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Friedrich Schiller über Abschied

Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich.
Briefe, an Goethe, 27. Juni 1796
Zitat von Friedrich Schiller
Friedrich Schiller
deutscher Schriftsteller
* 10.11.1759, † 09.05.1805

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Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll

Endlich fertig!, mag so mancher Mensch ausrufen, wenn eine lang andauernde, wichtige Arbeit vollendet ist; nicht selten begleitet von Erleichterungsseufzern, die in solchen Momenten über die Lippen kommen. Das Ziel ist erreicht! Hirn oder Hände wollen Urlaub oder zumindest doch eine angemessene Pause, bevor man das nächste Werk angeht.

Doch dann passiert vielen Schaffenden etwas sehr Merkwürdiges. Obgleich man doch froh über die Beendigung einer Last ist, fühlt man plötzlich eine Leere. Die Fülle, in der man soeben noch schwelgte, ist verflogen. Jetzt, wo man sich mit Fug und Recht über die gelungene, beendete Arbeit freuen könnte, macht sich nun ausgerechnet ein Gefühl von Einsamkeit oder Ödnis breit. Man fällt in ein Loch. Es gibt – für den Moment – an diesem Projekt - nichts mehr zu tun. Die "Schwangerschaft" ist beendet. Das "Kind" ist geboren. Man wird mit seinen eigenen Talenten jetzt erst einmal nicht mehr gebraucht. Gebraucht zu werden ist aber genau das, was einem einen Zuwachs an Mehrwert im eigenen Leben verleiht. Dieser ist durch die Erfüllung und Beendigung der Aufgabe entzogen.

Besonders hart und häufig empfinden solche Gefühle übrigens Künstler nach einer gelungenen Aufführung, auf dessen Ziel sie lange hin arbeiteten. Nach dem letzten Beifallssturm und endgültigen Fallen des Vorhangs fühlen sie sich oft sehr alleine – vielleicht in der Menge anderer einsamer Kollegen, die ein ähnliches Gefühl beschleichen mag. Die Ratio hat in diesen Momenten nicht viel zu vermelden.

Aber es gibt noch weitere Aspekte, warum jemanden ausgerechnet auf dem Höhepunkt eines Abschlusses eine Art innerer Einsamkeit beschleichen kann: Man ist mit diesem speziellen Projekt einen gemeinsamen Weg gegangen. Je geistiger, subtiler dieser Vorgang war, umso intimer ist er mit der eigenen Seele verschmolzen. Man hat gelitten, geweint, gelacht, geackert. Man hat sich geärgert oder die Haare gerauft. Man stand vor Verzweiflungsmomenten, die sich dann wieder in plötzliche Euphorie wandelten, aufloderten, zusammenbrachen. Kurz: Man machte so viele verschiedene Stadien mit einer bestimmten Aufgabenstellung durch, dass nun nach Beendigung und Erfolg das Wegbrechen all dieser verschiedenen Phasen auch ein wenig traurig und leer machen kann. Man selbst ist wie ausgeleert, weil man alles gegeben hat.

Gegen dieses traurige Gefühl am Gelungenen, das auch Friedrich von Schiller gut zu kennen scheint, gibt es jedoch ein wundervolles Mittel: Der baldige Beginn eines neuen, spannenden Projektes, das garantiert zu weiteren, neuen tiefen Erfahrungen führen wird.