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Leopold von Ranke

deutscher Historiker (1795 - 1886)

Der Historiker Leopold von Ranke gilt als einer der Gründerväter der modernen Geschichtswissenschaft. Er prägte in der Geschichtsschreibung den systematischen und quellenkritischen Ansatz, der aufzuzeigen soll, "wie es eigentlich gewesen" ist. Für Ranke steht die Objektivität bei der Wiedergabe der Geschichte an erster Stelle. Zuerst kommt das Erfassen der Geschichte, dann deren Bewertung. Eine Vorgehensweise, die heute als Standard angesehen wird, damals jedoch fundamental neu war, da vor Ranke Geschichte philosophisch betrachtet wurde.

Leopold von Ranke wurde am 21. Dezember 1795 in Wiehe als Sohn eines Rechtsanwalts geboren.

Von 1809 bis 1814 besuchte er die Landesschule Pforta. Anschließend studierte er von 1814 bis 1818 der Theologie und Philologie an der Universität Leipzig.

Nach Abschluss der Studien arbeitete von Ranke ab 1818 als Gymnasiallehrer in Frankfurt (Oder) und ab 1825 als außerordentlicher Professor in Berlin tätig.

Von Rankes Hauptinteresse galt den germanisch-romanischen Völkern und dem Entstehen der modernen europäischen Staaten im 16. und 17. Jahrhundert. Zur Erforschung und Materialsammlung bereiste er in den Jahren 1827 bis 1831 die Archive des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches und besuchte 1829 auch das Staatsarchiv Venedig.

1832 wurde er als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin aufgenommen und 1834 zum ordentlichen Professor ernannt.

Von 1833 bis 1836 gab von Ranke die Historisch-Politische Zeitschrift heraus, deren Beiträge er jedoch vorwiegend selbst verfasste.

Im Jahr 1841 ernannte König Friedrich Wilhelm IV. Leopold von Ranke zum Historiographen des Preußischen Staates ernannt. Aus dieser Arbeit resultierten zunächst "Neun Bücher preußischer Geschichte", die 1847/48) veröffentlicht wurden. 1878/79 erschien als erweiterte Fassung "Zwölf Bücher preußischer Geschichte".

Dank seiner intensiven Recherche konnte von Ranke im Laufe der Jahre diverse epochale Geschichtswerke erarbeiten. Bereits 1824 erschien seine "Geschichte der romanischen und germanischen Völker von 1494 bis 1514" und ab 1827 eine Beschreibung der "Fürsten und Völker von Süd-Europa im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert" sowie "Die serbische Revolution. Aus serbischen Papieren und Mittheilungen" (1829).

Von Rankes Geschichte über "Die römischen Päpste in den letzten vier Jahrhunderten" erschien in den Jahren 1834 bis 1836 in 3 Bänden. Von 1839 bis 1847 folgen in 5 Bänden seine "Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation".

Am 22. März 1865 wurde von Ranke in Berlin in den preußischen Adelsstand erhoben.

1871 musste von Ranke gesundheitsbedingt seine Lehrtätigkeit einstellte. Obwohl erblindet arbeitete er aber weiterhin daran, seine sämtlichen Werke herauszugeben und begann 1875 als 80-jähriger damit, seine "Weltgeschichte" zu diktieren. Ab 1880 erschien jährlich ein Band. Doch von Ranke konnte sein Werk nicht mehr vollenden. Er starb am 23. Mai 1886 in Berlin. Sein Werk wurde jedoch nach seinem Tod aus seinen Aufzeichnungen ergänzt und veröffentlicht.