Oscar Wilde war nicht nur sein Leben lang ein Ästhet, er war auch von Schönheit angetan und lebte und kleidete sich auffallend verglichen mit dem typischen viktorianischen Stil und mehr noch der Zeit. Er wurde sehr oft karikiert und das Ziel so manchen moralischen Angriffs ob seinem Bekenntnis zur Homosexualität.

Trotzdem hat Oscar Wilde die Menschen vor ein Rätsel gestellt. Zum einen kannte man ihn als wortgewandten, geistreichen Unterhalter und Dandy. Ein Image, das er mit großer Hingabe pflegte. Einmal soll er gesagt haben, sein Leben sei das wahre Kunstwerk und die Literatur, die er verfasst habe, nur ein Hauch seines Talents.

Doch in Wirklichkeit war Oscar Wilde ein Perfektionist, der seine Werke immer wieder überarbeitete, bis er damit zufrieden war.

In der Öffentlichkeit tat er allerdings so, als ob ihm Vergnügen und Dandytum wichtiger seien als seine Werke. Vielleicht war aber die Persönlichkeit die er der Öffentlichkeit zeigte nur eine Maske. Er selbst schrieb in einem Brief:

"Der Welt erscheine ich, von meiner Seite absichtlich, bloß wie ein Dilettant und Dandy - es ist nicht schlau, der Welt das eigene Herz zu zeigen - und wie ernsthaftes Verhalten die Tarnung des Trottels ist, ist Narrheit in ihren exquisiten Arten von Belanglosigkeit und Gleichgültigkeit und Mangel an Sorge das Gewand des schlauen Mannes. In solch einem geschmacklosen Zeitalter wie diesem brauchen wir alle Masken." (Letters, Seite 353)

Seine Schriften wie "Dorian Gray" mit homoerotischen Themen brachten ihm viel Ärger und sein Lebensstil sogar eine Gefängnisstrafe ein. Andererseits war Oscar Wilde ein Teil der beständig wachsenden Gruppe der "Dekadenten", die für Pazifismus, soziale Reformen und Liberalismus eintraten.

Während er von vielen beschimpft und verunglimpft wurde, ging Oscar Wilde seinen Weg mit Stil und Verstand und genoss den Erfolg den ihm viele seiner Stücke einbrachten. Lob kam von vielen einflussreichen Personen seiner Zeit, von denen viele zu seinem Bekanntenkreis gehörten. So auch sein Schriftsteller-Kollege George Bernard Shaw und die amerikanischen Poeten Walt Whitman und Henry Wadsworth Longfellow sowie der englische Autor und Sozialkritiker John Ruskin. Wildes Werke haben viele Autoren beeinflusst und wurden in unzählige Sprachen übersetzt und mehrfach für Bühne und Film adaptiert.

Weder im Privaten (seine Ehefrau hat trotz seiner Affären nie die Scheidung eingereicht) noch in seiner schriftstellerischen Tätigkeit hat Oscar Wildes Lebensstil sich zum Nachteil ausgewirkt, wenngleich auch die zweijährige Gefängnisstrafe wegen seiner Homosexualität seine Gesundheit ruiniert hatte. Sein Dandy-haftes Auftreten und sein öffentlich zur Schau gestelltes Leben, lassen ihn aus heutiger Sicht eher wie einen smarten PR-Experten aussehen. Denn alleine die unglaubliche Anzahl von Werken, die er geschrieben hat, zeigt, dass ihm seine Arbeit durchaus wichtig war. Auch wenn er immer wieder so tat als ob ihm Dandytum und Vergnügen wichtiger seien als seine Werke. Vielleicht war aber gerade das nur eine Maske, die er der Öffentlichkeit zeigte, während dahinter ein kluger und sensibler Geist steckte.