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11. März 2021

Leben in der Pandemie

Eine Momentaufnahme von NN

Seit dem ersten Quartal des Jahres 2020 hat sich das Leben fast aller Menschen weltweit massiv verändert. Eine Plage hat die gesamte Menschheit erfasst, deren Bekämpfung Maßnahmen erfordert, die vieles von dem, was für selbstverständlich galt, in Frage stellt.

Plötzlich ist es nicht mehr möglich, einfach die Menschen zu treffen, die uns etwas bedeuten. Unser Konsumverhalten hat sich abrupt verändert, bedingt durch die Tatsache, dass Geschäfte nicht immer geöffnet haben dürfen. Aber selbst wenn der Zugang möglich ist, gelten plötzlich Obergrenzen für die Personenzahl in Läden, die Desinfektion der Hände wird vorausgesetzt, ebenso wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes von medizinischer Qualität.

Noch vor Kurzem hätte man die Beschreibung des aktuellen Alltags in Deutschland für den Plot eines mittelklassigen Katastrophenfilmes aus den Vereinigten Staaten gehalten. Aber genau dies ist Lebenswirklichkeit geworden, und das nicht nur in Deutschland, sondern überall in der Welt. Die äußerlichen Begleitumstände der Covid-19-Pandemie haben Auswirkungen auf jeden Aspekt unseres Daseins und wirken bis tief in die menschliche Psyche. Das wird Folgen haben bis lange nachdem das Virus unter Kontrolle gebracht wurde.

Arbeit, Schule und Co

In den Leben der meisten Menschen spielt neben der sozialen Interaktion die Arbeit eine wesentliche Rolle. Fast Dreiviertel aller Angestellten, Arbeiter oder Beamten arbeiten in Vollzeit und investiert damit mindestens 40 Stunden in der Woche in die Erwerbstätigkeit, manche auch deutlich mehr. Hinzu kommen Wege zur Arbeit, die im Schnitt 17 Kilometer mit steigender Tendenz betragen. Hier dürfte ein Zeitaufwand von weiteren frei bis vier Stunden wöchentlich zusammen kommen. Die Gruppe der Selbständigen wird diese Werte sicherlich bei Weitem übertreffen. Selbst Kinder müssen ihr Leben um Kindergarten, Krippe und Schule herum organisieren. Diese Faktoren – Schule und Arbeit – sind strukturgebend bei der Gestaltung der familiären Abläufe.

Durch die Ausbreitung von Covid 19 und die daraus resultierenden Maßnahmen hat sich daran viel geändert. Schulen bleiben wochenlang ganz geschlossen oder bieten Unterricht in Wechselbesetzung an. Vereinsaktivitäten für Kinder und Erwachsene fallen größtenteils aus. Das hat zur Folge, dass der Nachwuchs jetzt sehr viel mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringt und dort beschäftigt oder auch betreut werden muss. Nur – auch ein Großteil der Eltern verbringt nun die Arbeitszeit zu Hause, am Küchentisch oder, soweit vorhanden, im Arbeitszimmer. Konflikte und Reibungspunkte sind hier vorprogrammiert. Jede Altersklasse leidet unter dem Mangel an Austausch mit Freunden, Kollegen oder der Familie, die nicht im gleichen Haushalt wohnt.

Gesundheitliche Einschränkungen auch ohne Infektion

In unserer hyper-technisierten Gesellschaft nach dem westlichen Modell wird gern vergessen, dass aber genau solche Faktoren lebenswichtig für menschliche Lebewesen sind. Kontakte, soziale Interaktion, ein geregelter Alltag – all das trägt wesentlich zu unserem Wohlbefinden bei. Bei vielen Bürgern kommen dazu noch konkrete wirtschaftliche Sorgen, etwa wenn sie in Kurzarbeit müssen oder ihr Arbeitsplatz gleich ganz wegfällt. Deswegen muss man nicht zwangsläufig mit dem Covid-19-Virus infiziert sein, um Beeinträchtigungen an Körper und Seele zu spüren. Stress, Depressionen und Schlafstörungen sind nur einige der greifbaren Folgen.

Gleichzeitig ist durch eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten der Konsum an ungesunden Nahrungsmitteln sowie Genussmitteln, wie Alkohol und Zigaretten angestiegen. Das führt in direkter Abhängigkeit zu Gewichtszunahmen und insgesamt einem ungesünderen Lebenswandel, der sich wiederum unter anderem in Herz-Kreislauf-Erkrankungen niederschlägt. Durch die starke Auslastung der medizinischen Einrichtungen bundesweit kann es vorkommen, dass die Behandlung potentiell lebensbedrohlicher Krankheiten nicht so effizient erfolgt, wie das nötig wäre. Auch hier gibt es demzufolge „Kollateralschäden“ in der Pandemiebekämpfung. Und dabei sind die gut zweieinhalb Millionen Infizierten sowie knapp 73.000 Todesfälle noch nicht einmal berücksichtigt. Ebenso wenig wie die Schicksale derer, die an einem so genannten »Long Covid« leiden. Die also nach ihrer Infektion mit dem Covid-19-Virus nicht wieder vollständig genesen, sondern die an teilweise schwerwiegenden Folgeschäden leiden. Nach derzeitigem Wissensstand sind rund 2 Prozent der infizierten Personen davon betroffen, was immerhin rund 50.000 Menschen in Deutschland ausmacht.

Ist die Pandemie nur negativ zu sehen?

In Anbetracht der hohen Opferzahlen fällt es schwer, der Situation auch positive Seiten abzugewinnen. Dennoch heißt es im Volksmund, dass jede Krise eine Chance birgt. Und diese kann man sogar relativ leicht finden, wenn man sich denn auf die Suche begibt. Ob man will oder nicht, ein jeder hat in der Zeit der Krise gelernt, immaterielle Werte wieder höher zu schätzen. Freunde, Familie, Zusammenhalt und persönliche Freiheit sind nur einige davon. Plötzlich wird Wohlstand über Gesundheit, ein gesundes Umfeld und ein stabiles Zuhause definiert und nicht mehr vorwiegend über Statussymbole. Denn die sieht zur Zeit ohnehin niemand.

Kleine Dinge, wie ein Restaurantbesuch, ein Ausflug mit Freunden oder auch eine Familienfeier erscheinen vielen von uns im Augenblick mindestens so erstrebenswert, wie ein neuer Fernseher oder eine schicke Uhr. Die Bewohner eines reichen europäischen Landes mit guten klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen werden sich durch die Pandemie der Bedeutung von Gesundheit und Freiheit bewusst. Das ist sicher nicht wenig.

Wirtschaftszweige im Aufwind

Und auch nicht die komplette Wirtschaft liegt danieder. Bestimmte Branchen haben im Gegenteil große Zuwächse zu verzeichnen. Hierzu zählen Anbieter für IT-Dienstleistungen und Softwarelösungen insbesondere fürs Homeoffice und Online Konferenzen ebenso wie Hersteller, die Sportgeräte für den Privatgebrauch produzieren oder auch die Buchverlage. Naturgemäß profitiert die Pharmaindustrie sowie Produzenten medizinischer Geräte und Hilfsmittel massiv von der aktuellen Lage. Aber auch die Bildungsbranche hat ihre Aufgaben entdeckt und ist mit Hochdruck dabei, Lerninhalte internettauglich aufzubereiten, um den Präsenzunterricht zumindest teilweise zu ersetzen.

Eine weitere Branche mit immensen Umsatzzuwächsen ist die Spielebranche. Ob klassisch als Brettspiel, als Gesellschaftsspiel on- und offline oder mit anderen Gamern vernetzt über das Internet und auch Casinoangebote im Internet boomen. Die Mehrzahl der Menschen, die sonst Sport treiben würden, ausgehen oder im Verein aktiv wären, haben jetzt reichlich freie Zeit zur Verfügung, die unter anderem eben spielerisch gefüllt wird. Hier entstehen mitunter neue, andere Vernetzungen mit Menschen, die die gleiche Leidenschaft teilen.

Was wird die Zukunft bringen?

Das vorläufige Fazit, das der Frankfurter Zukunftsrat aus der Covid-19-Pandemie zieht, benennt unter anderem eine Konzentration auf das Regionale und Lokale bei gleichzeitiger Zunahme globalen Zusammenhaltes und übergreifenden Maßnahmen zur Lösung weltweiter Probleme. Visionen, die vorsichtig optimistisch stimmen dürften.