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Martin Buber

österreichisch-israelischer Religionsphilosoph und Schriftsteller (1878 - 1965)

Wien war der Geburtsort Martin Bubers, der am 8. Februar 1878 als Sohn einer großbürgerlichen jüdischen Familie zur Welt kam. Nach der Scheidung der Eltern lebte er in Lemberg, wo er das Gymnasium absolvierte und dort auch u. a. Philosophie studierte. In Wien, Leipzig, Berlin und Zürich setzte er seine Studien fort und erweiterte sie um Germanistik und Philosophie. Seine Frau Paula Winkler, die er 1899 heiratete, arbeitete als Schriftstellerin unter dem Pseudonym Georg Munk. Am fünften Zionistenkongress in Basel vertritt er die "kulturzionistische" Richtung, wird 1902 Mitbegründer eines jüdischen Verlages, der sich der „Erneuerung des Judentums“ verschreibt. 1903 schreibt der seine Dissertation und zieht sich aus der zionistischen Parteiarbeit zurück. "Die Geschichten des Rabi Nachman", "Die Legenden des Baalschem" werden veröffentlicht und er fungiert nach einem Umzug nach Berlin als Herausgeber der sozialpsychologischen Schriftenreihe "Die Gesellschaft". Viele weitere Werke entstehen wie auch die Prosadichtung "Daniel". Mit ihr versucht Buber eine Synthese zwischen westlicher Lebensphilosophie und östlicher Mystik.

Der Erste Weltkrieg führte dazu, dass Buber sich erneut der zionistischen Bewegung zuwandte und er leitet zwischen den Jahren 1916-1924 die Monatszeitschrift "Der Jude" als Sprachrohr jüdischer Neubesinnung und Sammlung. Es folgte die Lehrtätigkeit an der Universität Frankfurt und er initiiert Tagungen zur Erneuerung des Bildungswesens.

In Frankfurt erhält er den einzigen Lehrauftrag für Religionswissenschaft und jüdische Ethik in Deutschland. Holland und die Schweiz sind weitere Stationen seiner Tätigkeit in freien Lehrgruppen ab 1924. Biblische Themen treten bei Buber in seinem Werk "Königstum Gottes" auf. Seine Professur legt er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 nieder. Bei der Reichsvertretung der Deutschen Juden beteiligt er sich am Aufbau einer "Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung". 1935 wird Buber mit einem Verbot jeglicher öffentlicher Lehrtätigkeit belegt. Noch vor dem Novemberprogrom emigriert Buber 1938 nach Jerusalem und übernimmt eine Professur für Sozialpsychologie.

Seine Bemühungen um die jüdisch-arabische Verständigung, die er mit der Schrift "Israel und Palestina" forcieren will, findet wenig Zuspruch. 1947 kehrt er erstmalig nach Europa zurück und bekommt 1953 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Martin Bubers Einfluss auf die Gestalttherapie war überragend. Sein berühmter Satz: "Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch" ist kennzeichnend für seine Haltung, seinen Ansatz und seine Impulse. Das Ernstnehmen und die Würdigung des Gesprächspartners steht im Vordergrund seiner Bemühungen, offene Prozesse zu schaffen, wo Gespräch und Dialog zum Zentrum seiner Bemühungen wurden. Viele weitere Ehrungen des großen Religionsphilosophen und erfolgen bis zu seinem Tod am 13. Juni 1965.