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Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker

deutscher Physiker, Wissenschaftsphilosoph und Friedensforscher (1912 - 2007)

Der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker war der ältere Bruder des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Er gehörte neben Werner Heisenberg und Otto Hahn dem deutschen "Uranprojekt" zur Erforschung der Kernspaltung an und erkannte bereits vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs die Möglichkeit, Atombomben herzustellen. Er sagte später in einem Interview: "Nur durch göttliche Gnade" sei er vor der Versuchung bewahrt worden, die deutsche Atombombe tatsächlich zu bauen.

Insbesondere nach seiner Emeritierung 1980 vertrat Weizsäcker einen "radikalen Pazifismus als das christlich einzig Mögliche" und proklamierte, das Wissenschaft und politische Moral nach seiner Ansicht im Zeitalter der Atombombe, der Informationstechnik und der Genmanipulation untrennbar miteinander verbunden seien.

Geboren wurde Carl Friedrich von Weizsäcker am 28. Juni 1912 in Kiel. Er wuchs jedoch in verschiedenen Städten auf. Ab 1915 lebte er in Stuttgart, zog 1922 nach Basel und lebte ab 1925 in Kopenhagen. 1929 machte er das Abitur in Berlin.

Im März 1937 heiratete er die Schweizer Historikerin Gundalena Wille, die er 1934 bei ihrer Arbeit als Journalistin kennengelernt hatte.

Großen Einfluss auf Weizsäcker Lebensweg hatte Werner Heisenberg, den er 1927 als Jugendlicher in Kopenhagen kennenlernte. Von 1929 bis 1933 studierte er Physik, Astronomie und Mathematik an den Universitäten in Berlin, Göttingen und Leipzig, bei renommierten Professoren, darunter Werner Heisenberg, Friedrich Hund und Niels Bohr.

1936 habilitierte Weizsäcker sich wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin.

In den Jahren 1940 bis 1942 arbeitete Weizsäcker am deutschen Uranprojektund hatte anschließend bis 1944 den Lehrstuhl für theoretische Physik an der Reichsuniversität Straßburg inne.

Ab 1946 leitete Weizsäcker eine Abteilung des Max-Planck-Instituts für Physik in Göttingen, wo er als Honorarprofessor an der Georg-August-Universität Göttingen tätig war. 1950 wurde er in die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen aufgenommen.

Im Jahre 1957 wurde er auf einen Lehrstuhl für Philosophie der Universität Hamburg berufen wo er neben wissenschaftstheoretisch-physikalischen Fragen im Umkreis der Quantentheorie auch am biologischen und sozialen Ursprungs des Menschen forschte und versuchte, die Wurzeln und Strukturen exakter Naturwissenschaft in den Denkmustern der Philosophie zu entdecken.

Von 1970 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1980 leitete Weizsäcker gemeinsam mit dem Philosophen Jürgen Habermas das Starnberger Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt.

Im Laufe seines Lebens erhielt Carl Friedrich von Weizsäcker zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen: 1957 wurde Weizsäcker die Max-Planck-Medaille verliehen und 1961 erfolgte seine Aufnahme in den Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste. 1963 wurde Weizsäcker mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet und erhielt 1970 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst sowie 1973 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland.

Am 28. April 2007 starb Carl Friedrich von Weizsäcker in Söcking am Starnberger See.