Der am 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen geborene Friedrich Wilhelm Nietzsche wuchs nach dem Tod seines Vaters zunächst in Nauenburg mit Mutter, Schwester, Großmutter und zwei Tanten auf. Erst 1856 ermöglichte eine Erbschaft der Mutter, eine eigene Wohnung anzumieten. Nachdem Nietzsche zunächst die allgemeine Knabenschule besuchte, konnte er 1854 zum Domgymnasium Naumburg wechseln. Dort fiel bereits früh seine seine besondere Begabung im musischen und sprachlichen Bereich auf. Durch Pastor Gustav Adolf Oßwald, ein enger Freund seines verstorbenen Vaters, wurde der junge Nietzsche für die Aufnahmeprüfung in Schulpforta vorbereitet, wo er im. Oktober 1858 als Stipendiat in die Landesschule Pforta aufgenommen wurde. Seine schulischen Leistungen waren sehr gut und durch die Schule hatte er Zugang zu umfangreicher Literatur, die er wissensdurstig studiert, auch wenn er, was ihm später immer wieder zum negativen vorgehalten wurde, das meiste seines philosophischen Wissens aus Sekundätliteratur bezog. Das Studium der klassischen Philologie begann Nietzsche im Wintersemester 1864/65 an der Universität Bonn. Zusätzlich hörte er auch evangelischen Theologie unter anderem bei Wilhelm Ludwig Krafft. Aber bereits nach einem Semester brach er das Studium der Theologie ab und blieb Zeit seines Lebens auf kritischer Distanz zu christlichen Moralvorstellungen.

Im Mai 18969 wurde Friedrich Wilhelm Nietzsche mit 24 Jahren außerordentlicher Professor für klassische Philologie ein Basel - und eine steile Karriere stand dem jungen Nietzsche in Aussicht. Aber die erhoffte Karriere blieb aus. Als Nietzsche 1872 mit "Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" sein erstes größeres Werk veröffentlichte, wurde von seinen Kollegen abgelehnt und totgeschwiegen. Auch die vier "Unzeitgemäßen Betrachtungen" (1873–1876), in denen er von Schopenhauer und Wagner beeinflusste Kulturkritik übte, fanden nicht die erhoffte Resonanz. Zudem war Nietzsche durch seine labile Gesundheit beeinträchtigt. Bereits seit seiner Kindheit litt Nietzsche unter diversen Krankheiten, die ihn seit der Kindheit plagten: starke Kurzsichtigkeit, Migräneanfälle und Magenstörungen. Diese verstärkten sich in Basel und zwangen Nietzsche, immer längere Urlaube von seiner Lehrtätigkeit zu nehmen, bis er 1879 wegen der zunehmenden Häufigkeit heftiger Kopf- und Augenschmerzen seine Professur niederlegen musste.

Von da an reiste er als Heimatloser - die preußische Staatsbürgerschaft hatte er zu Antritt seiner Professur aufgegeben - durch die Schweiz, Deutschland sowie Frankreich und Italien. Auf diesen Reisen entstanden einige seiner Werke. 1883 er in Rapallo in nur zehn Tagen den ersten Teil von "Also sprach Zarathustra". Das Werk stieß jedoch in seinem Freundeskreis auf Unverständnis. Zu neuartig war der Stil de Werks. Auch die nachfolgenden Teile brachten nicht den erhofften Erfolg, so dass Nietzsche den vierten Teil des Zarathustra auf eigene Kosten drucken lassen musste. Ebenso 1886 das Werk "Jenseits von Gut und Böse".

Obwohl Nietzsche weiterhin mit wiederkehrenden schmerzhaften Anfällen zu kämpfen hatte, schrieb er 1887 in kurzer Zeit die Streitschrift "Zur Genealogie der Moral". 1888 schrieb er weitere fünf Bücher und glaubte sich auf der lange erhofften Erfolgsspur. Obwohl sein Werk tatsächlich mehr Beachtung fand, überschätzte er seine eigene Bedeutung erheblich.

Anfang Januar 1889 erfolgte der erste geistige Zusammenbruch in Turin. Seine sogenannte "Wahnzettel", kleine Schriftstücke die er an enge Freunde schickte, waren deutlich vom Wahnsinn gezeichnet. Als Reaktion darauf brachte Overbeck, einer der wenigen verbliebenen Freunde, Nietzsche zunächst in ein Sanatorium in Basel. Jedoch erholte sich Friedrich Wilhelm Nietzsche nicht mehr sondern lebte in geistiger Umnachtung, war arbeitsunfähig und brauchte Pflege. Diese erhielt er zunächst von der Mutter und später seienr Schwetser Elisabeth, mit der er sich immer wieder zerstritten und leidlich versöhnt hatte. Am 25. August 1900 starb Nietzsche im Alter von 55 Jahren. Die Anfang der 1890er Jahre einsetzende Beachtung hatte er selbst nicht mehr bewusst miterlebt.

Der nachwelt hinterließ Friedrich Wilhelm Nietzsche ein eher durchwachsenes Lebenswerk. Er gilt als Meister der aphoristischen Kurzform und einige Interpreten halten die scheinbar wenig strukturierten Aphorismenbücher für geschickt "komponiert". Aber eindeutig einordnen lässt sich Nietzsche nicht. Nietzsche begann sein Werk als Philologe, begriff sich selbst aber zunehmend als Philosoph und als "freier Denker". Er versuchte sich als Dichter, was er aber aufgrund negativer Kritik wieder einstellte, komponierte als junger Mann einige Musiken, zerstritt sich aber auch wieder mit einem Komponisten-Freund Richard Wagner. Liebe und Erfolg blieben ihm Zeit seines Lebens versagt. Sein zweifelsohne vorhandenes Talent, schimmerte wie ein Licht durch die dunkle Nacht der Mittelmäßigkeit. Doch die dunklen Schatten der Krankheit und des Unverstandenseins deckten es immer wieder zu. Es dauerte lange, bis Nietzsche die ihm zustehende Beachtung fand, aber in den Kreis der "ganz Großen" ist er nie aufgestiegen. Kritisiert wird Nietzsche auch dafür, dass er oft Werturteile nicht auf ihre vermeintliche Gültigkeit hin untersucht und wirft der damals gängigen Philosophie und Wissenschaft vor, herrschende Moralvorstellungen unkritisch übernommen zu haben.