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Hermann Josef Abs

deutscher Finanzexperte (1901 - 1994)

Hermann Josef Abs gehört zu den schillerndsten Personen der jungen Bundesrepublik Deutschland, der nach dem Zweiten Weltkrieg mithalf, die deutsche Wirtschaft wieder aufzubauen. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass Abs auch bereits während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs auf ebenso rasante wie zwielichtige Weise die Karriereleiter erklomm. Dass er nach dem Krieg nicht angeklagt sondern zum Finanzberater der Alliierten aufstieg, mag zum einen an seinem vielen Kontakten im In- und Ausland liegen und zum anderen daran, dass es einfach nie wirklich eindeutige Beweise gegen ihn gab. Beides mag auch Hand in Hand gehen und das eine die Folge des anderen sein.

Geboren wurde Hermann Josef Abs am 15. Oktober 1901 in Bonn als Sohn eines Rechtsanwalts. Abs wuchs in einer abgesehen konservativen Familie auf. Bereits der Großvater war Rechtsanwalt und Notar in Bonn gewesen.

Abs besuchte das Städtische humanistischen Gymnasium in Bonn. Nach dem Abitur absolvierte er eine Banklehre beim Bonner Privatbankhaus Louis David und studierte anschließend Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Bonn. 1921 musste Abs jedoch sein Studium mangels Finanzen abbrechen. Abs arbeitete daraufhin bis 1923 beim Privatbankhaus Delbrück, von der Heydt & Co in Köln, und danach als Devisenhändler bei Banken in Amsterdam, England, den USA und Lateinamerika.

1929 wechselte Abs zum renommierten Berliner Privatbankhaus Delbrück Schickler & Co.. Nach Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze 1935 wurde Abs als Nachfolger eines jüdischen Teilhabers "Juniorpartner".1937 wechselte Abs zur Deutschen Bank wo er 1938 in den Vorstand berufen wurde.

Abs wurde einer der führenden Bankiers Deutschlands und war Aufsichtsratsmitglied in über 40 Banken und Industriekonzernen. Er pflegte intensive Geschäftsbeziehungen im In- und Ausland und zeigte ein im Nachhinein schwer zu durchschauendes Geschäftsgebahren.

So war Abs im Vorstand der Deutschen Bank mit der "Arisierung", sprich: dem Zwangsverkauf, von jüdischen Unternehmen und Banken betraut. Die Rolle der Deutschen Bank bei Zwangsverkäufen und Zwangsarbeiter ist bis heute Gegenstand von Untersuchungen - und Hermann Josef Abs war immer mittendrin und kam dennoch mit einer relativ weißen Weste davon.

Nach dem Krieg wurde Abs durch die Alliierten von seinem Vorstandsposten bei der Deutschen Bank suspendiert und für einige Wochen inhaftiert. Danach wurde er jedoch als Finanzberater in der britischen Besatzungszone berufen. In der Folgezeit war Abs war am Aufbau der Bundesrepublik Deutschland wesentlich beteiligt. So war er unter anderem von 1948 bis 1952 Vorstandsvorsitzender der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die aufgrund des Marshallplan zur wichtigsten Nachkriegsbank in Westdeutschland wurde.

Als Finanzberater von Bundeskanzler Konrad Adenauer verhandelte Abs auch mit den USA über Wirtschaftskredite und leitete 1952 die Delegation der Bundesrepublik bei den Verhandlungen zur Regelung der deutschen Auslandsschulden in London. Auf den Posten des Außenministers, der wiederholt ins Gespräch gebracht wurde, verzichtete Abs.

Dafür nahm Abs ab 1952 wieder seine Tätigkeit bei der Deutschen Bank auf und wurde deren Vorstandssprecher von 1957 bis 1967.

Mit bis zu 30 Aufsichtsratsmandaten war Abs in den 1960er Jahren eine Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft und der einflussreichste Bankier des Landes. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der Deutschen Bank wurde er 1967 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. 1976 schied Abs aus dem Aufsichtsrat aus und blieb bis zu seinem Tod 1994 Ehrenvorsitzender der Deutschen Bank AG.

Am 5. Februar 1994 starb Herman Josef Abs in Bad Soden am Taunus. Er hat sich zweifelsohne um die deutsche Wirtschaft verdient gemacht. Allerdings wirft seine nie ganz geklärte Rolle während der NS-Zeit einige dunkle Schatten auf seine ansonsten enorme Lebensleistung.