Ein Geschenk sagt mehr als 1000 Worte

Die westliche Welt schwelgt im Reichtum. Mit einem Klick auf den Kauf-Button kann man sich im World Wide Web sämtliche Wünsche erfüllen. Die Tradition des Schenkens an Geburtstagen und Weihnachten scheint damit veraltet und aus der Zeit gekommen zu sein. Nichtsdestotrotz hält sich die Gewohnheit weiterhin hartnäckig und beschert dem Schenkenden häufig eine panische Suche nach dem richtigen Mitbringsel.

Wie viel materielle Besitztümer kann ein einzelner Mensch ansammeln? Die Arbeiter des städtischen Wertstoffhofes können uns mit Sicherheit genaue Angaben liefern. Fakt ist jedoch, dass in unserer konsumorientierten Welt der Gedanke des Schenkens an sich verloren gegangen ist. Doch nicht zu schnell, werfen wir zunächst einen Blick auf die Geschichte der Geschenke:

Das Schenken ist so alt wie die Menschheit

Geschenke ziehen sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Tatsächlich lassen sich die Bräuche mehrere Tausend Jahre zurückverfolgen, als die Menschen Gott Brandopfer darboten, um sich für seine Güte und Gnade zu bedanken. Und selbst zur Geburt Jesus brachten die Heiligen Drei Könige eine Aufmerksamkeit mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Das alte Rom griff auf weniger krasse Maßnahmen zurück und beschränkte sich auf Kleinigkeiten: An den Neujahrsfeiern wurden Zweige oder Früchte vergeben, um das kommende Jahr mit Glück zu füllen und auch Bedienstete und Haustiere erhielten eine Kleinigkeit. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesen Traditionen feste Gewohnheiten, die heutzutage ein ungesundes Ausmaß annehmen.

Der Sinn bleibt verborgen

Geschenke sind ein Zeichen der Liebe, der Dankbarkeit und der aufrichtigen Zuneigung. Der Akt des Schenkens spiegelt dementsprechend die Wertschätzung einer Person für einen Nahestehenden wider. Dieser Gedanke findet sich in dem Ausdruck »eine Freude bereiten« wieder. Doch auch andere Redewendungen geben einen Hinweis auf die Bedeutung des Schenkens. So wird gerne die Bezeichnung »kleine Aufmerksamkeit« als Synonym für das Wort »Geschenk« verwendet. Dadurch wird ersichtlich, dass eine nagelneue Spielekonsole, ein Kleinwagen oder eine Urlaubsreise nichts mehr mit dem ursprünglichen Anliegen gemeinsam haben.

In manchen Familien ist es bereits zum Brauch geworden, Geschenklisten zu führen, die Verwandten und Freunden vorgelegt werden. Auch ein Amazon Gutschein oder Geldgeschenke an sich verfehlen das Ziel des Schenkens leider. Denn letztendlich wird in diesen Fällen das ökonomische Interesse an Geschenken unterstrichen, dass eigentlich kein Teil des Gebens sein sollte.

Zudem lässt sich am gewählten Geschenk ziemlich leicht die Beziehung und Wertschätzung ablesen. Greift der Geber zu Standardgeschenken wie Tassen, Socken, Duschgels oder Krawatten, zeugt das von wenig Kreativität und der fehlenden Bereitschaft, sich Gedanken über die Wünsche und Vorlieben der zu beschenkenden Person zu machen.

Personalisierte Geschenke wie ein Fotoalbum oder ein bedrucktes Kissen spiegeln die tiefe Verbindung zum Beschenkten wider. Auch Mitbringsel, die gezielt die Interessen und Hobbys aufgreifen, konzentrieren sich auf den Aspekt »Freude bereiten«.

Worte sprechen Bände

Trotz des pejorativen Bedeutungswandels der Geschenke ist das Schenken nur sehr schwer aus unserer Gesellschaft zu entfernen, da es sich zum festen Ritual an Geburtstagen, Weihnachten und besonderen Anlässen etabliert hat. Darüber hinaus klassifizieren Soziologen das Geben und Nehmen als soziale Handlung, die für eine Gemeinschaft unabdingbar ist. Sie stärkt das Vertrauen ineinander und wird als Liebesbeweis angesehen.

Es zeigt sich jedoch, dass die Geber ein unangebrachtes Geschenk oftmals nicht aus Bösartigkeit oder mangelnden Gefühlen aussuchen. In den meisten Fällen, haben die Menschen Probleme damit, sich in die Rolle anderer hineinzuversetzen. Doch auch für dieses Problem gibt es eine einfache Lösung. Denn mit den richtigen Worten und einem persönlichen Touch wird selbst aus den unscheinbaren Dingen ein Geschenk mit Bedeutung. Drehen wir unser Innerstes nach Außen und fassen unsere Gedanken in Worte, ist dies wertvoller als jedes Geld der Welt. Und was macht der wortkarge und schreibtalentfreie Teil der Bevölkerung? Er bedient sich der Worte Philosophen, Autoren und Weisen ganz nach dem Motto: »Dumm kann man sein, man muss sich nur zu helfen wissen!«

— 17. Januar 2022
 Top