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01. April 2012

Ehe ist nichts für Weicheier

Es braucht den Mumm sich durchzukämpfen, meint Tom Borg

Die Ehe eine der schwersten Aufgaben im Leben eines Menschen, so seltsam das auch klingen mag. Denn es ist schwer, sich ein Leben lang mit einem Partner zu arrangieren ohne seine eignen Wünsche aus den Augen zu verlieren und dennoch auch die Wünsche, Hoffnungen und Träume des Partners zu akzeptieren.

In der heutigen Zeit rückt bei den Jugendlichen der Wunsch zu heiraten immer mehr in den Hintergrund. Es geht nicht mehr darum sich ewige Treue zu schwören und sich bis in Tod zu lieben, sondern viel mehr darum an Unabhängigkeit zu gewinnen, selbständiger zu werden und endlich unbeschwert, ohne den Druck der Eltern, leben zu können. Heutzutage lebt man lieber erst eine Weile miteinander, um sich besser kennenzulernen und um sicherzustellen, dass man keinen Fehler macht. Man fragt sich, was einem das heiraten nützt, vor allem da man ohne eine feste Bindung sich leichter eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber dem Partner wahren kann.

Manche Paare trennen sich schon nach kurzer Zeit, da sie feststellen mussten, dass sie übereilt gehandelt haben, ohne die weitreichenden Konsequenzen mit einzukalkulieren. Besonders schmerzhaft sind solche Trennungen naturgemäß für die Kinder, die vielleicht bereits aus der Partnerschaft hervorgegangen sind. Besonders junge Paare stellen sich die Frage, ob sie so weit sind, dass sie eine solche Bindung fürs Leben eingehen wollen.

Eine Ehe braucht Vorbereitung, die alle Bereiche des Lebens erfasst und nicht erst bei der sexuellen Aufklärung beginnt oder in einer ernsten Partnerschaft einsetzt. Zur Ehevorbereitung gehört von klein auf zu lernen, die Stärken und Schwächen des Anderen zu akzeptieren. Ein verstehender Blick, ein Lächeln oder ein Kuss! Das alles sind Formen in denen ein Mensch seine Zuneigung ausdrückt. Die Zeichen der Liebe, insbesondere der Geschlechtsverkehr, sind mehr als bloß äußerliche Handlungen. In ihm werden die innersten Erwartungen, Vorstellungen und Wünschen erfüllt.

Eine Ehe erfordert auch die Fähigkeit gemeinsam Krisen zu bewältigen. Dennoch kann die Wiederholung solcher Krisen eine Beziehung zum Scheitern bringen. Besonders wenn die Partner unüberlegt gehandelt haben oder einfach noch nicht reif waren für diese Bürde. Dann steht den Partnern in diesem Fall als letzter Ausweg die Scheidung offen. Heutzutage spielt die Schuldfrage keine Rolle mehr, so dass es eher eine religiöse Randnotiz ist, wenn Papst Joh. Paul II. ind seinem Rundschreiben "Familiaris consortio" die Meinung vertritt, dass es "ein Unterschied [ist], ob jemand [...] völlig zu Unrecht verlassen wurde, oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat."

Dennoch bleibt die Ehe eine der schwersten Aufgaben im Leben eines Menschen, so seltsam das auch klingen mag. Denn es ist schwer, sich ein Leben lang mit einem Partner zu arrangieren ohne seine eignen Wünsche aus den Augen zu verlieren und dennoch auch die Wünsche, Hoffnungen und Träume des Partners zu akzeptieren. Die Scheidung eines Paares ist da manchmal wie der Selbstmord des Einzelnen: Man schleicht sich davon, weil man ein Problem nicht lösen kann oder ertragen kann oder will. Gesellschaftlich ist dieses Verhalten längst akzeptiert. Doch was ist eine Ehe wert, wenn man nicht um sie kämpft? Sind in unserer Zeit Individualismus und Selbstverwirklichung als Ideale wertvoller als eine lebenslange Partnerschaft, die zweifelsohne ihre Höhen und Tiefen haben wird? Wozu dann überhaupt noch heiraten, wenn man bei der ersten Krise sowieso das Handtuch wirft? Ach, ja, und dann war da ja auch noch der Vorschlag der automatischen Scheidung nach X Jahren, falls nicht rechtzeitig die Ehe erneuert wird. Täusche ich mich oder wird die Ehe, die von der Kirche als Sakrament und von weniger religiösen Menschen immerhin noch als gegenseitiges Versprechen bezeichnet wird, zu einer rein juristischen Angelegenheit degradiert, die Ehe ganz offiziell als die zynische Abkürzung von "errare humanum est" installiert? Oder frei nach Peter Dehnert: Sich verloben heißt sicherstellen und weitersuchen...