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21. Dezember 2014

Verdummung der Gesellschaft?

Ausverkauf der Bildung zugunsten der Statistik, fragt sich Sarah Walter

Seit einiger Zeit wundere ich mich immer öfter über Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, die einfachsten Aufgaben ohne Hilfestellung zu lösen. Insbesondere bezüglich der Bildung müssen sich die Anforderungen in der Bildung heutzutage den Schülern anpassen und nicht mehr andersrum.

Alles muss einfacher gemacht werden, damit Deutschland mehr "höher gebildete" Menschen hat. Jedoch macht dies nur den Anschein von einer gebildeten Gesellschaft, denn die Anforderungen wurden lediglich heruntergeschraubt. Wird es zu einer Verdummung der Gesellschaft kommen?

Der Ursprung dieses Problems liegt in den Schulen, besonders in den Weiterführenden. In der Grundschule lernt man noch, wie man im Kopf bzw schriftlich ohne jegliche Hilfsmittel 7564 durch 6 teilt, ab der weiterführenden wird alles mit dem Taschenrechner gelöst ohne dass man sich größere Gedanken über den Weg zur Lösung macht. Warum sollte man auch? Mit dem Taschenrechner ist doch alles viel schneller und einfacher! Genau in dieser Art von Denken liegt schon das Problem. Jegliches logisches Denken wird dadurch vernachlässigt und das Hilfsmittel Taschenrechner wird zur Selbstverständlichkeit. Es weitet sich schon so aus, dass einfache Aufgaben wie 100 durch 10 ebenfalls eingegeben werden - und da rede ich aus eigener Erfahrung. Man macht sich kaum Gedanken über die Aufgabe - Hauptsache, man hat am Ende irgendein Ergebnis. Dabei braucht man lediglich eine Zahl falsch eingegeben haben oder ein anderes Rechenzeichen und schon ist das Ergebnis ein völlig anderes. Aber niemand denkt ja daran. Vor allem in der Physik können falsche Ergebnisse relativ verheerend und sogar peinlich sein, wenn man diesen nicht mal bemerkt, obwohl er logisch gesehen wirklich unrealistisch ist. Ich habe schon erlebt, dass bei der Frage: "Ein Tennisball wird von dem 300m hohen Eiffelturm mit der Geschwindigkeit 15m/s runter geworfen, wann und wo landet er?" einer geschrieben hat, dass er nach 75 Minuten auf dem Boden landet und das 65km vom Turm entfernt. Dass dieses Ergebnis total unrealistisch und unlogisch ist, hat derjenige nicht gemerkt, schließlich hat der Taschenrechner das gesagt. Und selbst, wenn es mal einen Taschenrechner-freien Teil in einer Klausur gibt, bricht schon die Panik aus. Die Lehrer sind gezwungen, die Rechenaufgaben dadurch leichter zu machen und das ist eigentlich Grundschulniveau, aber dennoch gibt es welche, die 2 durch 8 nicht im Kopf rechnen können, obwohl es einfachste Bruchrechnung aus der 6. Klasse ist.

Aber nicht nur in der Mathematik, auch beispielsweise in Englisch: die Gewichtung wurde anders verteilt, d.h. einfache Dinge wie Hör- und Leseverstehen (Ankreuzaufgaben) zählen in einer Klausur auf dem Gymnasium (!) zusammen 60%, während das richtige Anwenden und wirklich Anspruchsvolle - also der schriftliche Teil - nur 40% zählt, obwohl dieser Teil wirklich zeigt, wie die Leistungen sind. Aber nein, Deutschland versucht ja nur, mehr Schüler durchs Abi zu bekommen.

Der Titel "Abiturient" müsste an sich eigentlich seine richtige Bedeutung verlieren, denn dafür muss man nicht mehr so hohe Erwartungen erfüllen. Aber dadurch, dass die Gesellschaft insgesamt durch die niederen Anforderungen am Verdummen ist, scheint das Abitur noch in einer gewissen Art seine Bedeutung zu behalten. Doch macht es wirklich einen Sinn, die Erwartungen so weit herunterzusetzen, nur damit wir mehr Abiturienten haben? Insbesondere wo es doch viele Länder gibt, die ihre Erwartungen beibehalten? Ich frage mich: wie lange kann Deutschland da noch mithalten…?