Das Theaterpublikum des 16. Jahrhunderts konsumierte im allgemeinen bevorzugt Tragödien und Komödien, die Shakespeare in schöner Regelmäßigkeit - wohl ein bis zwei Werke pro Jahr - für seine Theatertruppe schrieb. Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts kam in England eine patriotisch, nationale Begeisterung auf, die ihren Höhepunkt 1588 mit der Niederwerfung der spanischen Armada erreichte. Die patriotische Stimmung wirkte sich auch auf das englische Theater aus. Das Publikum wollte keine griechischen und römischen Tragödien mehr sehen, sondern von der glorreichen Vergangenheit der Nation, des Vaterlandes hören. Diesem Wunsch kamen einige Dichter nach, die mit dramatisierten Chroniken der englischen Geschichte den Geschmack des Publikums trafen und mit ihren historiendurchtränkten Stücken Erfolge feierten.

Auch Shakespeare schrieb neben seinen frühen Komödien und Tragödien einige Königsdramen, historisch patriotische Dichtungen die mit dramatisierten Bildern geschichtliche Ereignisse in England schilderten. Für diese Werke prägte sich der Begriff "Historien", der bis heute beibehalten wurde.

Nach historischen Stoffen musste der Patriot und Royalist Shakespeare nicht lange suchen, bot doch die englische Geschichte der vorangegangenen Jahrhunderte einen üppigen Fundus an Schlachten, Thronstreitigkeiten und Hinrichtungen. Englands Herrscher aus den Häusern Lancaster und York lieferten nicht nur reichhaltige Chroniken fürs Theater sondern waren in vielerlei Hinsicht der Anstoß für die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen jener Zeit mit denen heftige innerpolitische Kämpfe einhergingen.

Die beiden Adelsparteien der Roten Rose (Lancaster) und der Weißen Rose (York) bekämpften einander um die Vorherrschaft was dazu führte, dass das aufstrebende Bürgertum immer mehr wirtschaftlichen und politischen Einfluss gewann. John Wiclif, der von ca. 1328 bis 1384 lebte, markiert den Beginn der Reformation und Englands Aufbruch zu wirtschaftlicher Selbständigkeit sowie der Anfang der Wandlung vom Ackerbau- zum Industriestaat - die Voraussetzung und Grundlage für die Größe des Elisabethanischen Zeitalters. Während in England um Macht und Zukunft gekämpft wurde, führte die zerstrittene Nation von 1339 bis 1453 den sogenannten hundertjährigen Krieg gegen Frankreich.

Shakespeares Historien basieren auf den historischen Ereignissen von 1377 bis 1485, von der Herrschaft Richard II. über die Herrschaft der Häuser Lancaster und York bis hin zum Tod Richards III. sowie Heinrich VIII. Diese Königsdramen waren aber offenbar nicht als ein Zyklus angelegt gewesen, denn sie entstanden nicht in historisch chronologischer Reihenfolge. Um 1590 begann Shakespeare zunächst mit den drei Teilen von "König Heinrich VI." und schrieb anschließend "König Richard III.". Den beiden Herrschern folgten ihre Vorgänger Richard II. und Heinrichs IV. Etwa um 1598 entstand "König Heinrich V.". Als letztes Königsdram schrieb Shakespeare um 1612 "König Heinrich VIII.".

Für den Geschichtsunterricht taugen Shakespeares Historien jedoch nicht, denn die historischen Ereignisse interessierten den Dichter weitaus weniger als die historischen Gestalten. Das Schicksal der Könige und ihrer Gegner lautet das Hauptthema der Königsdramen und der dramatischen Gestaltung zuliebe wurden so manche geschichtlichen Ereignisse ausgelassen oder gar zurechtgerückt wenn es nicht in die Intention des Werkes passte. Diese Vernachlässigung der historischen Treue ist charakteristisch für Shakespeare. Auch bei seinen übrigen Werken nahm Shakespeare es mit Raum und Zeit nicht allzu genau, was ihm später heftige Kritik auf dem Festland, speziell Frankreich, einbrachte, wo das barocke Theater eine strikte Einheit von Raum und Zeit verlangte. Eine Vorgabe, die Shakespeare in seinen Komödien, Tragödien und Historien ignorierte wann immer sie ihm bei der Entwicklung des Stoffes hinderlich waren. Dennoch hat Shakespeare mit seinen Historien einen monumentalen Zyklus geschaffen, der bis heute das Theaterpublikum weltweit in seinen Bann zieht.