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Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord

französischer Politiker (1754 - 1838)

Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord war einer der bekanntesten französischen Staatsmänner und Diplomat während der Französischen Revolution, der Napoleonischen Kriege und beim Wiener Kongress. Sein Lebenslauf, den er ausführlich in seinen Memoiren schildert, war ein Auf und Ab - wie die Zeit in der er lebte.

Talleyrand schlug zunächst die geistliche Laufbahn ein. Beim Ausbruch der Französischen Revolution unterstützte er die Forderungen des Dritten Standes und war maßgeblich am Zustandekommen der "Zivilkonstitution für den Klerus" beteiligt, was dazu führte, dass ihn der Papst mit dem Bann belegte. Anschließend begann Talleyrand die diplomatische Laufbahn.

Geboren wurde Talleyrand wurde am 2. Februar 1754 in Paris in eine hochadlige, aber verarmte Familie. Als Kleinkind, so berichtet er in seinen Memoiren, ist er von der Kommode seiner Pflegerin gefallen und hatte sich dabei den Fuß verletzt. Das Gebrechen sei jedoch zu spät behandelt worden, so dass eine dauerhafte Schädigung in Form eines Klumfußes blieb. Diese machte ihn für eine militärische Karriere untauglich, so dass für ihn nur ein kirchliche Karriere in Frage kam.

Talleyrand studierte am Priesterseminar St. Sulpice in Paris und wurde nach seinem Abschluss 1779 zum Priester geweiht und zum Abbé des Klosters von Saint-Denis ernannt. 1780 ernannte man ihn zum Generalagenten des französischen Klerus und 1788 zum Bischof von Autun. Nach nicht einmal vier Wochen an seinem Bischofssitz wurde Talleyrand zum Abgeordneten Generalstände von 1789 gewählt.

Während der Französischen Revolution von 1789 wechselte Talleyrand vom Klerus in den Dritten Stand. Diesen vertrat er in den Generalständen und fügte sich so in die neu gebildete Nationalversammlung ein. Doch als reformorientierter Politiker, entfernte sich Talleyrand zusehends vom Klerus. Er trat für dieMeinungsfreiheit, das Postgeheimnis und die Gründung einer Reichsbank ein.

Dennoch blieb er im Grunde seines Herzens Adeliger. Er wünschte sich für Frankreich eine konstitutionelle Monarchie mit einem Zweikammersystem wie in Großbritannien. 1791 leistete er einen Eid auf die neue Verfassung im Namen des Klerus und unterstellte sich damit dem Staat und dem Volk, was dazu führte, dass Papst Pius VI. Talleyrand exkommunizierte und ihn seiner Ämter enthob.

1792 wurde Talleyrand als Botschafter nach London geschickt, aber nach kurzer Tätigkeit zurückberufen, weil er geheimer Verbindungen zu Ludwig XVI. verdächtigt wurde. Er emigrierte daraufhin in die USA und kehrte erst 1796 nach Frankreich zurück.

Von 1797-99 war Talleyrand Außenminister. Er unterstützte den Staatsstreich vom 9. November 1799 und wurde wiederum Außenminister unter Napoleon.

1807 legte er sein Amt nieder und opponierte gegen den Kaiser um nach dessen Sturz erneut von Ludwig XVIII., dem er zum Thron verholfen hatte, zum Außenminister ernannt zu werden. Auf dem Wiener Kongress von 1814/15, doch handelte er für die Verlierermacht Frankreich geschickt zuerst ein Mitspracherecht und dann eine bedeutende Bündnisposition mit Großbritannien und Österreich gegen Russland und Preußen aus. Letztlich erreichte er, dass Frankreich, als Kriegsverlierer, keine Gebietsverluste erleiden musste, sondern die Grenzen von 1789 wiederhergestellt wurden.

Von 1806 bis 1815 war Talleyrand Dank Napoleon souveräner Fürst von Benevent in Italien.

Nach der Julirevolution 1830 erlangte Talleyrand erneut politische Bedeutung. Bereits beim Ausbruch der Julirevolution war Talleyrand ein entschiedener Befürworter des Königtums von Louis Philippe, der ihn als Dank von 1830 bis 1834 als französischen Botschafter nach Großbritannien schickte, wo Talleyrand eine Verbesserung der stark gestörten Beziehungen der beiden Staaten erreichte.

Am 17. Mai 1838 starb Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord in Paris und wurde auf eigenen Wunsch in der Krypta der Kapelle der von ihm gegründeten école libre ‘Privatschule’ in Valençay begraben.

Talleyrands Leben ist geprägt durch sein großes Verhandlungsgeschick und sein politisches Gespür, das ihn immer wieder an die Macht kommen und rechtzeitig beiseitetreten ließ. So wurde Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord einer der wichtigsten Zeitzeugen einer wechselvollen Epoche, die er in den sechs Bänden seiner Memoiren festhielt.