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Willy Brandt

deutscher Politiker (SPD) (1913 - 1992)

emigrierte 1933 nach Norwegen und arbeitete dort und in Schweden als Journalist
1945 kehrte Brandt als Korrespondent skandinavischer Zeitungen nach Deutschland zurück
seit 1948 in der SPD tätig
1957-66 Regierender Bürgermeister von Berlin
1964-87 Parteivorsitzender der SPD
1966-67 Außenminister
1969 Wahl zum Bundeskanzler
1971 Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik
1974 Rücktritt als Bundeskanzler wegen Spionagefall Guillaume
1976 bis 1992 Präsident der Sozialistischen Internationale.
1977 Vorsitzender der unabhängigen Internationalen Nord-Süd-Kommission

Brandts politische Karriere im Nachkriegsdeutschland begann 1949 als Berliner Abgeordneter für die SPD im ersten Deutschen Bundestag. Brandt gehörte dem Bundestag von 1949 bis 1957, von 1961 bis zum 27. Dezember 1961 und von 1969 bis zu seinem Tode im Jahre 1992 an, also insgesamt 31 Jahre lang. 1950 wurde er auch Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Er legte dieses Mandat erst am 6. April 1971, also knapp zwei Jahre nach seiner Wahl zum Bundeskanzler, nieder.

1955 wurde Willy Brandt in der Nachfolge Otto Suhrs Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. 1957 wurde er, ebenfalls in der Nachfolge Otto Suhrs, zum Regierenden Bürgermeister gewählt. In diesem Amt erlangte Brandt aufgrund seines entschlossenen Handelns während des Berlin-Ultimatums 1958 und nach dem Mauerbau 1961 große Popularität.

In die Zeit Brandts als Regierender Bürgermeister fiel 1963 der Besuch von Präsident John F. Kennedy in West-Berlin zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Bekannt wurde nicht nur Kennedys Rede mit dem berühmten Zitat „Ich bin ein Berliner“, sondern auch Brandts Begrüßungsrede vom 26. Juni an Kennedy: „Wir grüßen nicht nur das Amt, wir grüßen auch den Mann.“

Auch nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers blieb Brandt politisch aktiv: Im April 1977 trug Weltbankpräsident Robert McNamara Brandt den Vorsitz der „Unabhängigen Kommission für Internationale Entwicklungsfragen“ (Nord-Süd-Kommission) an. Nach fast drei Jahren Beratungen legte die Kommission am 12. Februar 1980 in New York ihren Nord-Süd-Bericht vor, der allgemein als „Brandt-Report“ bekannt wurde.

Am 7. Juli 1979 kamen Brandt und der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky in Wien mit Jassir Arafat, dem Chef der palästinensischen PLO, zu einem Meinungsaustausch zusammen. Am 15. Oktober 1984 traf Brandt sich auf Kuba mit Staatspräsident Fidel Castro. Im selben Jahr traf Brandt sich auch mit Deng Xiaoping und Michail Gorbatschow. Am 19. September 1985 kam er in Ost-Berlin zu Gesprächen mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zusammen.

Brandt gehörte weiterhin dem Bundestag an und eröffnete nach der Bundestagswahl 1983 erstmals als Alterspräsident den Bundestag, obwohl er nur der zweitälteste Abgeordnete war. Egon Franke hatte als tatsächlicher Alterspräsident auf diese Würde verzichtet und Brandt den Vortritt bei der Eröffnung gelassen. Nach den Bundestagswahlen 1987 und 1990 eröffnete Brandt den jeweiligen Bundestag als tatsächlicher Alterspräsident.