das Kommando an Massa heutzutage: "Alonso ist schneller als du".

Da muss man sich als Michael Schumacher - und vielleicht auch einige der anderen neueren Weltmeister - sicherlich fragen lassen, ob es auch ohne Stallorder immer für den Titel gereicht hätte? Wie viele Rennsiege kamen für spätere Weltmeister auf diese Art und Weise zustande? Zumindest bei Vettel kann man sagen: keiner! Denn sein Teamkollege Webber würde vermutlich lieber einen Crash verursachen als Vettel freiwillig vorbei zu lassen. Sebastian Vettel hat für jeden seiner Titel kämpfen müssen. Und kämpfen macht ihm Spaß, er ist ein Sportler, der gewinnen will. Und geht das nicht, so wie in Monaco 2013, wo er wegen der engen Gassen trotz des schnelleren Autos einfach nicht mehr an Nico Rossberg vorbeikommen konnte, dann knallt er mal eben eine überlegene schnellste Rennrunde hin, so dass seinem Team Angst und Bange wird und der Renningenieur sich zu einem Funkspruch genötigt sah: "Das bringt dir keine weiteren Punkte". Vettels bezeichnende Antwort: "Aber Befriedigung!".

Mit der gleichen Einstellung schnappte sich Sebastian Vettel den Sieg in Malaysia, wo sein Teamkollege Webber bereits auf "gemütlich heimfahren" geschaltet hatte. Das brachte ihm viel Kritik ein. Doch was war so verkehrt daran? Weil das Team auf Vorsicht fahren, das Rennen vorzeitig auf Platz 1 und 2 einfrieren wollte um nichts mehr zu riskieren? Das ist so als würden sich zwei Fußballtrainer darauf verständigen, dass ein 0:0 für beide besser ist als wenn einer von beiden noch riskiert zu verlieren - und dann knallt eine Mannschaft den Ball doch noch ins Tor des Gegners… Verrat, Betrug, Gemeinheit? Nein, Sport!

Beim Fußball dauert ein Spiel bis der Schiedsrichter abpfeift, in der Formel 1 winkt eine schwarze-weiß-karierte Flagge an der Ziellinie. Solange die Ziellinie nicht erreicht ist, wird Rennen gefahren. Das sollten sich die Team antun, schließlich bezahlen die Zuschauer viel Geld, um ein spannendes Rennen zu sehen.

Dass es wegen Vettels Überlegenheit nun doch nicht wirklich spannend ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Und es dürfte unter anderem auch daran liegen, dass lange, viel zu lange, die anderen Top-Teams auf ihre vermeintliche Vormachtstellung bauten, auf Tradition und vergangene Erfolge. Lange Zeit funktionierte das ja auch. Bis dann ein junger Bursche daher kam und im eigentlich unterlegen Toro Rosso als jüngster Formel 1 Pilot ein Rennen gewann und dann im erstklassigen Red Bull eine Serie hinlege, die der eines Michael Schumacher bereits jetzt kaum noch nachsteht. Denn seit seinem fast vergessenen Jungspund-Crash kurz vor einem Rennende ist Sebastian Vettel gereift, hat hart an sich und seinem Auto gearbeitet und vermutlich tatsächlich etwas weniger im Pool gehangen als die Konkurrenz, wie er einmal etwas salopp formulierte. Selbst sein Teamkollege Webber, der nun wirklich nicht Vettels bester Freund ist, erkennt an, dass Vettel sein Auto einfach besser abstimmt als er.

Eigentlich könnten wir das Thema damit abhaken. Doch gerade dieser junge Sebastian Vettel zeigt, dass man mit Spaß an der Aufgabe, einer Portion Ehrgeiz und wohl auch ein wenig Besessenheit sein Ziel erreichen, seine Träume wahr werden lassen kann. Da wünscht man sich doch, dass sich so mancher Politiker in Berlin oder Brüssel ein Beispiel daran nähme. Doch die etablierten Polit-Teams wähnen sich in Sicherheit, glauben, die politische Rennstrecke gehöre nur ihnen. Doch eines Tages wird ein heißhungriger Jüngling daherkommen und alles in Grund und Boden fahren. Die Grünen haben schon einmal demonstriert wie aus einer Demonstrationsbewegung eine politische Kraft werden kann. Aber auch, wie reiner "Ergebnissport" scheitern kann, wenn einem der innere Spaß an der Sache abhandenkommt, wenn das "Aber Befriedigung!" einfach egal wird. Aber vielleicht kommt irgendwann jemand, der auch bei aussichtlosen Mehrheitsverhältnissen einfach einen besseren Gesetzesentwurf vorlegt, egal, ob der eine Chance hat oder nicht. Denn die wahre Mehrheit sitzt außerhalb des Parlaments - und für Helden ist sie immer zu begeistern…