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Mohandas Karamchand 'Mahatma' Gandhi

indischer Freiheitskämpfer (1869 - 1948)

Mohandas Karamchand Gandhi, der in der westlichen Welt vor allem unter dem Namen Mahatma Gandhi bekannt ist (die große Seele Gandhi), wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar (Indien) geboren.

Gandhi war nicht nur ein indischer Rechtsanwalt, sondern wurde zum politischen und geistigen Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Seine erfolgreiche Strategie war eine geradezu radikale Gewaltlosigkeit mit der er die Kolonialmacht Großbritannien letztlich in die Knie zwang. Seine religiöse Einstellung und sein tiefer Glaube waren die Wurzeln seines Handelns. Dabei flossen viele religiöse Impulse in seine eigene Grundhaltung hinein. Die Unabhängigkeit des Subkontinents Indiens ist ohne Gandhis erfolgreichen gewaltlosen Widerstand nicht denkbar.

Als Kind war er Sohn einer wohlhabenden Familie. Die Eltern gehörten der Gruppe der Händler und Kaufleute an und hatten mehr Rechte als andere Menschen im indischen Kastensystem. Neben Studium der Rechtswissenschaften in London, das seine Eltern unter vielfachen Bedenken und Sorgen um seine "Reinheit" in der westlichen Hemisphäre ermöglichten, beschäftigte er sich gleichzeitig mit den großen Religionen des Hinduismus, Christentums und Islam. Starke Impulse bekam Gandhi durch die Radikalität der Bergpredigt, die er häufig anführte, wenn es um die Fragen der Gewaltlosigkeit ging.

Wegen seiner Entscheidung, in London zu studieren, wurde er von seiner Kaste ausgeschlossen und konnte nach dem Studium in Indien nicht als Rechtsanwalt arbeiten. Er nahm eine Stelle als beratender Anwalt in Südafrika an und wurde dort schnell Zeuge der Diskriminierungen aller Menschen mit anderer Hautfarbe durch die dort lebenden Weißen. Auch er selbst fiel dieser Diskriminierung zum Opfer, sei es beim Friseur, wo er nicht bedient wurde oder anderen Anfeindungen bei Alltäglichkeiten, die alle Andersfarbigen mit ihm ständig zu erleiden hatten.

Er begann sich in der indischen Gemeinde zu engagieren und hielt die ersten Vorträge dort gegen Diskriminierung. Beruflich war er bereits erfolgreich und er machte sich um die Rechte der Inder auch bald einen Namen. Als er 1914 nach Indien zurückkehrte, waren auch die Gesetze im eigenen Heimatland fremdbestimmt durch die Kolonialmacht Großbritannien, das sein Volk ausbeutete und ungerecht behandelte.

Mit Hilfe des Indian National Congress trat Gandhi im Jahre 1920 in den gewaltlosen Widerstand gegen die britische Herrschaft an. Gandhi ging seine Strategie in verschiedenen Schritten an und sein erster war die "Asahayoga" - die "Nichtbeteiligung".

Die Inder zogen sich aus der Arbeit für Verwaltung, Gerichte und Schulen zurück und Gandhi erhoffte sich davon die Befreiung. Er rief seine Landsleute dazu auf, zu Hause Spinnräder zu benutzen und selbst Stoffe herzustellen, um die britische Stoffindustrie zu boykottieren. Dabei ging er selbst als bestes Beispiel voran und fertigte auch seine eigene Kleidung selbst. Sein eigenes Leben führte er in Schlichtheit ohne jeden Luxus. Gandhi begann den Weg des "Satyagraha" zu gehen, der das Prinzip des friedlichen Ungehorsams darstellt, mit dem Ziel: ungerechte Gesetze auf friedlichem Weg abzuschaffen. Es ist die Form des zivilen Ungehorsams, die auf einer moralischen Einsicht basiert.

Sein öffentliches Wirken brachte ihn immer wieder neu ins Gefängnis, weil man ihm vorwarf, Gesetze gebrochen zu haben. Gesetze, die er nicht anerkennen konnte, weil sie auf Unrecht oder Willkür oder Übervorteilung basierten und eben kein Recht darstellten. Gandhi blieb konsequent gewaltfrei und akzeptierte jeder seiner Strafen. Die Öffentlichkeit sah dieses Verhalten und die Machthaber mussten Gandhi immer wieder auch entlassen. Immer mehr Menschen schlossen sich Gandhis Freiheitsbewegung an.

1930 rief Gandhi zu seinem legendären Salzmarsch auf. Es war die spektakulärste seiner gewaltfreien Aktionen für den Unabhängigkeitskampf. Er protestierte damit gegen die Steuer der Briten, die auf dem Salz lagen. Den Indern war es verboten, Salz herstellen, noch es selber verkaufen.

Im August 1942 forderte Gandhi die sofortige Unabhängigkeit Indiens. Er wurde wieder inhaftiert und nach zwei Jahren aus Krankheitsgründen wieder entlassen. Die Protestbewegung bekam durch diese Aktion große Unterstützung. Nicht weniger als acht Jahre seines Lebens verbrachte Gandhi in Gefängnissen, weil er sich für Unabhängigkeit und Antidiskriminierung einsetzte.

Am 3. Juni 1947 wurden die Unabhängigkeit und die Teilung Indiens in zwei Staaten verkündet. Indien zerbrach in das mehrheitlich hinduistische Indien und das mehrheitlich muslimische Pakistan. Gandhi hatte sich diesem Teilungsansinnen immer widersetzt, trat aber nach der Verkündigung für eine gerechte Aufteilung der Staatskasse der beiden Staaten ein. Die bürgerkriegsähnlichen Unruhen, die nach der Teilung ausbrachen, konnten aufgrund von Gandhis großem Einfluss relativ schnell eingedämmt werden.

Gandhis Leben endete durch ein Attentat am 30. Januar 1948. Mit 78 Jahren wurde Gandhi vom fanatischen, nationalistischen Hindu Nathuram Godse erschossen. Die Aussöhnung der beiden großen Religionsgruppen von Hindus und Moslems war ihm ein großes Herzensanliegen, das aber bis heute noch Konfliktstoff birgt und seiner Befriedung in der Zukunft noch harrt.