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Martin Niemöller

deutscher evangelischer Theologe (1892 - 1984)

Als Martin Niemöller am 6. März 1984 in Wiesbaden starb, blickte er auf ein wechselvolles Leben zurück; ein Leben das manche Wendung nahm und doch ein gerader Weg war, der durch Glauben und innerste Überzeugung vorgegeben war.

Martin Niemöller, der evangelische Theologe, war ein führender Vertreter der Bekennenden Kirche und Präsident im Ökumenischen Rat der Kirchen. Er war aber auch Offizier im ersten Weltkrieg und stand dem Nationalsozialismus anfangs positiv gegenüber. Erst während des Kirchenkampfes und seit 1937 als Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen wandelte er sich langsam zum Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Nach 1945 war er ein Teil der Friedensbewegung und propagierte eine Neuordnung der Evangelischen Kirche.

Und dennoch, mit dem Namen Martin Niemöller verbinden die meisten Menschen zuerst das Niemöllersche Schuldbekenntnis:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Martin Niemöller sprach die Worte - so oder so ähnlich, wie er später einräumte - Ostern 1976 während einer Diskussion im Gemeindesaal Kaiserslautern -Siegelbach bei Pfarrer Hans-Joachim Oeffler nach einer Predigt. Es war Niemöllers Antwort auf die Frage: Warum habt ihr damals nichts getan…?

Mit seiner selbstkritischen Antwort lieferte Martin Niemöller ein Beispiel dafür, wie man schuldig werden kann ohne etwas Schuldhaftes getan zu haben - durch Unterlassen und Nichterkennen einer Gefahr, die zum Anfang von Unrecht und Gewalt wurde. Zur Kristallnacht 1938 konnte er selbst schon nichts mehr tun, er kam 1937 in Gefangenschaft.


Vom Offizier zum Friedensaktivist


Geboren wurde Martin Niemöller am 14. Januar 1892 in Lippstadt als Sohn eines lutherischen Pfarrers. 1900 zog die Familie nach Elberfeld (Wuppertal), wo er 1910 am Evangelischen Gymnasium das Abitur ablegte.

Nach der Schule zog es Niemöller zur Kaiserlichen Marine. Als Seekadett war Niemöller zuerst auf der SMS Hertha stationiert, später auf der SMS Thüringen. Ab 1915 gehörte er der U-Boot-Waffe an.

Im ersten Weltkrieg war Niemöller als U-Boot-Offizier unter anderem im Mittelmeer unterwegs und diente, zuletzt als Kommandant, auf verschiedenen U-Booten, die zahlreiche Schiffe angriffen und versenkten.

Im Jahr 1919 nahm Niemöller seinen Abschied. Auslöser war seine Ablehnung der neuen demokratischen Regierung ablehnte. Als Zivilist nahm er eine landwirtschaftliche Lehre auf einem Bauernhof in Wersen bei Osnabrück auf, die jedoch als Einkommen - er hatte 1919 geheiratet - nicht ausreichte. Daraufhin entschloss sich Niemöller wie sein Vater und auch sein Bruder Wilhelm zum Studium der Evangelischen Theologie in Münster, das von 1919-23 dauert. Auch das Vikariat leistete er in Münster.

Zwischendurch, im Jahr 1920, war Niemöller als Kommandeur des III. Bataillons des Freikorps Akademische Wehr Münster gegen die aufständischen Arbeiter der Roten Ruhrarmee im Einsatz, bei der Niederschlagung des Ruhraufstandes.

Doch 1924 schlug Niemöller endgültig den theologischen Weg ein, er wurde Vereinsgeistlicher der westfälischen Inneren Mission. 1931 wurde Niemöller zum III. Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem berufen.

Zwei Jahre später begann der sogenannte Kirchenkampf, die Auseinandersetzungen mit den Deutschen Christen. Niemöller galt zwar als Anhänger der Nationalsozialisten, lehnte aber die Vermischung von politischen Aussagen mit dem Glaubensbekenntnis ab. Im Mai 1933 wurde er einer der Gründer der Jungreformatorischen Bewegung. Es war der Anfang eines Kampfes gegen die Nationalsozialisten, obwohl er anfangs außerhalb der Kirche weiterhin nationalsozialistisch orientiert war. 1937 wurde Niemöller verhaftet und 1941 in das Konzentrationslager Dachau verlegt. Erst 1945 wurde er während eines Hinrichtungstransportes befreit.

Nach dem Krieg beteiligte sich Martin Niemöller am Wiederaufbau der Kirche und wurde zu einem nimmermüden Kämpfer der Friedensbewegung und überzeugter Gegner der Wiederbewaffnung und der späteren Atombewaffnung.

Aus dem ehemals unkritischen nationalsozialistisch orientierten jungen Mann wurde in den 1960er und 70er Jahren ein Aktivist dem nun eine unkritische Nähe zu Kommunismus und Sozialismus vorgeworfen wurde.

Martin Niemöller ließ das alles unbeeindruckt. Er ging den eingeschlagenen. 1957 wurde er zum Präsidenten der Deutschen Friedensgesellschaft gewählt und 1958 auch Präsident der Internationale der Kriegsdienstgegner. Ab 1974 war Niemöller Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner(innen).

Während des Vietnamkrieges reiste Niemöller 1967 nach Nordvietnam. Im gleichen Jahr wurde er auch Ehrenpräsident des Weltfriedensrates.

Im Alter zweifelte er zwar nicht am Glauben, wohl an der Reformfähigkeit der Kirche, was ihn dazu veranlasste, die Hessen-nassauische Synode zu verlassen.

Am 6. März 1984 starb Martin Niemöller in Wiesbaden im Alter von 92 Jahren; 23 Jahre nach seiner Frau, die bereits im August 1961 bei einen Verkehrsunfall ums Leben kam.