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Wilhelm von Humboldt

deutscher Gelehrter und Staatsmann (1767 - 1835)

Am 22. Juni 1767 wurde Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt in Potsdam geboren. Seine Familie stammte aus Pommern. Zwei Jahre nach ihm kam sein Bruder Alexander von Humboldt zur Welt, der ebenfalls wie er epochalen Einfluss durch universelle Gelehrsamkeit ausüben würde. Die finanzielle Situation der wohlhabenden aristokratischen Familie erlaubte ein sorgenfreies Leben. Der frühe Tod des Vaters jedoch wurde zu einer Zäsur. Wilhelm zog sich in seine Bücherwelt zurück. Die Kinder wurden in neuen und alten Sprachen, Mathematik, Zeichnen und später auch in Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaftlern von ihren Hauslehrern unterrichtet. Wilhelm studierte in Frankfurt an der Oder, später in Göttingen, wo er auf den Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg traf. Nach dem Studium wurde eine Bildungsreise nach Paris unternommen, wo er am 3. August 1789 nach dem Sturm der Bastille in den Wirren der Französischen Revolution eintraf.

Der Eintritt in den preußischen Staatsdienst begann im Februar 1790, wo er auch zum Legationsrat im Auswärtigen Departement berufen wurde. Es folgte die Hochzeit mit Caroline von Dacheröden im gleichen Jahr. Mit ihr zog er sich zunächst auf deren thüringische Güter in Erfurt und Weimar und später nach Jena zurück. Seine Staatsämter hatte er nach nur einem Jahr schon wieder aufgegeben und lebte als Privatier. Er las viel und veröffentlichte im Jahre 1791 die „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen“. Die Thematik beschäftigte sich mit Staatsproblemen. Seine Anschauungen galten jedoch als wirklichkeitsfremd, da der das Individiuum in seinem liberal gemeinten Entwurf in solch aristokratischer Weise über den Staat stellte, dass es den Menschen nicht nachvollziehbar war.

Als die Mutter 1796 starb die Mutter und hinterließ ein umfangreiches Vermögen. Wilhelm von Humboldt reiste mit seiner Frau zunächst nach Paris dann nach Spanien und in das Baskenland. Er bewarb sich auf die Stelle zum Gesandten Preußens am Heiligen Stuhl im Jahre 1802 und wurde auch dorthin berufen. Dieses Amt war eher kulturell als politisch ausgerichtet und erlaubte ihm ein komfortables Leben in Rom. 1809 übernahm er die Aufgabe der Leitung der Kultus- und Unterrichtssektion im Preußischen Innenministerium und gründete 1818 die Universität Berlin. Bald darauf ging er als Gesandter nach Wien, wo er Einfluss ausübte und es ihm zugerechnet wurde, dass sich Österreich 1813 dem antinapoleonischen Bündnis Preußens und Russlands anschloss. 1817 war er ein Jahr Gesandter in London und wurde 1819 Staatsrat und Minister für die ständischen und kommunalen Angelegenheiten. Als er sich gegen die Karlsbader Beschlüsse wehrte, wurde er entlassen und zog sich wieder ins Privatleben zurück. Dort forschte er sprachwissenschaftlich und hielt darüber auch Vorlesungen in Berlin.

1830 wurde der durch den König erneut in den Staatsdienst einberufen und man söhnte sich aus. Das Amt jedoch ließ ihm keine Möglichkeit, wesentlichen politischen Einfluss auszuüben. Wilhelm von Humboldt starb am 8. April 1835 in Berlin.

Er gilt bis heute als eine der einflussreichen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturgeschichte. Seine Schwerpunkte waren dabei die Bildung, die Staatstheorie wie auch die analytische Betrachtung von Sprache, Literatur und Kunst neben seiner aktiven Mitgestaltung in der Politik als Reformator und preußischer Diplomat.