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07. Oktober 2021

Wenn Spiel zur Sucht wird

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt - Friedrich Schiller.

Spielen gehört zum Menschsein dazu. Ob Kinder oder Erwachsene, wir spielen alleine, um sich die Zeit zu vertreiben, zusammen, um Spaß zu haben, aber auch gegeneinander, um zu sehen wer besser ist.

Der Spieltrieb hat eine wichtige grundlegende Funktion und Teil des Menschseins. Gerade für Kinder gehört das Spielen zu einer gesunden Entwicklung dazu. Sie lernen dabei nicht nur neue Fähigkeiten, sondern auch sich selbst und andere kennen. Kinder stellen sich dabei selbst immer wieder neue Herausforderungen. Ein Erfolg führt zu mehr Selbstbewusstsein, aber auch der Misserfolg ist enorm wichtig für eine gesunde Entwicklung. Schließlich will auch das Verlieren gelernt sein.

Doch auch Erwachsene profitieren vom Spieltrieb, den spielen ist für Kinder jeden Alters gesund. Es regt das Gehirn an, hilft dem Gedächtnis und förderte die motorischen Fähigkeiten - und das bis ins hohe Alter. Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Belege, dass Computerspiele Demenz vorbeugen können. Neuer Herausforderungen helfen uns geistig fit zu bleiben.

Doch wie so viele Dinge im Leben, kann das Gute auch seine Schattenseiten haben - dann, wenn aus Spielspaß ernst wird und die Freude am Spiel zur Sucht. Auch hier gilt: die Dosis macht das Gift.

Wenn Spielen zur Sucht wird

Zwanghaftes spielen, umgangssprachlich kurz Spielsucht genannt, wird oft mit Glücksspiel in Verbindung gebracht. Hier stellt man sich oft den abgehalfterten Mann am Roulettetisch vor, der auch noch den letzten Groschen verzockt. Doch es kann auch andere Formen annehmen.

Immer öfters werden etwa Computerspiele in den Fokus gerückt. Tatsächlich gibt es hier immer wieder Beispiele von Personen, welche jeden Tag stundenlang vor dem Bildschirm sitzen und alle anderen Aktivitäten vernachlässigen. Gesund sind solche Exzesse natürlich nicht.

Die Hintergründe, warum Menschen süchtig nach dem Spiel werden, sind vielfältig und nicht immer besonders gut erforscht. So kann für Betroffene das Spiel eine Art Realitätsflucht darstellen. Die eigenen Probleme treten für ein paar Stunden in den Hintergrund, man kann abschalten und sich im Spiel verlieren. Die Probleme werden dabei natürlich nicht weniger, sondern warten geduldig bis der Computer abgeschaltet wird.

Die klassische Spielsucht im Casino oder in der Automatenhalle ist oft noch viel problematischer. Gerade, wenn beim Spielen Geld riskiert wird macht sich ein problematisches Spielverhalten besonders dramatisch bemerkbar. Geschichten, wo Haus und Hof auf den Spieltischen durchgebracht wurden, kennt wahrscheinlich jeder.

Generell scheint es, als würde die Zahl der Betroffene in den letzten Jahren enorm ansteigen. Das kann unter anderem daran liegen, da Glücksspielangebote gerade im Internet einfach und jederzeit per Knopfdruck erreichbar sind. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es immer mehr das Bewusstsein für diese Erkrankung zunimmt. Betroffene finden heute leichter Hilfe und sind oft auch vermehrt dazu bereit, diese anzunehmen.

Ein Problem, so alt wie die Menschheit

Spielsucht ist dabei bei weitem nicht nur ein Problem unserer Zeit. Tatsächlich wird die Sucht zum Spiel schon seit jeher thematisiert und auch literarisch aufgegriffen.

Ein berühmtes Beispiel hierfür ist der russische Dichter Fjodor Dostojewski. Selbst ein leidenschaftlicher Spieler, verlor er auf den Spieltischen in den Spielbanken in ganz Europa enorme Summen. Tatsächlich waren es seine Spielsucht und die damit verbundenen Schulden, die ihn dazu veranlassten 1866 den Roman „Der Spieler“ zu verfassen. In diesem tragisch-komischen Stück dreht sich alles um eine Gruppe Menschen, welche im fiktiven Kurort Rouletteburg auf den Tod der Erbtante warten. Dostojewski verarbeitet hier wohl auch eigene Erlebnisse und schildert wie die Spielsucht und die Gier nach Geld die Menschen in den Abgrund reißt.

Immerhin, zumindest im echten Leben gibt es ein Happy End. Fjodor Dostojewski heiratete kurz nach der Vollendung des Romans seine Stenographin Anna Snitkina, die ihm geholfen hatte den Roman fristgerecht auf das Papier zu bringen. Die Spielsucht sollte ihm aber noch über Jahre hinweg zu schaffen machen..