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John Locke

britischer Philosoph (1632 - 1704)

John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington bei Bristol, als Sohn eines Gerichtsbamten, in eine gut situierte Familie geboren. Seine Eltern gehörten zur Mittelschicht der Landbevölkerung und sein Vater besaß ein kleinen Grundbesitz. Seine Kindheit verbrachte er in Pensford wo er auch ein strenge Erziehung erhielt.

In 1646 wird Locke für die Westminster School in London nominiert und aufgenommen. Sechs Jahre später bekam er ein Stipendium und studierte Philosophie am Christ Church College in Oxford, an dem er zusätzlich auch Medizin und Chemie studierte. 1656 Locke erwirbt er den akademischen Grad "Bachelor of Arts" zwei Jahre später auch "Master of Arts". Danach war er ab 1660 am Christ-Church College Lecturer für Griechisch und ab 1662 auch für Rhetorik sowie ab 1663 auch für Ethik ("Censor of Moral Philosophy").

Nach einer 1665 in diplomatischem Auftrag für die englische Regierung unternommenen Reise quer durch Europa wurde er Sekretär und Leibarzt des späteren Earl of Shaftesbury, der aber später in Ungnade fiel, so dass Locke seine Sekretärsposten verlor. Lock unternahm daraufhin von 1675 bis 1679 eine weitere Europareise, lebte aber vorwiegend in Frankreich.

1682 lernte er die Philosophin Damaris Cudworth Masham kennen, mit der ihm, bis zu seinem Lebensende, eine langjährige Freundschaft verband.

Am 28.10.1704 starb John Locke in Oats im Hause seiner Freundin Lady Masham.

Neben einem bedeutenden Beitrag zur Erkenntnistheorie tat sich John Locke vor allen durch seine politische Philosophie hervor.

Sein Hauptwerk zur politischen Philosophie "Two Treatises of Government" ("Zwei Abhandlungen über die Regierung") schrieb Locke vor dem Hintergrund der Konflikte zwischen Parlament und Krone in England, bei diesem stand das absolute Recht des Königs gegen die Ansprüche des Bürgertums auf Regierungsbeteiligung und eigene Rechte gegenüber dem König. Locke begründet, warum die Macht des Herrschenden eingeschränkt sein soll. Locke geht von natürlich gegebenen Rechten der Menschen aus, die er "Naturrecht" nennt. Er setzt Annahmen über den Zustand des Menschen in Abwesenheit des Staates und leitet von diesen ab, wie die Menschen im Naturzustand zusammenlebten. Über die Anhäufung von Eigentum bildeten sich Gesellschaften. Mithilfe seiner Vertragstheorie begründet Locke, wie diese sich Gesellschaftsverträge und somit Regierungen gaben. Da Regierungen nur geschaffen wurden, um bestimmten menschlichen Zwecken zu dienen, kann er im Folgenden legitime und illegitime Regierungen unterscheiden. Gegen illegitime Regierungen sieht er ein Recht auf Revolution. Das Recht ergibt sich für Locke zwingend aus seinem Verständnis der Naturrechte. Freiheit, Gleichheit und Unverletzlichkeit von Person und Eigentum erklärt er zu den höchsten Rechtsgütern. Er geht dabei von dem Gedanken aus, dass das höchste Ziel und Zweck des Menschen das Leben ist. Locke begründet dies noch explizit damit, dass der Mensch durch Gott geschaffen sei. Er stellt aber auch fest, dass Gottes Wille durch reines Nachdenken und Weltbeobachtung erkennbar ist, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Argumentation auch ohne Gott funktioniert. Um das Überleben zu sichern, sind die Rechte auf Leben, Gesundheit, Freiheit und Eigentum notwendig.

John Locke begründet als erstes das Recht auf Lebensfreude mit den Worten: "A man has to subsist and enjoy the conveniences of life.“ (Das Recht eines Menschen, die Annehmlichkeiten des Lebens zu genießen und zu erhalten) (I 97, II, 2–3)

Wichtig ist dabei, dass dieses Recht nicht nur die reine Selbsterhaltung einschließt, sondern ausdrücklich auch die Freude am eigenen Leben. Folgend seiner Konzeption der Naturrechte und des daraus resultierenden Naturzustandes bedeutet es auch, dass das Leben der Menschen bereits im Naturzustand gesichert ist.

Die zweite Abhandlung beginnt mit dem Recht auf Freiheit für das Locke aber auch eine legitime totale Einschränkung definiert: Sklaverei. Menschen können andere Menschen in dem Moment legitim versklaven, in dem letztere einen ungerechten Krieg beginnen und verlieren. Der Sieger hat, um den Krieg zu beenden, in diesem Moment nur die Wahl, seinen Gegner entweder zu töten oder zu versklaven.

Die Argumentation Lockes zum Eigentum verläuft zweistufig. In der ersten Stufe, der Arbeitstheorie, begründet er, wie Menschen überhaupt rechtmäßig Privateigentum erwerben können. Nach Locke gab Gott die Natur allen Menschen gemeinsam. Dass Einzelne sich dennoch Privateigentum aneignen können und damit den anderen Menschen Zugriff auf diesen Teil der Natur verwehren, rechtfertigt Locke aus dem Selbsterhaltungsrecht: Der Mensch sei folgend dem Freiheits- und Selbstbestimmungsrecht nicht nur Eigentümer seiner selbst und damit seiner Arbeit, sondern auch berechtigt, der Natur ein angemessenes Stück zu entnehmen, um sich selbst zu erhalten.

Durch die Vermischung der Natur, die noch allen gehört, mit der eigenen Arbeit, die dem Individuum selbst gehört, ist der Mensch berechtigt, sich diesen Teil der Natur anzueignen. Locke selbst gibt als Beispiel die Aneignung eines vom Baum gefallenen Stückes Obst: Es gehört dem, der es aufgehoben hat, weil er es durch das Aufheben mit seiner Arbeit vermischt hat.

Gleichzeitig beschränkt Locke das Eigentum: Man darf der Natur nicht mehr entnehmen, als man selbst verbrauchen kann und andere Menschen müssen ebenfalls genug von der gemeinsam gegebenen Natur zurückbehalten, um selbst überleben zu können. Vor allem den erstgenannten Punkt hält Locke für wichtig. Es ist verboten, sich Früchte der Natur anzueignen und sie dann, im wahrsten Sinn des Wortes, verderben zu lassen.

In seiner nachfolgenden Geldtheorie, zeigt Locke auf, wie die ursprünglich Naturprodukte beruhende Eigentumsordnung rechtmäßig in eine kapitalistisch geprägte Eigentumsordnung übergehen kann. Nach Locke ist es ist erlaubt, verderbliche Gaben der Natur gegen weniger verderbliche einzutauschen, also beispielsweise Eier gegen Kartoffeln. Man darf mehr Kartoffeln besitzen, als man aktuell braucht, solange diese nicht verderben. Über diesen Zwischenschritt erlaubt Locke, Naturprodukte, die man sich angeeignet hat, gegen Geld oder generell anerkannte Zahlungsmittel zu tauschen.

Locke sieht dies jedoch nicht als Recht im eigentlichen Sinne, sondern als eine menschliche Übereinkunft und Akzeptanz. Da Geld nicht verdirbt, darf man sich davon so viel aneignen, wie man will und kann. Damit umgeht Locke die im älteren Naturrecht entwickelte und aufrechterhaltene Schranke für das private Eigentum, ohne sie zu verletzen. Die naturrechtliche Beschränkung, dass nichts verderben darf, bleibt formal anerkannt, faktisch darf man sich aber "unendlichen" Reichtum aufhäufen, da Geld nicht verdirbt.

Da Menschen Eigentumswerte ansammeln, nehmen auch die Ungleichheiten in der Gesellschaft zu. Locke setzt deshalb auf der Basis seiner Naturrechte auf die von Thomas Hobbes entworfene Theorie vom Gesellschaftsvertrag auf, wonach die Beziehung zwischen Volk und Regierung als Verhältnis einer freien bürgerlichen Eigentümergesellschaft verstanden wird. Dabei weitet er das Widerstandsrecht gegen die Regierung ganz erheblich aus. Ausgehend von der Entwicklung des Gesellschaftsvertrages entwickelt Locke Maßstäbe, nach denen sich die Legitimität einer Regierung entscheiden lässt: Legitim sind Regierungen, welche die natürlich gegebenen Rechte des Menschen beschützen; illegitim diejenigen, die sie verletzen. Da eine illegitime Regierung danach keine Existenzberechtigung hat, ist es wiederum rechtmäßig, gegen eine solche Regierung zu rebellieren.

Das theoretische Fundament, das John Locke damit geschaffen hat, wirkt bis in die heutige Zeit nach. Er ist neben Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Vertragstheoretiker in der frühen Phase des Zeitalters der Aufklärung.