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Anicius Manlius Severinus Boethius

römischer Gelehrter, Schriftsteller, Philosoph, Politiker und Theologe (um 480/485 - zwischen 524-526)

Der spätantike römische Gelehrte, Politiker, neuplatonischer Philosoph und Theologe Anicius Manlius Severinus Boethius ist um 480/485 geboren. Eine genauere Dateierung ist nicht möglich, so wie auch der Geburtsort unbekannt ist. Sicher ist jedoch, dass er zur Zeit der Herrschaft des Ostgotenkönigs Theoderich lebte, unter dem er hohe Ämter bekleidete. Allerdings geriet er später in den Verdacht, eine gegen die Ostgotenherrschaft gerichtete Verschwörung von Anhängern des oströmischen Kaisers zu begünstigen. Deshalb wurde er verhaftet und als Hochverräter verurteilt und hingerichtet.

Obwohl sein Vater früh verstarb und Boethius quasi vaterlos aufgewachsen ist, erhielt er eine hervorragende ausbildung. Nach dem Tod des Vaters fand der Junge Aufnahme im Haus des Quintus Aurelius Memmius Symmachus, des Konsuls von 485, der dem senatorischen Geschlecht der Symmachi angehörte und als Philologe und Geschichtsschreiber tätig war.

Aufgrund der damals schlechten Ausbildungsmöglichkeiten in Rom wird vermutet, das Boethius im Oströmischen Reich, vielleicht Athen, studiert hat. Nach seiner Studienzeit heiratete Boethius Rusticiana , die Tochter seines Ziehvaters Symmachus.

Schon früh begann Boethius mit der Abfassung eigener wissenschaftlichen Werke und erlangte Ruhm als Gelehrter. Auch in der Politik stieg Boethius schnell zu höchsten Staatsämtern auf. Spätestens 507 erhielt er den hohen Ehrentitel patricius und war 510 Konsul, wie schon sein Vater. Im Jahr 522 wurde Boetius zum magister officiorum ernannt und stand damit an der Spitze der Reichsverwaltung und auf dem Höhepunkt seiner politischen Macht.

Während seiner Tätigkeit versuchte Boethius, ein ehrgeiziges Bildungsprogramm zu verwirklichen. Er beabsichtigte, sämtliche Werke Platons und des Aristoteles als Basistexte der griechischen philosophischen und wissenschaftlichen Literatur in lateinischer Übersetzung zugänglich zu machen und zu kommentieren. Daneben verfasste er diverse Lehrbücher, mit denen er das Wissen der griechischen Klassiker erhalten wollte, nachdem im westlichen Europa Latein die vorherrschende Sprache war und Griechisch zusehends an Bedeutung verlor.

Wegen seines vorzeitigen Todes blieb das große Vorhaben zwar unvollendet, doch wurde Boethius zum wichtigsten Vermittler der griechischen Logik, Mathematik und Musiktheorie an die lateinischsprachige Welt des Mittelalters bis ins 12. Jahrhundert.

Die stärkste Nachwirkung erzielte seine während der Haftzeit entstandene Schrift "Consolatio philosophia"e ("Der Trost der Philosophie"), in der er seine Vorstellungen zur Ethik und Metaphysik darlegte.

Zwischen 524 und 526 wurde Anicius Manlius Severinus Boethius entweder in Pavia oder in Calvenzano in der heutigen Provinz Bergamo hingerichtet. Genaue Angaben über Zeit und Ort sind jedoch nicht überliefert.