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13. Dezember 2019

Der Postle Skandal: Betrug im Glücksspiel oder nicht?

Seit einigen Wochen elektrisiert die Pokerszene ein Skandal, der zuerst in einem Pokerforum an Fahrt aufnahm. Und der zeigt, dass Poker im Cash Game oder am Turniertisch sehr wohl anfällig für Betrug sein kann.

Abb. 1: Betrug beim Poker? Noch ist nicht raus, wie der Postle-Skandal letztlich ausgeht. Doch es gibt einige Ungereimheiten.

Um was geht es? Im Mittelpunkt steht der international bis dato eher unbekannte Poker Profi Mike Postle. In der Poker Hall des Stones Casino ist es für den Spieler extrem gut gelaufen. Postle gewann hier Hände, die andere Pokerspieler so mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gespielt hätten.

Was den Stein ins Rollen brachte, sind Live Streams von den Spieltischen, an denen Postle gesessen hat. Erfahrene Pokerspieler haben die gespielten Hände analysiert. Und vertreten die Ansicht, dass Mike Postle entweder ein Pokergott ist – oder es sich möglicherweise um Betrug handelt. Inzwischen ist gegen den Poker Pro und weitere Personen (darunter auch die Stones Gambling Hall) eine Anklageschrift anhängig. Was ist im Detail passiert? Und welche Folgen hat die Causa für die Poker-/Casino-Szene?

Hintergründe des Postle-Skandals

Poker ist ein Spiel, das nicht allein auf Zufall und Glück basiert, sondern auch auf den Fähigkeiten der Spieler. Anhand einfacher Mathematik lässt sich am Tisch – unter Berücksichtigung der eigenen Hand und der Community Cards – die Range der Gegenspieler ausrechnen. Hieraus ziehen Profis Rückschlüsse zur eigenen Betsize und Spielweise.

Was an Mike Postle im Stones Casino verblüffend ist: Der Pokerspieler hat Karten wie beispielsweise 8-6 bis zum River durchgebracht – und hier die Gegner durch einen Bluff oder die zufällig richtige Karte auf dem River an die Wand gespielt. Für sich betrachtet sind solche Hände nicht außergewöhnlich und kommen immer wieder vor.

Was die Community stutzig macht: Bei Mike Postle klappt dieses Spiel überraschend oft. Daher sprechen Experten, welche das Spiel analysiert haben, entweder von einem »Pokergott« mit überragenden Fähigkeiten oder bringen Cheating ins Spiel. Als Indizien wird angeführt, dass:

  • Postle immer im genau richtigen Moment einen Bluff setzt
  • der Spieler mit seinem Handy beschäftigt scheint (trotz Handy-Verbot)
  • das System Fehler beim Auslesen der Karten zugunsten Postles macht.

Gerade letztgenannte Tatsache und der Aspekt, dass die Kommentatoren des Streams Postle angeblich in ein gutes Licht zu rücken versuchen, macht Beobachter skeptisch. Inzwischen hat das Ganze über das Pokerforum, in dem die Hände zuerst diskutiert wurden, hinaus Wellen geschlagen. Es gibt sogar eine Klage, deren Streitwert mit 10 Millionen USD beziffert wird.

Wie kann Betrug durch Casinos verhindert werden?

In der Klageschrift werden auch das Casino und der Turnierdirektor als Beschuldigte genannt. Zwar werden diese Vorwürfe zurückgewiesen. Allerdings sind sich Beobachter der Streams einig, dass – sollte es tatsächlich um einen handfesten Pokerbetrug gehen – dies Postle nicht allein auf die Beine hat stellen können.

Im Gegenteil: Da es an manchen Stellen fast so aussieht, als würde Postle die Karten seiner Gegner kennen, wäre die Vermutung einer Komplizenschaft naheliegend. Hierfür müsste der Helfer direkt Zugriff auf die in Echtzeit ausgeteilten Karten der anderen Spieler haben – und diese Postle mitteilen können. Dankbar wäre ein Empfänger – etwa der per RFID ausgelesenen Karten – im Handy oder am Körper des Poker Spielers. Das Betrug in dieser Form technisch sehr wohl möglich ist, hat der Skandal um Ali Tekintamgaç gezeigt. Hier wurden die in den Karten versteckten RFID-Magnetstreifen benutzt, um bei Turnieren einen Vorteil gegen andere Spieler zu haben.

Wie lässt sich diese Form Betrug verhindern? Um kriminellen Maschen durch Mitarbeiter zuvorzukommen, haben Casinos nur die Möglichkeit, an den Tische Dealer:

  1. zu beobachten (Video-Kameras)
  2. regelmäßig die Tische wechseln zu lassen
  3. elektrische Kommunikation zu stören.

Sollte allerdings das Casino bis in die Führungsebene in Betrug verwickelt sein, ist es für Spieler extrem schwierig, hier etwas zu erreichen.

Im Regelfall hilft in diesem Zusammenhang nur der Blick auf:

  • Lizenzen und Kontrollen
  • Siegel wie das eCOGRA Fair-Siegel
  • die Erfahrungen der Community.

Wie erkennen Spieler faire Casinos?

Grundsätzlich ist es für Spieler extrem schwierig, in Online Casinos zu betrügen. Hierzu müssen Daten und IT-Systeme angegriffen werden. Auf der anderen Seite steht als Frage immer im Raum, ob das Online Casino seriös ist.

Sehr wichtig sind Prüfsiegel. Kommen diese nach einem Audit von unabhängigen Organisationen, sind diese ein Gütesiegel. Achtung: Inwiefern Online Casinos fair und seriös spielen, lässt sich auch anhand der AGB und Bonusbedingungen abschätzen. Letztere können durchaus erhebliche Überraschungen bereithalten – weshalb der Blick ins Kleingedruckte einfach dazugehört. Entsprechende Webseiten für Online Casino Tests wie dieses Glücksspielportal helfen zudem dabei, sich einen Überblick über die einzelnen Anbieter im Vorfeld zu verschaffen.

Die Lizenz als wichtiges Thema wurde bereits angesprochen. Hieran lässt sich ablesen, wer für die Kontrolle des Casinos verantwortlich ist. Aktuell stehen Malta und Gibraltar – neben Übersee-Regionen – im Mittelpunkt. Die beiden Mitglieder der EU haben insofern den Vorteil, als dass hier die Verbraucherschutzregeln aus Brüssel gelten.

Wichtig ist letztlich immer, auf das Bauchgefühl zu hören. Und dabei nicht zu vergessen, dass die Erfahrungen anderer Spieler mit dem Casino die Entscheidung mitunter vorwegnehmen können.

Abb. 2: Bevor sich Pokerspieler für einen Online-Anbieter entscheiden, sollten sie diesen genau checken.

Fazit: Postle Skandal birgt Sprengstoff für die Szene

Sind Hände, die Mike Postle gespielt hat, wirklich so ungewöhnlich? Dass es beim Pokern hin und wieder zu außergewöhnlichen Situationen kommt, ist normal. Jeder Spieler hat schon einen Bad Beat erlebt – und mit A-A gegen 2-3 verloren. Eine Häufung in dieser Größenordnung macht allerdings nachdenklich. Bisher fehlt der Beweis, dass hier im großen Stil betrogen wird. Sollte es zum Verfahren kommen und Cheating bewiesen werden, wäre dies dramatisch. Einerseits für das betroffene Casino als auch die Szene im Ganzen. Spielbanken und Online Casinos leben schließlich vom Vertrauensvorschuss der Spieler dahingehend, dass an den Spieltischen alles mit rechten Dingen zugeht. Und Spielern Geld nicht durch Betrug im großen Stil aus der Tasche gezogen wird.