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30. Juni 2013

USA bespitzeln Angriffsziel Europa

Na und? Ist doch nichts Neues, meint Tom Borg

Ich persönlich habe mich schon immer gewundert, warum wir Deutschen die USA so bewundern. Unsere Eltern und Großeltern warfen ihre deutsche Kulturwerte über Bord und übernahmen die kulturellen Ideale eines Landes, gegen das man zwei Weltkriege verloren hatte. Aber wie auf Facebook: Follower und Freund sind zwei Paar Schuhe.

Der Aufschrei ist mal wieder groß: Die USA verwanzten Gebäude der EU und UN und betrachten Europa als Angriffsziel für Spionage? Was ist daran so empörend? Wussten wir nicht schon immer, dass die USA keine Freunde haben, dass die USA keine Freunde wollen und dass die USA keine Freunde suchen, sondern Geschäftspartner? Geschäftsbeziehungen sind für ranghohe US-Diplomaten in etwa das gleiche wie für uns freundschaftliche Beziehungen.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die US-Regierung der gesamten Welt erklärte, dass die "Achse des Bösen" genau durch unsere Wohnzimmer verläuft - quer durch Europa. Daran soll sich etwas geändert haben? Allenfalls in der Wortwahl. Ganz sicher nicht in den Köpfen der Amerikaner. Das "wir sind die Welt - und der Rest sind Lakaien" ist so fest in den Köpfen der meisten - sicherlich nicht allen - Köpfen der Amerikaner eingemeißelt, dass selbst Shows auf diesen Effekt setzen. Ich erinnere mich beispielsweise an eine Wrestling-Show bei der der damals auch nicht sonderlich beliebte Wrestler "Big Show" einem immerhin sehr erfolgreichen russischen Wrestler erklärte, warum dieser nie Nummer 1 werden könnte und gegen ihn, Big Show, nie eine echte Chance haben würde. Das Argument war ganz kurz und einfach: "I am American!" Und das gesamte Publikum skandierte "America!" Ja, so funktioniert Amerika - und so funktioniert die US-Politik.

Es ist das erklärte Ziel von Unternehmen wie beispielsweise Mac Donald's und Coca Cola, der gesamten Welt ihre Produkte aufzudrücken. Das ist schlicht ein offizielles Firmenziel und selbstverständlich, dass jeder der nicht Cola trinkt und auch Pepsi meidet, irgendwer von einem anderen Stern sein müsse.

Ich persönlich habe mich schon immer gewundert, warum wir Deutschen die USA so bewundern. Unsere Eltern und Großeltern warfen in den 1940er ihre deutsche Kulturwerte, wie immer man zu diesen auch stehen mag, über Bord und übernahmen die Kultur des Kriegsgegners USA, gegen den man gerade einen Krieg verloren hatte. Elvis und Rock'n'Roll prägten eine ganze Ära. Wo USA draufstand, darin wurde das Heil der Welt vermutet. Die Amerikaner freute es, während wir Europäer nie so recht verstanden, wo eigentlich der ganze Hass aus der arabischen Welt gegen die USA herkam. Mit dem Begriff "Islam" war recht schnell ein Sündenbock gefunden - und in manchen Fällen mag es auch durchaus der richtige sein. Aber der tiefer liegende Grund ist letztendlich doch eher darin zu sehen, dass diese Länder die amerikanische Kultur nicht als Segen empfanden, sondern dem Druck dieser Kultur ohnmächtig ausgeliefert waren, woran auch der Öl-Boom wenig änderte. Amerikanische Technologie tritt in der Dritten Welt in aller Regel nur im Doppel- oder gar Dreierpack auf: Willste unsere Technik, dann unterstütz gefälligst unsere Interessen und vor allem nimm auch gleich unsere Kultur dazu. Ihr wollte Videorekorder kaufen? Kein Problem! Wir liefern euch die Geräte - und passende Filme aus Hollywood gleich mit dazu. Dass jemand einfach nur die Technik kaufen und im eigenen Interesse nutzen wollte, das haben die USA weder verstanden noch akzeptiert. Wie auch, wenn Freundschaft bedeutet, dass man miteinander Geschäfte macht.

Wir Deutsche, die wir alles Heil in den USA und den Beziehungen zu eben dieser suchen, tun uns erklärtermaßen schwer, das so zu sehen. Wir meinen, ohne die USA wirtschaftlich abgeschlagen zu werden. Doch gerade darin liegt eine der größten Gefahren für Europa. So zeigte die Wikileaks-Affäre beispielsweise, wie amerikanische Firmen reagieren, wenn man nicht nach ihren nationalen Regeln spielt. Da wurden recht schnell einige Server platt gemacht, die nur indirekt etwas mit den Verursachern zu tun hatten. PayPal, ein anderer US-Gigant, versuchte beispielsweise, hier in Europa Shop-Betreiber zu zwingen, die amerikanischen Gesetze einzuhalten und sperrte Accounts und fror Gelder ein, wenn Shops Produkte aus Kuba im Sortiment hatten. Wie Amazon, Google und Facebook mit ihren europäischen Kunden, Mitarbeiter und Partner umspringen kann man jeden Tag in der Presse lesen. Und selbst so alte Unternehmen wie GM haben uns gezeigt, wie der Hase läuft: Als GM der Pleite entgegen rutschte und Opelwerke geschlossen werden sollten, da schob der Deutsche Steuerzahler einige Scheinchen Richtung GM - und GM verschob sie weiter Richtung Mutterkonzern, trotz diverser Versuche, dies zu verhindern. Und jetzt? Jetzt geht es Opels Arbeitnehmer doch wieder an den Kragen. Frei nach der Logik: Wer Opel-Produkte kauft, soll Opel gefälligst auch finanzieren und bei Bedarf sanieren. Von Verantwortung ist da keine Rede, von Partnerschaft auch nur wenn es ums Zahlen geht. Und Freundschaft - die ist Geschäft. Also zahlt was - und ihr seid unsere Freunde.

Ist die Sache wirklich so einfach? Als ein Mensch, der gerne beide Seiten der Münze betrachtet, neige ich dazu, vorsichtig den Kopf zu schütteln. Aber die USA tun alles, um uns davon zu überzeugen, dass wir Europäer für sie letztlich nur nützlicher Ballast sind. Ein notwändiges Übel für Wirtschaft, Politik und Militär, was letztlich eh alles wieder der gleiche Interessentopf ist. Und jetzt die Enthüllung um die verwanzten EU- und UN-Gebäude. Damit demonstrieren die USA einmal mehr, dass es Amerika sch…egal ist, was der Rest der Welt tut oder denkt - solange die NSA alles Tun und Denken überwachen und kontrollieren kann. Nicht einmal vor der UN als Repräsentantin der gesamten Menschheit zeigt Amerika Respekt und Achtung. Und ja, es ist einmal mehr das übliche Bild, das die Amerikaner von sich selbst liefern. Und es ist für sie so selbstverständlich wie die Basisforderung, dass die USA zwar Richter für den internationalen Gerichtshof abstellen um andere zu richten, aber natürlich keine Amerikaner vor dem internationalen Gerichtshof verurteilt werden können. Amerika erkennt diese Gerichtsbarkeit schlichtweg nicht an, falls ein Amerikaner angeklagt werden sollte. Somit müsste sich auch kein amerikanischer Präsident vor dem internationalen Gerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten, wenn er erneut den Einsatz von Atomwaffen befehlen sollte. Das war schon 1945 kein Kriegsverbrechen, obwohl es in erster Linie zivile Opfer gab. Auch der Agent Orange-Einsatz in Vietnam, der wiederum die Bevölkerung mehr traf als die gegnerischen Militär, war kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Kann es auch gar nicht sein, denn Menschen gibt es nur in Amerika - alles andere sind Geschäftspartner, Lakaien - und potentielle Angriffsziele, wenn sie sich nicht wie gewünscht verhalten…

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.