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Joseph Freiherr von Eichendorff

deutscher Lyriker und Erzähler (1788 - 1857)

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff, kurz Joseph von Eichendorff, gehört zu den bedeutendsten und noch heute bewunderten deutschen Schriftstellern. Viele seiner Gedichte wurden vertont und gesungen. Mit rund 5.000 Vertonungen gehört Eichendorff zu den meistvertonten Poeten. Unter den Liedern finden sich einige Perlen der Volksliedkunst. Darunter die von Felix Mendelssohn Bartholdy vertonten Gedichte"O Täler weit, o Höhen" und "Wer hat dich, du schöner Wald", sowie Friedrich Glücks ewig schöne Melodie zu "In einem kühlen Grunde" und natürlich die Hymne aller Wanderer "Wem Gott will rechte Gunst erweisen", die Friedrich Theodor Fröhlich vertonte. Herrlich auch die Zeilen:

O wunderbares tiefes Schweigen!
Wie einsam ists noch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,
als ging der Herr durchs stille Feld.

Typisch für Eichendorff ist die religiöse Durchtränkung seiner Werke, die seinen Glauben hervorheben, ohne sich missionarisch aufzudrängen. Auch suchte Eichendorff das europäische Miteinander und setzte sich damit vom herablassenden Nationalstolz anderer Romantiker positiv ab.

Die poetische Begabung Eichendoffs zeigte sich schon sehr früh und wurde durch Hausunterricht und Reisen stark gefördert, da die Familie in guten finanziellen Verhältnissen lebte. Als Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff kam er am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor als Sohn eines preußischen Offiziers zur Welt. Seine Mutter Karoline, eine geborene Freiin von Kloch, stammte aus einer schlesischen Adelsfamilie, aus deren Besitz sie Schloss Lubowitz erbte.

Von 1793 bis 1801 wurde Joseph zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Wilhelm von Eichendorff zuhause von Pfarrer Bernhard Heinke unterrichtet. Nach dem Lesen von Abenteuer- und Ritterromanen sowie antiken Sagen folgten schon früh erste kindliche, literarische Versuche.

Als Eichendorff 1794 nach Prag reiste und später in 1799 nach Karlsbad und erneut nach Prag, hielt er seine Eindrücke von der Fahrt er in ersten Aufzeichnungen fest.

Mit dem 12. November 1800 begannen Eichendorffs Tagebuchaufzeichnungen und die Abfassung einer Naturgeschichte mit eigenen Illustrationen.

Ab Oktober 1801 besuchten die beiden Brüder Joseph und Wilhelm bis 1804 das katholische Matthias-Gymnasium in Breslau. Aus dieser Zeit sind häufige Theaterbesuche und frühe Gedichte bekannt. Auch die Jugendfreundschaft zum Schulkammeraden Joseph Christian von Zedlitz nahm hier ihren Anfang.

Von 1805 bis1806 studierte Eichendorff in Halle Jura und Geisteswissenschaft und besuchte zusätzlich auch philologische Vorlesungen bei Friedrich Schleiermacher, Friedrich August Wolf und Henrich Steffens. Daneben unternahm Eichendorff immer wieder Reisen, darunter eine durch den Harz, die ihn bis nach Hamburg und Lübeck führte.

Im August 1806 kehrte Joseph von Eichendorff nach Schloss Lubowitz zurück, wo er das gesellige Leben mit Bällen und Jagden in der Umgebung genoss. Erst im Mai 1807 reisten die Brüder über Linz, Regensburg und Nürnberg nach Heidelberg zur Fortsetzung ihrer Studien. Dort, in Heidelberg, hörte Eichendorff rechtswissenschaftliche Vorlesungen bei Anton Friedrich Justus Thibaut und Joseph Görres. Er lernte Achim von Arnim kennen, befreundete sich mit dem Dichter Otto von Loeben und gründete zusammen mit den befreundeten Theologen Strauß und Budde den "Eleusischen Bund" in dem sie ihre Dichtungen aus tauschten.

Im April 1808 unternahm Eichendorff eine weitere Bildungsreise, die ihn über Straßburg nach Paris führte. Am 13. Mai reiste er von Heidelberg über Würzburg und Nürnberg nach Regensburg und von dort mit dem Postschiff auf der Donau nach Wien. Erst im Sommer kehrte er nach Lubowitz zurück, um dem Vater bei der Verwaltung der Güter zur Seite zu stehen.

Als Eichendorffs erste Veröffentlichung erschien der Abdruck einiger Gedichte in Asts "Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst" unter dem Pseudonym "Florens". Um diese Zeit begann er auch mit der Niederschrift der Märchennovelle "Die Zauberei im Herbste".

1809 verlobte sich Eichendorff mit Luise von Larisch, der siebzehnjährigen Tochter eines Gutsbesitzers. Aber schon im November 1809 zog es Eichendorff mit seinem Bruder nach Berlin, wo er Privat-Vorlesungen von Johann Gottlieb Fichte hörte und mit Arnim, Brentano und Kleist zusammentraf. Erst im Sommer 1810 setzte er sein Studium der Rechte in Wien fort und schloss es 1812 erfolgreich ab.

Von 1813 bis 1815 nahm Eichendorff an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil und kehrte erst im 1816 nach Breslau zurück. Im April 1815 hatte er in Breslau Luise von Larisch geheiratet, die ihm noch im gleichen Jahr einen ersten Sohn gebar. Für Eichendorff sah die Zukunft rosig aus. Doch nach dem Tod des Vaters im Jahr 1818 wurden die meisten der hochverschuldeten Güter der Familie verkauft. Lediglich Schloss Lubowitz und Gut Sedlnitz blieben erhalten. Diesen Verlust mit all den Erinnerungen an seine Kindheit soll Eichendorff nie wirklich überwunden haben. Er stürzte sich in Arbeit und begann eine berufliche Karriere.

Nachdem Eichendorff 1816 als Referendar in Breslau im preußischen Staatsdienst begonnen hatte, wurde er 1821 zum katholischen Kirchen- und Schulrat zu Danzig und 1824 zum Oberpräsidialrat in Königsberg ernannt. Es folgten Diensten für diverse preußische Ministerien, die es erforderlich machten, Dass Eichendorff 1831 mit seiner Familie nach Berlin zog. 1841 wurde Eichendorff zum Geheimen Regierungsrat ernannt, ging aber bereits 1844 nach einer schweren Lungenentzündung in den Ruhestand.

1846 übersetzte Eichendorff einige von Pedro Calderón de la Barcas religiösen Dramen. In den letzten Jahren seines Lebens war er jedoch vorrangig publizistisch tätig.

Am 26. November 1857 starb Joseph von Eichendorff in Neiße (Schlesien) an Lungenentzündung. Er hinterließ ein beeindruckendes poetisches Werk, das aber durchzogen ist von Schmerz, Heimweh und Verlusterfahrung. Denn ein Großteil seiner Lyrik ist Erinnerungsdichtung. Eichendorff erfindet nicht neue Stoffe, sondern schildert sein Heimweh, besingt die "alte schöne Zeit“. Die häufige Erinnerung an vertraute Umgebungen gehen zurück auf die verlorenen Güter der Familie. Eichendorffs Blick Blick geht oft zurück in die Kindheit, die verlorene Heimat. Er besingt die Vergangenheit, was oft als Einsamkeitslyrik bezeichnet wurde. Doch er dichtet seine Erinnerungen in einer so betörend eindringlichen Weise, dass sie zu Herzen gehen. Nicht zuletzt deshalb eigneten sich Eichendorffs Gedichte so hervorragend als Textvorlage für Vertonungen, die vielfach zu Klassiker des Volkslieds wurden.