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Epiktet

griechischer Philosoph (um 50 - um 138)

Über das Leben Epiktets ist relativ wenig bekannt. Geboren ist er ca. 50 nach Christus in Hierapolis, das heute zur Türkei gehört, und kam als Sklave Epaphroditos’, der Leibwächter und Vertrauter Neros war, nach Rom. Damals war es nicht ungewöhnlich, dass sich reiche Römer einen gebildeten Sklaven wie Epiktet hielten.

Nach dem Tod Neros wurde Epiktet freigelassen und begann, die stoische Lehren zu verkünden. Etwa um das Jahr 90 herum wurde er, ähnlich wie vor ihm Seneca und Musonius, mit anderen Philosophen durch ein Dekret des Kaisers Domitian aus Italien verbannt. Er ließ sich in Nikopolis (Epirus) nieder und gründete eine bald weithin berühmte Schule, die er bis zu seinem Tod leitete. Sein ganzer Besitz in dieser Zeit soll eine Lampe aus Ton, ein Strohsack, einen Decke und eine Bank gewesen sein, womit Epiktet seine Philosophie lebte, was die Lebensführung betrifft.

Epiktet richtete sich in seiner Philosophie nach der Stoa, die ca. 300 vor Christus von Zenon von Kition gegründet wurde. Ein zentraler Punkt in Epiktets Philosophie ist "was in unserer Macht steht und was nicht in unserer Macht steht“. Was in unserer Macht steht sind Dinge wie Annehmen, Auffassen Begehren und Ablehnen. Zu dem, was nicht in unserer Macht steht zählt Epiktet Dinge wie unseren Körper, unser gesellschaftliches Ansehen unseren Besitz - kurz, alles was wir nicht in Gang setzen und zu verantworten haben. Mit dieser Grundlage beschreibt Epiktet weiter, was zu tun ist, um ein glückliches Leben zu führen. Alles, was Epiktet schreibt, geht davon aus, dass der Mensch von Anfang an eine von Gott zugeschriebene Rolle spielt und das Schicksal von Anfang an besiegelt ist. Die Rolle des Menschen besteht nur darin, diese Rolle möglichst gut zu spielen.

Für Epiktet ist es wichtig, dass man als Mensch solche Dinge, die nicht in der eigenen Macht stehen, komplett unberührt lässt und nur versucht die Dinge zu beeinflussen, die in der eigenen Macht stehen. Epiktet beschreibt dies folgendermaßen: "Wenn du das von Natur aus Unfreie für frei und das Fremde für dein Eigentum hältst, dann wirst du dir selbst im Wege stehen, Grund zu Klage haben [...]; hältst du aber nur das für dein Eigentum, was wirklich dir gehört [...], dann wird niemand jemals Zwang auf dich ausüben [...], du wirst keine Feinde haben."

Um in der Lage zu sein, all dies umzusetzen führt Epiktet sein Prinzip im Detail aus. Unter anderem sieht er vor, dass man sich niemals zu stark an einen Gegenstand oder eine Person bindet, so dass, sobald ein Gegenstand kaputt geht oder eine Person stirbt, an der man hing, man nicht traurig sein wird, da man sich schon vorher weit genug entfernt hatte.

Für Epiktet ist es sehr wichtig, das man die von Gott gegebene Rolle annimmt. Dazu gehört beispielsweise, dass man sich nicht dagegen wehrt, in welchem Stand man geboren wurde. Dies war zu Epiktets Zeiten und besonders für ihn selbst, der als Sklave geboren wurde, eine weitreichende Einstellung. Genauso wie den eigenen Stand soll man auch Rückschläge wie Krankheiten als gegeben hinnehmen. Auch das lässt sich auf Epiktets Leben zurückführen: Er war gezwungen, eine lange Zeit mit einem lahmen Bein zu leben.

Epiktets Philosophie kann insofern als eine Art Reflexion seines Lebens gesehen werden, da sie einige Aspekte aus seinem Leben deutlich widerspiegelt und Nachteile, die er in seinem Leben erfahren musste, kurzerhand zur Regel erklärte und so für sich und seine Schüler das scheinbar Unabdingbare akzeptierte. Epiktet suchte das Glück des Lebens darin, das zu genießen was für ihn erreichbar war; und er verzichtete auf persönliche Besitztümer, die er sich im Alter durchaus hätte leisten aber auch verlieren können. Insofern steht Epiktet im Widerspruch zu späteren Philosophen, die dem Menschen deutlich mehr Handlungsspielraum und Eigenverantwortung zubilligten. Auch Niebuhrs Gelassenheitsgebet beschränkt sich nicht darauf, das nicht Änderbare hinzunehmen, sondern fordert auf, für das Änderbare einzutreten. Epiktet umgeht diese Unterscheidung, indem er eine von Gott zugeschriebene Rolle und ein unveränderbares Schicksal als Basis seiner Philosophie betrachtet.

Epiktet starb ca. 130 nach Christus.

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