Anzeige

Martin Walser

deutscher Schriftsteller (1927 - )

Martin Johannes Walser wurde am 24. März 1927 in Wasserburg am Bodensee als Sohn eines Kohlehändlers geboren. Der Zweite Weltkrieg war auch für ihn eine einschneidende Zeit. Er konnte zunächst nur in den Jahren 1938 bis 1943 die Oberschule in Lindau besuchen. Dann wurde er mit 16 Jahren als Flakhelfer eingezogen. Es folgte der Reichsarbeitsdienst und anschließend war Walser bis zum Ende des Kriegs Soldat der Wehrmacht.

Nach Kriegsende holte Walser 1946 in Lindau am Bodensee-Gymnasium das Abitur nach und studierte von 1946-1948 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg und von 1948-1951 an der Eberhard Karls Universität Tübingen Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie. Anschließend promovierte er mit einer Arbeit über Franz Kafka.

Während des Studiums begann Walser 1949, für den neu gegründeten Süddeutschen Rundfunk (SDR) als Reporter zu arbeiten und Hörspiele zu schreiben. Später baute er als freier Mitarbeiter den Fernsehbereich des Senders mit auf.

Die Arbeit beim SDR bescherte Walser sowohl als Redakteur wie auch als Autor viele Kontakte zur Literaturszene. Diese wiederum honorierte Walsers Leistungen und lud ihn 1953 zur Tagung der Gruppe 47 ein. In den Folgejahren erhielt Walser regelmäßig Einleidungen zu den Tagungen der Gruppe 47 und wurde 1955 für die Lesung seiner Erzählung "Templones Ende" ausgezeichnet.

Martin Walsers erster Roman erschien 1957 unter dem Titel "Ehen in Philippsburg" und wurde ein so großer Erfolg, dass Walser von da an als freier Schriftsteller leben konnte. Im Laufe der Jahre schrieb Walser über 50 Bücher und rund 15 Hörspiele. Im Januar 1999 wurde er zum Autor des Jahres 1998 gewählt. Eine von vielen Ehrungen, die ihm zu Teil wurden.

Politisch gehörte Martin Walser wie viele junge Schriftsteller nach dem Krieg zur Gruppe der linken Intellektuellen. Als solcher engagierte er sich für die Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler und protestierte gegen den Vietnamkrieg. Er galt wohl auch eine Zeit lang als Sympathisant der DKP, was er jedoch nie öffentlich bestätigte.

Dass er die deutsche Teilung als schmerzende Lücke empfindet erklärte Walser 1988 im Rahmen der Reihe "Reden über das eigene Land". Er hielt eine leidenschaftliche Rede, in der er deutlich machte, dass er sich mit der Teilung nicht abfinden kann. Diesen Stoff machte er auch zum Thema seiner Erzählung "Dorle und Wolf".

Martin Walser engagiert sich in diversen literarischen Institutionen. So ist er unter anderem Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, der Sächsischen Akademie der Künste und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie des PEN-Zentrums Deutschland.