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Clemens Brentano

deutscher Dichter (1778 - 1842)

Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche, der in der Literatur als Clemens Brentano bekannt ist, war ein deutscher Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der sogenannten Heidelberger Romantik.

Geboren wurde er am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein, das heute zu Koblenz gehört. Er war der zweite Sohn des Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano und dessen zweiter Ehefrau, der vom jungen Goethe verehrten Maximiliane von La Roche, und war damit ein Enkel von Sophie von La Roche. Zu seinen zahlreichen Geschwistern gehörten Bettina, die den Dichter Achim von Arnim heiratete, Georg, Christian, Sophie, Ludovica ("Lulu"), Kunigunde ("Gunda"), die mit dem Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny verheiratet war, sowie Magdalene ("Meline"), verheiratete von Guaita.

Brentano wurde katholisch getauft und wuchs unter mehrfachem Wohnortwechsel in Frankfurt am Main und Koblenz sowie kurzfristig in Heidelberg und Mannheim auf.

Auf Wunsch des Vaters, der sich Sohn Clemens als Nachfolger seiner Geschäfte wünschte, begann Brentano 1795 eine ihm verhasste kaufmännische Lehre 1795-1796 in Langensalza, die er aber nur ein Jahr durchhielt. Ab dem 19. Mai 1797 studierte er in Halle Bergwissenschaften und wechselte am 5. Juni 1798 zum Medizinstudium an die Universität Jena. Doch anstatt sein Studium abzuschließen, widmete er sich aber immer mehr seinen literarischen Neigungen. In Jena lernte er Vertreter der Weimarer Klassik wie Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried von Herder und allen voran Johann Wolfgang von Goethe, kennen, sowie auch die Frühromantiker Friedrich Schlegel, Johann Gottlieb Fichte und Ludwig Tieck. Von ihren Werken und literaturtheoretischen Schriften ließ Brentano sich zu seinen ersten Werken anregen, vor allem zu dem Roman "Godwi", in dem auch einige der bekanntesten Gedichte Brentanos enthalten sind, darunter "Zu Bacharach am Rheine", "Sprich aus der Ferne" und "Ein Fischer saß im Kahne".

1801 lernte Brentano in Göttingen, wo er als Student der Philosophie eingeschrieben war, Ludwig Achim von Arnim kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband und mit dem er 1802 eine Reise auf dem Rhein unternahm. In den nächsten Jahren wohnte er bis 1811 immer wieder über längere Zeiträume hinweg mit Arnim zusammen.

Nach seiner Heirat mit der Schriftstellerin Sophie Mereau zog er 1804 nach Heidelberg, wo er mit Arnim die "Zeitung für Einsiedler" und die Volksliedsammlung "Des Knaben Wunderhorn" herausgab. Die Zeit in Heidelberg an der Seite seiner Frau Sophie war die fruchtbarste Schaffensperiode von Clemens Brentano. In dieser Zeit schrieb er seine schönsten Gedichte, unterstützt von seiner Frau, die - selbst eine begnadete Dichterin - ihrem Mann wertvolle Anstöße gab und teilweise gemeinsam mit ihm arbeitete. Allerdings waren die glücklichen Tage in Heidelberg nicht nur von kurzer Dauer, sondern auch von Trauer überschattet. Brentanos erste Kinder wurden beide nur wenige Wochen alt. Bei der Geburt des dritten Kindes starb seine Frau Sophie Mereau. Brentano hat diesen Verlust viele Jahre lang nicht überwinden können und blieb lange Zeit auf der Suche nach etwas das seine innere Leere ausfüllte. Auch als er wenige Monate nach dem Tod seiner Frau Auguste Bußmann heiratete (die Ehe wurde 1814 wieder geschieden), behielt aber sein "Wanderleben" bei und hielt sich in Kassel und Landshut auf, bis er Ende 1809 nach Berlin zog, wo er am literarischen Leben teilnahm. 1811 zog Brentano weiter nach Jahre in Böhmen und in 1813 nach Wien. In dieser Zeit entstanden die Dramen "Aloys und Imelde" und "Die Gründung Prags".

Seine Versuche, sich in Wien als Bühnenautor zu etablieren, scheiterten und Brentano fand sich in einer Lebenskrise wieder als er in 1815 nach Berlin zurückkehrte. Er suchte sein Heil zunächst in der pietistischen Erweckungsbewegung und kehrte schließlich zur katholischen Kirche zurück, nicht zuletzt wegen der Pastorentochter Luise Hensel, die er Ende 1816 kennenlernte. 1817 legte Brentano die Generalbeichte ab und inszenierte seinen Verzicht auf weltliches Dichtertum, ohne sich jedoch im Privaten von der Dichtung zu verabschieden. Die Luise Hensel gewidmete Lyrik wie beispielsweise "O schweig nur Herz" und "Ich bin durch die Wüste gezogen" verbindet Elemente frühromantischer Dichtung mit religiösen und erotischen Themen.

1818 zog Brentano für sechs Jahre ins westfälische Dülmen um dort die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick an deren Krankenlager in vierzig Foliobänden aufzuzeichnen. Dabei vermischte Brentano in seinen Aufzeichnungen Emmericks Visionen mit eigenen Anmerkungen sowie dichterischen Passagen, was die entstandenen Protokolle zu einem eigentümlichen Schriftwerk werden lässt.

Nach dem Tod der Emmerick in 1824 lebte Brentano an wechselnden Orten, ab 1829 in Frankfurt und ab 1833 in München. In dieser Zeit arbeitete er an Büchern, in denen er die Visionsaufzeichnungen verarbeitete: "Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christus" in 1833 und "Leben der heiligen Jungfrau Maria", das erst 1852 postum erschien, sowie "Lehrjahre Jesu", das ebenfalls postum 1858-1860 in einer Bearbeitung von Karl Erhard Schmoeger erschien. Diese Werke wurden gegen Brentanos Willen als Erbauungsbücher gelesen und weltweit in riesigen Auflagenzahlen verbreitet und haben in Teilen des romanischen und amerikanischen Katholizismus noch heute große Bedeutung.

Im Jahr 1833 lernte Brentano in München die Schweizer Malerin Emilie Linder kennen und lieben und wurde wie so oft zuvor letzten Endes abgewiesen, um doch wiederum freundschaftlich verbunden zu bleiben. Aus Brentanos später Liebe zu Emilie Linder entstand sein lyrisches Spätwerk, das neben den Gedichten Goethes, Hölderlins und Heines die eigenartigste und bedeutendste lyrische Leistung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt. Darunter beispielsweise "Ich darf wohl von den Sternen singen". Die letzten Lebensjahre Brentanos waren von Schwermut geprägt. Er starb am 28. Juli 1842, im Alter von 63 Jahren, in Aschaffenburg, im Hause seines Bruders Christian. Viele Seiner Werke wurden erst nach seinem Tod von seiner Schwägerin Emilie Brentano, der Frau seines Bruders Christian Brentano, und Joseph Merkel als "Gesammelte Schriften" herausgegeben.