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Michel Eyquem de Montaigne

französischer Humanist (1533 - 1592)

Michel Eyquem de Montaigne wurde am 28. Februar 1533 auf Schloss Montaigne im Périgord, das sein Urgroßvater 1477 samt der dazugehörigen Grundherrschaft gekauft hatte.

Nach seiner Geburt wurde Montaigne, zu einer Amme in einem nahen Dorf gegeben. Als er, etwa 3 Jahre alt, zu seiner Familie zurückkam, stellte sein Vater einen deutschen Arzt als Hauslehrer ein, der weder Französisch noch Gascognisch konnte und mit dem Kind nur lateinisch sprach. Das Lateinische wurde somit fast zur Muttersprache Montaignes. In den Jahren 1539 bis 1546 besuchte Montaigne das Collège de Guyenne in Bordeaux, wo er von seinen Lehrern teilweise gefürchtet wurde, weil er besser Lateinisch sprach als sie.

Im Jahr 1554 erhielt Montaigne mit 21 das Amt eines Gerichtsrats am Steuergericht in Périgueux. Im selben Jahr begleitete er seinen zum Bürgermeister gewählten Vater zu Verhandlungen mit dem König nach Paris. Als 1557 das Steuergericht von Périgueux aufgelöst wurde, bekam Montaigne einen Gerichtsratsposten am Parlement von Bordeaux, dem obersten Gerichtshof der Provinz Guyenne. In seiner Eigenschaft als Gerichtsrat am Parlement reiste er 1559, 1560 und 1562 nach Paris.

1565 heiratete Montaigne Françoise de la Chassaigne, die Tochter eines Richterkollegen. Drei Jahre später, 1568, starb sein Vater und der inzwischen 35-jährige Sohn erbte den Hauptteil des Besitzes, darunter insbesondere das Gut und Schloss Montaigne, nach dem er sich zukünftig benannte, um seinen Status als Adeliger zu betonten.

Noch auf Wunsch seines Vaters hatte Montaigne eine kommentierte Übersetzung der "Theologia naturalis" des Toulouser Theologen und Mediziners Raimundus Sebundus begonnen, die er 1569 beendete.

1571, mit 38, verzichtete Montaigne auf sein Richteramt und zog sich auf sein Schloss zurück, vermutlich weil er zu keiner der angeseheneren Kammern wechseln konnte. Fortan sah sich Montaigne in der Rolle des Landedelmanns, der sich in seine Privatbibliothek zurückzog, viel las und anfing, das gelesene mit eigenen Gedanken neu zu formulieren. Er begann, markante Sätze aus klassischen, meistens lateinischen Autoren aufzuschreiben und zum Ausgangspunkt eigener Überlegungen zu machen. Aus diesen literarischen Versuchen (französisch essais) entwickelte er eine Darstellungsform, die später in der nach ihm benannten neuen literarischen Gattung "Essay" führte.

Im Frühherbst 1581 wurde Montaigne für eine Zwei-Jahres-Periode zum Bürgermeister von Bordeaux gewählt, ein Amt, das er nur sehr widerstrebend annahm. Montaigne übte das Amt letztlich 4 Jahre lang aus und bemühte sich während dieser Zeit, zwischen Protestanten und Katholiken zu vermitteln. 1585 bewahrte er seine Stadt von einer militärischen Beteiligung auf Seiten der Katholischen Liga, die Heinrich von Navarra bekriegte, nachdem er 1584 zum engsten Anwärter auf den Thron aufgerückt war.

Nach dem Ende seiner Zeit als Bürgermeister im Spätsommer 1585 setzte Montaigne sich wieder in seine Bibliothek im Schlossturm, um neue Lektüren, Erfahrungen und Erkenntnisse in seinen Essais zu verarbeiten, die er hierbei stark erweiterte und um einen dritten Band vermehrte. In den nachfolgenden Jahren überarbeitete und vermehrte er die Essais.

Am 13. September 1592 verstarb Michel Eyquem de Montaigne während einer Messe in der Schlosskapelle. Seine Essays leben jedoch weiter und verschafften ihm in der europäischen Geistesgeschichte den Ruf als Begründer der philosophisch-literarischen Gattung Essay.