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Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seignalt

italienischer Abenteurer und Schriftsteller (1725 - 1798)

Der venezianische Schriftsteller und Abenteurer Giacomo Girolamo Casanova wurde am 2. April 1725 in Venedig als Sohn eines Schauspielerpaares geboren. Da seine Mutter viel auf Reisen war, wurde er von seiner Großmutter erzogen. Als sein Vater starb, war er 8 Jahre alt und er wurde ein Jahr später nach Padua in Pension bei Dr. Antonio Maria Gozzi gegeben.

Casanova erwarb mit 17 Jahren am 28. November 1742 an der Universität Padua einen Doktortitel beider Rechte (weltliches und kirchliches Recht). Auf Bitten seiner Großmutter beschloss er, eine kirchliche Laufbahn als Priester einzuschlagen. Als angehender Priester, nach Erhalt der vier niederen Weihen, fiel er am 19. März 1741 während einer Predigt betrunken von der Kanzel in San Samuele, gab aber erst drei Jahre später seine kirchliche Laufbahn endgültig auf.

1742 reiste er als Sekretär über Korfu nach Konstantinopel, wo er Claude Alexandre de Bonneval traf. Bei seiner Rückkehr nach Venedig ein Jahr später wurde er erstmals wegen Erbstreitigkeiten inhaftiert. Anschließend reiste er nach Ancona und Rom, wo er Papst Benedikt XIV. kennenlernte. Als Dank für amüsante Plaudereien erlaubte ihm der Papst, verbotene Bücher zu lesen und genehmigte ihm eine Ausnahme von der geltenden Fastenpflicht. Wegen seiner Verwicklung in eine Liebesaffäre musste Casanova jedoch Rom verlassen.

Im Dezember 1760 ernannte ihn Papst Clemens XIII. zum "Apostolischen Protonotar extra urbem" und zum „Ritter des goldenen Sporns“, woraus sich Casanova das Recht ableitete, sich Cavaliere (Ritter) nennen zu lassen. Während seiner Tätigkeit als Hauslehrer in Neapel erfand er einen Marcantonio Casanova, als seinen Stammvater, der angeblich 1528 als Sekretär eines Kardinals in Rom gestorben sei. Die Fälschung wurde aber bald erkannt und er tauchte unter.

In der Zeit von 1743 bis 1745 war Casanovas nur unter anderen auf Reisen und kam im Frühjahr 1753 nach Venedig zurück und wurde venezianischer Fähnrich. Casanova, ständig knapp bei Kasse, verdiente sich unter anderem als Orchestergeiger seinen Lebensunterhalt und schrieb Verse im Rahmen des sogenannten "1. venezianischen Theaterstreits".

1755 wurde Casanova wegen angeblicher "Schmähungen gegen die heilige Religion" verhaftet. 15 Monate nach seiner Verhaftung gelang ihm die Flucht aus den Bleikammern Venedigs. Über seinen Ausbruch, der allgemeine Aufmerksamkeit erregte, aus dem Verlies schrieb er ein Buch, das noch zu seinen Lebzeiten ins Deutsche übersetzt wurde.

In den folgenden Jahren reiste Casanova durch ganz Europa, wo er in den adligen Salons ein gern gesehener und prominenter Gast war. In Frankreich war er 1757 Mitbegründer der Nationallotterie und besuchte 1760 Voltaire in Genf.

Seit 1760 nannte sich Casanova auch "Chevalier de Seingal", was seinen Lebensstil aber nicht adeliger machte. Zwar traf er in Rom Papst Clemens XIII., Johann Joachim Winckelmann und Anton Raphael Mengs, bei dem er auch kurzzeitig wohnte. Aber bei einem Aufenthalt in England verliebte er sich unsterblich, kam aber nicht zum Ziel, was ihn fast in den Selbstmord trieb. Über Brüssel, Aachen, Wesel, Braunschweig und Wolfenbüttel kam er im Sommer 1764 nach Sanssouci, wo er bei Friedrich dem Großen um eine Anstellung bat. Die ihm angebotene Position als Lehrmeister an der Schule für pommersche Landjunker lehnte er jedoch ab und fuhr nach Russland, in der Hoffnung, eine Stellung am Zarenhof zu bekommen. Dort lebte Casanova 1765 neun Monate lang in Sankt Petersburg und traf zweimal mit Katharina der Großen zusammen. Allerdings sah die Zarin keine Möglichkeit, Casanova in ihre Dienste zu nehmen, sodass der Italiener nach Polen reiste, um sich dort um eine Anstellung am Königshof zu bemühen. In Polen duellierte er sich 1766 auf Pistolen mit dem Grafen Branicki. Beide wurden schwer dabei verwundet und Casanova musste daraufhin Polen verlassen und reiste über Wien nach Paris, wo er schon kurz darauf, auf Geheiß des Königs, Frankreich den Rücken kehren und nach Spanien flüchten musste. In Madrid wurde er 1768 wegen unerlaubten Waffenbesitzes kurze Zeit gefangen gehalten, hatte in Barcelona eine Affäre mit der Geliebten des Gouverneurs und tötete bei einem von diesem inszenierten Überfall einen Angreifer, weswegen er einen Monat im Gefängnis saß.

1769 reiste Casanova über Südfrankreich nach Norditalien und verfasste die "Confutazione della Storia del Governo veneto d’Amelot de la Hussaie" (8 Bde. Lyon 1769, 2. Auflage 1786), eine Gegenschrift zur anti-venezianischen Geschichte Venedigs des Abraham Nicolas Amelot de la Houssaye (1634–1706), der 1669-71 Sekretär des französischen Gesandten in Venedig gewesen war. Casanova wollte mit diesem Werk die Serenissima versöhnlich stimmen, denn nach der Flucht aus den Bleikammern war ein Verbannungsurteil gegen ihn ergangen. Ab 1772 setzten sich hochrangige Fürsprecher für eine Begnadigung ein, die dann auch 1774 erfolgte. Am 14. September 1774 traf Casanova wieder in Venedig ein.

In den Jahren 1775-78 veröffentlichte Giacomo Girolamo Casanova 3 Bände einer Übersetzung der Ilias ins Italienische, die aber wenig Beachtung fand. 1779 erschien ein Buch Casanovas gegen Voltaire und 1781 stellte er ein Verzeichnis verbotener Bücher zusammen, die er jeweils selbst kommentierte. Der Versuch, eine Zeitschrift zu gründen, ging ebenso schief wie seine Funktion als Theaterdirektor.

Aus Mangel an anderen Möglichkeiten Geld zu verdienen, fungierte er auch als Spitzel der venezianischen Staatsinquisition. 1782 wurde Casanova erneut aus Venedig verbannt

Ab 1785 lebte er als Bibliothekar auf Schloss Dux im Königreich Böhmen, heute Tschechien, des Grafen von Waldstein. Hier schrieb er 1798 seine ausführlichen Memoiren, die unter dem Titel "Geschichte meines Lebens" nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Obwohl sie primär den Ruf eines erotischen Werks genießen sind sie auch als kulturgeschichtliche Quelle über die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wertvoll, denn Casanova galt als ein äußerst exakter Beobachter, Menschenkenner und Erzähler und hatte durch seine zahlreichen Reisen einen tiefen Einblick in die damaligen Verhältnisse Europas.

Am 4. Juni 1798 starb Giacomo Girolamo Casanova auf Schloss Dux.