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21. Juni 2021

Kleider machen Leute - modische Statussymbole

»Kleider machen Leute«, die Novelle von Gottfried Keller spielt etwa im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und handelt von Wenzel Strapinski, einem armen Schneiderlehrling. Obwohl Wenzel arm und sozial schlecht gestellt ist, achtet er sehr auf sein Erscheinungsbild und trägt immer sehr schöne Kleidung.

Aufgrund seiner Kleidung und seines gepflegten Aussehens glaubt man schließlich in Goldbach, einer kleinen Stadt, er sei ein polnischer Graf und er genießt, trotz anfänglich schlechten Gewissens, dadurch viele Vorzüge. Zusätzlich verliebt sich Wenzel in Nettchen, die Tochter des Amtsrats, und verlobt sich mit ihr. Als seine Maskerade auffällt, muss er die Stadt Goldbach und auch seine Verlobte verlassen. Weil diese ihn jedoch nicht nur aufgrund seines Aussehens, oder seiner vermeintlichen Herkunft als Graf liebt, folgt Nettchen ihm. Letztendlich heiraten die beiden doch noch und Wenzel wird ein wohlhabender Kaufmann, durchbricht so viele Vorurteile und steigt im sozialen Ansehen trotz seines anfänglich niedrigen Status auf.

Kleidung zur Differenzierung und Zuschreibung

Neben anderen Statussymbolen, wie teuren Autos, Handys und diversen Luxusartikeln, gilt Kleidung auch heute noch als Statussymbol. Über Kleidung lässt sich besonders gut präsentieren, wer man ist, wie man sich selbst sieht und wie man von anderen wahrgenommen werden möchte. Außerdem kann man sich über sie seine Zuordnung und sein Zugehörigkeitsgefühl zu bestimmten Gruppen ausdrücken, oder auch seine Abgrenzung zu bestimmten Gruppen, mit denen man nicht assoziiert werden möchte. Dabei wird zwischen der Kategorie der Differenzierung und der Zuschreibung unterschieden.

Die Differenzierung mithilfe der Kleidung

Als Differenzierung des Status mithilfe der Kleidung bezeichnet man die Selbstdarstellung der eigenen Person und der Unterstreichung der eigenen Persönlichkeit mit dem Mittel der Kleidung. So können zum Beispiel soziale Unterschiede, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem Club oder einem Verein oder die Abgrenzung zu anderen sozialen Schichten durch die Kleidung ausgedrückt werden. Kleidung kann auch als Instrument der Machtdemonstration dienen, sodass sie den Status, den eine Person innehat verdeutlicht. So werden Würdenträger, Könige, Richter und auch Stammeshäuptlinge differenziert und allein durch ihr Erscheinungsbild hervorgehoben.

Die Zuschreibung mithilfe der Kleidung

Als Zuschreibung mittels der Kleidung versteht man den Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Das können Berufsgruppen sein, Clubs, Mannschaften oder Verbände. Typische Kleidungsstücke oder Stile sind hier Beispielsweise Uniformen, Dienstbekleidung oder Trikots. Bei der Zuschreibung mithilfe der Kleidung geht es nicht darum, dass man sich gegenüber anderen abgrenzt, sondern es geht darum, seine Zugehörigkeit zu einer ganz spezifischen Gruppe auszudrücken. Sich die Kleidung einer dieser Gruppen anzuziehen, obwohl man ihr nicht angehört, gilt als eine Verkleidung und kann im schlimmsten Fall von Betrügern und Hochstaplern ausgenutzt werden.

Die Grenzen zwischen dem Differenzierungsstatus und dem Zuschreibungsstatus sind allerdings fließend und man kann sie oft nicht eindeutig voneinander trennen.

Die Bedeutung für den Menschen

Für Menschen war es aus einfachen Überlebensgründen schon immer wichtig, einer Gruppe anzugehören. Heutzutage versuchen wir diese Art der Gruppenzugehörigkeit über unsere Kleidung auszudrücken und zu verdeutlichen. Dazu gehört es auch, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und sich den neuesten Trends entsprechend zu kleiden. Wer es sich dabei nicht leisten kann von hochwertigen Marken zu kaufen, greift auf ähnliche Modelle von der Stange zurück. Denn Kleidung dient als Kommunikationsmittel und so drückt ein Topmanager durch seinen eleganten Anzug seinen Status innerhalb der Gesellschaft aus oder stellt seinen teuren Herrenmantel zur Schau, um sich von anderen Angestellten abzuheben.