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Hermann Hesse

deutscher Schriftsteller (1877 - 1962)

Am 2. Juli 1877 wurde Hermann Hesse in Calw geboren. Er war der Sohn des deutsch-baltischen Missionars Johannes Hesse und dessen Frau Marie. Nach dem Besuch der Göppinger Lateinschule erhielt er ein Stipendium für ein Evangelisch-theologisches Seminar in Maulbronn. Im April 1892 flüchtete von dort und im Juni 1892 verübte der 14-Jährige einen Selbstmordversuch.

Es folgten das Cannstatter Gymnasium, 1895 eine Lehre als Turmuhrenmechaniker und danach eine Ausbildung als Buchhändler in Tübingen. Erste Erfolge mit seinem literarischen Werk konnte er z.B. mit "Romantische Lieder", "Eine Stunde hinter Mitternacht" und "Peter Camenzind" verbuchen. 1904 ließ er sich in Gaienhofen am Bodensee nieder. Maria Bernoulli, eine Basler Fotografin, und Hermann Hesse heirateten.

Mitbegründer der Zeitschrift "März" wurde Hesse 1906 und 1911 reiste er nach Indien. Vier Monate lang besuchte er auch Ceylon, Singapur und Sumatra, wo er die beruflichen Wirkungsstätten des Vaters und Großvaters aufsuchte. Ostermundigen bei Bern wurde im Anschluss neue Heimat für ihn, seine Frau und seine mittlerweile drei Söhne. Er meldete sich freiwillig zum Militär anlässlich des Ersten Weltkrieges, wurde jedoch für untauglich erklärt. Es folgte eine Arbeit in der Kriegsgefangenenfürsorge.

Eine Reihe privater Sorgen wie z.B. die schwere Erkrankung seines Sohnes Martin 1916, der Ausbruch der Schizophrenie bei seiner Ehefrau, der Tod seines Vaters, wie aber auch gewisse Enttäuschungen über das politische Versagen zahlreicher Intellektueller und Künstler, brachten ihn in eine schwere Krise. Mit Hilfe der Psychoanalyse versuchte er diese zu meistern.

Weil er sich gegen die patriotische Kriegsdichtung aussprach, wurde er zum Vaterlandsverräter abgestempelt. Im Jahr 1919 trennte er sich von seiner Familie und zog nach Montagnola ins Tessin. Hier setzte er sich endgültig zur Ruhe und gründete die literarische Zeitschrift "Vivos voco". Sein Roman "Siddharta" erschien 1922. Im Jahre 1923 erhielt er die schweizerische Staatsbürgerschaft. In diesem Jahr erfolgte auch die Scheidung und ein Jahr darauf die Hochzeit mit Ruth Wenger. Diese Ehe hielt bis 1927.

"Narziß und Goldmund" stellte er 1929 fertig und 1931 heiratete er zum dritten Mal. Seine neue Frau war die Kunsthistorikerin Ninon Dolbin. 1933 bot Hermann Hesse Künstlern eine Zufluchtsstätte, die aus Angst der NSDAP Deutschland verließen. Er stand zwar nicht in vorderster Front der Widerstandskämpfer, aber machte seine ablehnende Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus in vielen Privatbriefen, Leserbriefen und Artikeln deutlich. Als Reaktion wurde der Verkauf seiner Werke im Dritten Reich verboten.

Sein gesammeltes lyrisches Werk veröffentlichte er 1942. Sein Gesundheitszustand war bereits sehr angegriffen und seine Sehschwäche wurde immer problematischer. Man ehrte ihn 1946 mit dem "Goethe-Preis" der Stadt Frankfurt und im Dezember erfolgte der Literaturnobelpreis. Viele weitere Ehrungen wie auch die Ehrendoktorwürde folgten, u. a. auch der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Jahre 1955. 1955 wurde er für seinen Kampf gegen den Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Im Alter von 85 Jahren verstarb der deutsch-schweizerische Dichter und Freizeitmaler Hermann Hesse am 9. August 1962 in Montagnola und gilt als einer der bedeutendsten Romanautoren des 20. Jahrhunderts.