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Henry de Montherlant

französischer Schriftsteller (1896 - 1972)

Der französische Autor Henry de Montherlant sagte einmal: "Zehn Jahre nach meinem Tod werden sie mich vergessen haben." Damit hatte er (leider) Recht.

Als Henry Marie Joseph Frederic Expedite Millon de Montherlant wurde er am 20. April 1895 mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Später gab er auch schon mal den 21. April als Datum an, weil das das Gründungsdatum Roms war.

Aber der Spross einer katholisch-royalistischen Familie aus der Picardie hatte kein inniges Verhältnis zu der Familie, mit Ausnahme seiner katalanischen Mutter und Großmutter.

Die Adelsfamilie hatte seit Generationen hohe Militärposten inne und deshalb ihren Sohn mit Hauslehrern ausbilden lassen. Später wurde er zu verschiedenen Schulen geschickt. Im Alter von etwa 16 Jahren besuchte er ab Januar 1911 in Neuilly das College Sainte-Croix. Sein Aufenthalt hier war aber nicht von langer Dauer. Bereits im März des folgenden Jahres musste er kurz vor dem Abitur die Schule verlassen, weil er mit einem jüngeren Schüler eine intime Beziehung hatte. Mehr als drei Jahrzehnte später (1951, Die Stadt, deren König ein Kind ist) und 1969 (Die Knaben) verknüpfte er die Themen religiöse Erziehung und spezielle Freundschaften zwischen Jungen im Alter von 14 bis 16 Jahren.

Beim Ausbruch des 1. Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger und wurde dabei schwer verwundet. Dennoch verherrlichte er den Krieg nicht nur in seiner Autobiografie sondern auch in dem Lied "Totengesang für die Gefallenen von Verdun".

Seine Arbeit als Schriftsteller, die er schon mit ersten Versuchen als Zehnjähriger begonnen hatte, setzte er als Mittzwanziger fort, als er über Krieg, Stierkampf und Jugend schrieb.

Nach einer Tätigkeit als Chef des Soldatenfriedhofs von Douaumont (1920 bis 1924) bereiste er Spanien und Nordafrika. Er huldigte den Tugenden des nackten Körpers, der sportlich und männlich sich dem Kampf stellt. Dabei sah er auch Parallelen zwischen Krieg und Stierkampf. Und er ging auch selbst in die Arena. Vermutlich war für diese Prägung, die Liebe zur römischen Kultur, auch die Mutter sehr entscheidend. Sie brachte ihn schon als kleinen Jungen mit Henryk Sienkiewicz Geschichtsroman Quo Vadis bekannt.


Kulturelle Wurzeln


Als Bewunderer der Mittelmeerkulturen reist er immer wieder hierhin. In Sevilla entstand mit "Tiermenschen" sein erster literarischer Erfolg. Er fuhr nach Marokko und Tunesien. In Algerien traf er Andre Gide. Seine Liebe zu Knaben konnte er hier ausleben. Davon erfuhr die Nachwelt allerdings erst nach seinem Tod, was zu einem Skandal wurde. In Algerien entstand aber auch der Roman "Die Wüstenrose", der sich mit Exzessen des Kolonialismus auseinandersetzte. Der Roman ist allerdings anfangs nur fragmentarisch veröffentlicht worden. Montherlant befürchtete die Imageschäden für die Kolonialmacht Frankreich. Als Gesamtwerk erschien "Die Wüstenrose" erst 1968.

Die Roman-Trilogie "Erbarmen mit den Frauen" (Les jeunes filles), die nach seiner Rückkehr nach Paris zwischen 1936 und 1939 verfasste, war sein größter literarischer Erfolg.

Die ersten Jahre des 2. Weltkriegs war er Kriegskorrespondent, 1942 bis 1945 dann beim Internationen Roten Kreuz tätig. Von der Schriftstellerei verabschiedete er sich nach dem Krieg für viele Jahre, weil er seine Liebe zum Theater entdeckt hatte.

Die ersten seine Bücher veröffentlichte er noch auf eigene Kosten. Das änderte sich 1933, als der Roman "Die Junggesellen" mit Preis der Academie francais ausgezeichnet wurde. Sein Romanzyklus "Die jungen Mädchen" machte ihn weltweit bekannt und wurde 1,5 Millionen Mal verkauft. Viele seiner Werke sind auch damals als Luxusausgaben mit Zeichnungen prominenter zeitgenössischer Künstler erschienen. Heute sind alle seine Werke auf Deutsch nur noch antiquarisch zu bekommen.

1960 wurde er in die Akademie Francaise gewählt, er schrieb wieder Romane, deren Vorarbeiten er schon lange vorher gemacht hatte.

Als er krank wurde und später fast nichts mehr sehen konnte, zog er die Konsequenzen. Im Alter von 77 Jahren, im Jahr 1972, machte er seinem Leben ein Ende, konsequent und sicher: nachdem er eine Zyankalikapsel geschluckt hatte, erschoss er sich. Er nahm dazu den 21. September, weil der Tag ist, an Tag und Nacht sich die Waage halten, gleich lang sind.

Henry de Montherlant Werke in deutscher Sprache (Auswahl): Die Morgenablösung (1920), Die Tiermenschen (1926, Die Junggesellen (1934), die Tetralogie Erbarmen mit den Frauen (1936 bis 1939), Die Knaben (1974), Die Wüstenrose (1977). Verfilmt wurden: Die Liebschaften des Herrn Costals (1977), Die Stadt, deren König ein Kind ist (1997).