Anzeige

Thomas Hobbes

englischer Philosoph und Staatstheoretiker (1588 - 1679)

Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 als Sohn eines einfachen Landpfarrers in Malmesbury in der Grafschaft Wiltshire geboren. Seine Mutter stammte aus einer Bauernfamilie.

Bereits mit vier Jahren konnte Thomas Hobbes lesen, schreiben und rechnen. Er wurde als Wunderkind bezeichnet und ab seinem achten Lebensjahr in einer Privatschule in den klassischen Sprachen unterrichtet. Schon sechs Jahre später im Alter von vierzehn Jahren begann er sein Studium an der traditionell-scholastischen Universität Oxford, wo er 1603–1607 Logik und Physik studierte.

Nach seinem Bachelor-Abschluss 1608 in Oxford wurde Thomas Hobbes Hauslehrer bei der adligen Familie Cavendish. Er unterrichtete unter anderem den kleinen William Cavendish, der später Graf von Devonshire wurde. Seine Erziehertätigkeit in einer der führenden Adelsfamilien Englands, verschaffte ihm die Möglichkeit zu ausgedehnten Reisen und Kontakt zu führenden Politikern und Denkern seiner Zeit.

Für kurze Zeit arbeitete Hobbes als Sekretär des Gelehrten, Philosophen und Staatsmanns Francis Bacon, für den er einige seiner Schriften ins Lateinische übersetzte. Auf den Auslandsreisen, die er mit seinen Schülern der Cavendish-Familie unternahm, lernte er in Pisa Galileo Galilei kennen und schloss Bekanntschaft mit René Descartes, Marin Mersenne und Pierre Gassendi.

1629 veröffentlichte Thomas Hobbes eine Übersetzung der "Geschichte des Peloponnesischen Krieges" des griechischen Geschichtsschreibers Thukydides.

Während seiner dritten Europareise als Erzieher entwickelte Hobbes den Plan, seine Philosophie aus drei systematisch aufeinander aufbauenden Teilen zu konstruieren: der Lehre von der körperlichen Substanz (de corpore), der Lehre vom Menschen im Naturzustand (de homine) und schließlich die Lehre vom Menschen in der Gesellschaft (de cive). Er konnte diese Lehre jedoch nicht ausarbeiten, denn in den Jahren 1603 bis 1629 verschärfen sich die politischen und gesellschaftlichen Spannungen in England. Die absolutistischen Pläne Jakobs I. und Karls I. bringen sie in Gegensatz zum Landadel, der sich zu einer agrarischen Kapitalistenklasse entwickelt hatte, und zum Bürgertum der Handelsstädte, dessen Bedeutung im 17. Jahrhundert in England stetig wuchs. Von 1629 bis 1640 herrschte Karl I. mit einer parlamentslosen Regierung, die alle politischen und religiösen Gegner, vor allem die Puritaner, verfolgte: Der Versuch, dem calvinistischen Schottland die anglikanische Staatskirche aufzuzwingen, führte zur ersten militärischen Niederlage. Karl I. sah sich 1640 gezwungen, zur Mittelbeschaffung für den Krieg ein Parlament einzuberufen, das nun seinerseits begann, mit den wichtigsten Unterstützern des Königs abzurechnen. Da Thomas Hobbes sich im Streit zwischen Krone und Parlament anonym für die Rechte des Königs Karl I. und gegen das Unterhaus eingesetzt hatte, musste er 1640 nach Frankreich ins Exil fliehen.

1642 brach der Bürgerkrieg zwischen Parlament und Krone aus. Mit seinem Werk "de cive" versuchte Hobbes erneut, Einfluss auf die Entwicklung in England zu Gunsten einer absolutistischen Monarchie auszuüben. Wie auch später in seinem Hauptwerk "Leviathan" (1651) argumentierte er für die Übertragung aller Gewalt auf einen souveränen Herrscher, da im "Naturzustand" ein egoistischer Krieg "aller gegen alle" um Besitz und Ansehen herrsche, der nur durch die Angst vor der Strafe durch eine übermächtige Gewalt verhindert werden könne. In einem Vertrag sollten die einzelnen ihre natürlichen Rechte auf eine zentrale Gewalt übertragen, die am vollkommensten in einer Person, dem absoluten Herrscher, repräsentiert werde. Diese Argumentation verschaffte Hobbes jedoch wenig Freunde.

Auch Karl II., den er 1646 in Paris in Mathematik unterrichtet hatte, verübelte ihm, dass er für jede de facto souveräne Regierung eintrat. Hobbes Materialismus und seine Kritik an der katholischen Kirche ("Reich der Finsternis") ließen ihn zudem auch eine Verfolgung in Frankreich befürchten, so dass er 1651 nach England zurückkehrte, wo er sich mit dem herrschenden Cromwell-Regime arrangierte.

Nach Veröffentlichung seines Hauptwerks, des "Leviathan", wurde er dort wegen dessen angeblichen atheistischen und häretischen Charakters vielfach von Seiten der Kirche, des Adels wie auch von Privatpersonen angefeindet.

In den Jahren 1655 und 1658 erscheinen mit "de corpore" und "de homine" die beiden fehlenden Teile seines Systems.

Nach der Restauration der Stuarts sah er sich Verfolgungen durch den Klerus ausgesetzt, vor denen ihn aber die Sympathie Karls II. schützte. Seine 1668 verfasste Geschichte der Bürgerkriegsepoche "Behemoth oder Das Lange Parlament" erhielt aber keine Druckerlaubnis, so dass seine lateinischen Schriften in Amsterdam verlegen lassen musste. Dennoch lebte Hobbes bis zu seinem Tod in gesicherten und komfortablen Verhältnissen auf einem Landsitz des Herzogs von Devonshire, seinem ehemaligen Schüler, in finanzieller Unabhängigheit und konnte ungestört arbeiten.

Am 4. Dezember 1679 starb Thomas Hobbes in Hardwick Hall, Derbyshire.

Heute gilt Hobbes als Begründer des aufgeklärten Absolutismus und neben John Locke und Jean-Jacques Rousseau als einer der bedeutendsten Vertragstheoretiker.