Der antike Philosoph Epiktet wurde in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts als Sklave nach Rom verschleppt. In Rom stand Epiktet im Dienst des wohlhabenden und einflussreichen Freigelassenen Epaphroditos und hatte noch ls Sklave die Gelegenheit, beim Stoiker Gaius Musonius Rufus Philosophie zu studieren. Später hielt Epiktet selbst Vorlesungen. Nachdem Epiktet aus Rom vertrieben wurde, gründete er in Nikopolis eine Philosophenschule, an der er bis zu seinem Tod Vorlesungen in Form von Lehrgesprächen hielt.

Heute zählt Epiktet zu den einflussreichsten Vertretern der späten Stoa obwohl er selbst keine Schriften verfasste. Seine Lehren wurden lediglich von seinem Schüler Arrian überliefert, der für sich in Anspruch nimmt, die gehörten Vorlesungen wörtlich aufgeschrieben zu haben um eine Erinnerung an seinen Lehrer für sich selbst zu haben. Später fertigte Arrian aus den Lehrgesprächen einen Auszug, das sogenannte "Handbüchlein", in dem Arrian einige Gedanken Epiktets aus den Lehrgesprächen originalgetreu übernimmt und andere teils mehr und teils weniger abändert. Das "Handbüchlein der Moral", kurz "Handbüchlein", präsentiert Epiktets Philosophie aus der praktischen Sichtweise anhand von Leitgedanken für eine an ethischen Kriterien orientierte Lebensführung.

Nachdem Epiktets philosophische Gedanken zu Lebzeiten einigen Einfluss auf die Lehren der späten Stoa hatten, verblasste sein Einfluss gegen Ende des 2. Jahrhunderts zusehends und geriet mit dem generellen Bedeutungsverlust der Stoa im 3. Jahrhundert weitestgehend in Vergessenheit. Epiktets gingen jedoch jedoch nicht ganz verloren, sondern blieben größtenteils überliefert. Das "Handbüchlein" wurde beispielswiese im 6. Jahrhundert in Platon-Kommentaren erwähnt und wurden sogar selbst umfangreich kommentiert von Simplikios.

Im 9. Jahrhundert fand Epiktet Beachtung durch den arabischen Philosophen und war generell im byzantinischen Reich bekannt und wurde bis ins 14. Jahrhundert hinein immer wieder erwähnt. Von dort gelangten Epiktets Schriften wieder zurück nach Italien wo Niccolò Perotti 1451 das "Handbüchlein" ins Lateinische übersetzte.

1528 erschien die erste Druckausgabe des griechischen Originaltextes des "Handbüchlein" als Anhang zum Simplikios-Kommentar. 1534 wurde die erste deutsche Übersetzung des "Handbüchlein" veröffentlicht und 1719 eine weitere deutschsprachige Umarbeitung des "Handbüchlein".

Auch Johann Wolfgang von Goethe kannte und schätzte das "Handbüchlein" wie er in seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" anmerkt:

"Weder die Schärfe des Aristoteles, noch die Fülle des Plato fruchteten bei mir im mindesten. Zu den Stoikern hingegen hatte ich schon früher einige Neigung gefaßt, und schaffte nun den Epiktet herbei, den ich mit vieler Teilnahme studierte."

Auch Friedrich Nietzsche zählte Epiktet zu den großen Moralisten und hielt ihn für eines der "größten Wunder der antiken Sittlichkeit" (Morgenröthe II, 131). Der still nach innen gekehrt lebe und sich selbst genügende "Epiktetische Mensch" bilde einen Kontrast zu gegenwärtigen Idealen.

An der Wertschätzung Epiktets hat sich seitdem kaum etwas geändert. Epiktet zählt zu den einflussreichsten Vertretern der späten Stoa und hat seinen festen Platz in der Geschichte der Philosophie.