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Ludwig Feuerbach

deutscher Philosoph (1804 - 1872)

Im Sommer des Jahres 1804 wurde Ludwig Andreas Feuerbach in Landshut geboren. Sein Vater war ein bekannter Rechtstheoretiker, der das moderne Strafrecht in Bayern reformierte und zum Beispiel für die Abschaffung der Folter erfolgreich eintrat. Trotz katholischer Taufe wurde der Knabe protestantisch erzogen. Seine Vorliebe für religiöse Themen jedoch kam aus sich selbst heraus und er wollte einmal Pfarrer "auf dem Standpunkt denkender Religiosität" werden.

In Heidelberg beginnt er 1823 ein protestantisches Theologiestudium, das ihm aber bald nicht mehr zusagte und ihn nach Berlin gehen ließ. Dort hörte er sich Hegel und Schleiermacher an und geriet dabei besonders unter Hegels Einfluss, der auch sein Lehrer wurde und starke Impulse auf ihn ausübte. In Erlangen machte er 1828 seine Promotion, während dessen Hegels Einfluss schon langsam zu schwinden begann.

"Gedanken über Tod und Unsterblichkeit" gab er als anonyme Schrift heraus. Er wurde jedoch als Verfasser dieser Schrift polizeilich ermittelt und sie wurde wegen ihrer religionskritischen Inhalte verboten. Feuerbach brach dann 1832 seine Vorleseungstätigkeit ab.

Als weitere Werke folgten u. a. die Aphorismensammlung "Abälard und Héloïse oder Der Schriftsteller und der Mensch" sowie die "Geschichte der neuern Philosophie von Bacon von Verulam bis Benedict Spinoza". Bevor er seinen endgültigen Abschied vom universitären Lehrbetrieb nahm, hielt er 1835/36 noch einmal Vorlesungen in Erlangen.

Neue Heimat wurde ihm Bruckberg nahe Ansbach und dort heiratete er auch Bertha Löw, die Mitinhaberin einer Porzellanmanufaktur war. Die Gewinne waren bescheiden, aber die wirtschaftliche Existenz war gesichert. "Lorchen", die erste Tochter wurde 1839 geboren und die nächste 1842, die jedoch mit drei Jahren starb.

Feuerbachs Leben war einfach, aber sorglos. Vor allem wusste er die Freiheit von akademischen Rücksichten zu würdigen, die ihm dieses Landleben bescherte. Er bekannte einmal, dass dies zum "archimedischen Punkt" in seinem philosophischen Entwicklungsgang wurde. Er betreibt dort auch ausgiebige naturkundliche Studien. Die Distanz zu Hegels Philosophie wird immer stärker und er schreibt sein zentrales Werk der Religionskritik:"„Das Wesen des Christentums". Danach ist Gott eine bloße Projektion des Menschen, ein Wunschgebilde seiner eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte. Ursprünglich sollte das Werk "Kritik der reinen Unvernunft" heißen, um auch an den "Alleszermalmer Kant" zu erinnern. Feuerbach ist von der Sinnlosigkeit des Todes überzeugt, die ihn mit dem Tod der kleinen Tochter Mathilde persönlich 1844 einholt.

Als seine Frau mit 56 Jahren starb, erfolgte für Feuerbach ein existentieller wirtschaftlicher Zusammenbruch durch die Erben und seine Enteignung. Zurückgezogen lebt der bei Nürnberg unter großer Armut und stirbt am 13.9.1872 nach einem Schlaganfall.

Feuerbachs Denken stand für freigeistigen Fortschritt. Eine seiner großen historischen Leistungen war unter anderem, der realitätsnahen Philosophie ein neues Gewicht gegeben und damit auf ein neues Niveau gehoben zu haben. Vor allem die wissenschaftliche Religionskritik wurde von ihm vorangetrieben. Der große Theologe Karl Barth äußerte einmal, Feuerbach habe einen "Pfahl ins Fleisch der Theologie" gerammt. Feuerbach kämpfte lebenslang für Recht und Wahrheit, wozu für ihn auch eine philosophische Kritik am Christentum gehörte. Sein Begräbnis war groß an Trauernden, die sich zu ihm als Humanisten bekannten.