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03. Dezember 2013

Zeitdiebe

Keine Zeit für Zeitdiebe hat Tom Borg

Denn die Zeit ist gerecht verteilt. Ein jeder von uns hat täglich 1.440 Minuten zur Verfügung, nicht mehr und nicht weniger. Was wir damit machen entscheidet letztlich über Erfolg und Fortkommen.

Der Schweizer Schriftsteller und Verleger Emil Oesch sagte einmal: "Die Kunst, Zeit zu haben, ist auch die Kunst, sich die Leute vom Leibe zu halten, die uns die Zeit stehlen." Wie recht er hat. Dabei ist es meist gar nicht so einfach seinem Rat zu folgen. Denn wie gewöhnliche Diebe tarnen sich auch Zeitdiebe - aber leider nicht mit Uniform-grau wie bei Michael Ende.

Meist fängt es ganz harmlos an mit der freundlichen Frage: "Hast Du mal eine Minute…?" NEIN! schreit alles in mir, denn ich ahne, dass es bei dieser einen Minute nicht bleiben wird. Schon gar nicht wenn mein ansonsten netter Freund sich einen Stuhl herbeizieht um gemütlich darauf Platz zu nehmen. Allerübelst sind die Zeitgenossen, die dann auch noch anfangen, sich auf meinem wohl geordneten Schreibtisch einzunisten, um dort ihre eigene Gedankensülze auszubreiten. Ich habe meine mir ganz eigene Ordnung bei der ich blind alles finde. Meine Freunde lächeln jedes Mal, wenn ich nicht ohne Stolz anmerke, dass ich bei vollkommener Dunkelheit durchs Haus gehen kann und trotzdem ganz zielsicher meine Brille finde, weil die immer am exakt gleichen Platz liegt. Die nutzt mir bei Dunkelheit zwar auch nicht viel, aber immerhin, hier geht es ums Prinzip. Ich habe meine Unterlagen sortiert, meine Bücher, in denen ich etwas recherchiert habe, in einer speziellen Ordnung auf meinem Schreibtisch griffbereit liegen - und dann kommt da einer, der alles einfach zur Seite wischt und seinen Stapel Papier da ausbreiten möchte… Dabei stellte doch schon Eisenhower fest: "Was nicht auf einer einzigen Manuskriptseite zusammengefasst werden kann, ist weder durchdacht noch entscheidungsreif." Recht hatte er!

Doch genau dies ist eine der dreistesten Methoden mir meine Zeit zu stehlen. Immer frei nach dem Motto: "Du kennst Dich damit doch am besten aus…" Klar kenne ich mich aus, deswegen habe ich mir ja auch Mitarbeiter besorgt damit die den Job machen und nicht mir einen Stapel Papier in die Hand drücken über den ich stundenlang brüte während alle anderen fröhlich pfeifend in den Feierabend ziehen und sich ein Bierchen genehmigen.


Die Dreistigkeit der Zeitdiebe


In der heutigen Zeit wo es mit der Ehrlichkeit immer rasanter bergab geht und selbst ehrenwerte Richter feststellen, dass im demokratischen Wahlkampf nicht immer alles exakt richtig sein muss, was man dem Gegner um die Ohren haut, wird es immer schwerer, Zeitdiebe von vertrauenswürdigen Zeitgenossen zu unterscheiden. Denn nicht selten bestehle ich mich selbst. Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich im Internet auf eine interessante Überschrift stoße und "mal eben schnell" lese, was es da Neues gibt - meist nur um am Ende festzustellen, dass es gar nichts neues war, sondern nur altes neu verpackt. Doch das ist heutzutage fast schon lobenswerte Ehrlichkeit - im Gegensatz zu den meisten - ja, auch den öffentlich-rechtlichen - Fernsehprogrammen, die voll dreist einen Mega-Aufhänger präsentieren und den Zuschauer halten wollen mit "Sehen Sie jetzt". Nichts da, Pustekuchen! Vor dem "jetzt" kommt mindestens eine Werbung, meist ein ganzer Werbeblock.

Doch entpuppt sich die Lüge mit dem "Sehen Sie jetzt" meist noch als der kleinste Schaden. Der richtige Zeitdiebstahl folgt anschließend wenn die Sendung anfängt und man ganz gespannt auf den angepriesenen Beitrag wartet … und wartet … und wartet… Mindestens drei weitere Werbeblöcke lang, denn der als Highlight angepriesene Beitrag kommt mit schöner Regelmäßigkeit nicht "jetzt" sondern am Ende der Sendung. Damit das auch keiner vergisst, wird der Aufmacher, der ja eigentlich die Sendung einleiten sollte, vor jeder Werbepause erneut gezeigt. Und spätestens dann sollte eigentlich klar sein, dass nicht das Lügen-TV mir meine Zeit stiehlt, sondern meine eigene Neugierde mich stillschweigend meiner wertvollsten Ressource enteignet.

Aber ich falle immer wieder darauf rein, denn ich bin neugierig, möchte wissen, was sich auf der Welt tut, möchte mich weiterbilden, neue wissenschaftliche Erkenntnisse lesen und verstehen. Doch schon wenn man sich auf Googles News-Portal einen Überblick verschaffen will, merkt man schnell, dass man das gleiche mehrfach angeboten bekommt. Zu Top-Themen stehen da gleich mehrere Schnipsel, die, welch Wunder, irgendwie alle gleich klingen, was letztlich wiederum kein Wunder ist, da alle sich bei den gleichen Agenturen bedienen und deren Material lediglich etwas umschreiben. Aber es kostet mich meine Zeit herauszufinden, wer dem Agenturmaterial noch eigene Recherchen und Wissen beigefügt hat.


Raus aus der Zeitfalle


Und damit wäre es eigentlich an der Zeit, dass ich mir selbst die Frage stelle, wo denn meine Zeit bleibt, warum ich sie immer wieder vergeude und nicht zielgerichtet einsetze. Das unterscheidet letztlich erfolgreiche Menschen von den weniger erfolgreichen. Denn zumindest die Zeit ist gerecht verteilt. Ein jeder von uns hat täglich 1.440 Minuten zur Verfügung, nicht mehr und nicht weniger. Was wir damit machen entscheidet letztlich über Erfolg und Fortkommen.

Mein erster Schritt war, dass ich mir den Tag besser einteile. Ich interessiere mich zwar weiterhin für alles Neue, aber bittschön alles zu seiner Zeit. Diese nehme ich mir en bloc wenn ich sowieso eine kleine Auszeit brauche um meine "kreativen Akkus" wieder aufzuladen. Und das habe ich auch gleichen allen Freunden und Mitarbeitern angewöhnt. "Kannst Du mal eben..." gibt es bei mir nicht mehr. Ich antworte nur noch pauschal: "Stell die relevanten Punkte zusammen und ich schaue es mir nachher an." Und ja, klar können wir "mal eben" darüber reden - um 16:30 Uhr nehme ich mir Zeit dafür. Vorher nutze ich meine beste Zeit um meine Arbeit zu machen.

Und siehe da, plötzlich wurden die Fragen weniger, weil das "relevante Punkte zusammenstellen" meistens dazu führt, dass man selber nachdenken und seine Gedanken sortieren muss. Nicht selten erledigt sich damit so manche Frage oder gar ganze Gesprächsrunden.

Das Geheimnis im Kampf gegen den Zeitdiebstahl besteht letztlich darin, sich selbst klar zu werden, was eigentlich wichtig ist. Sich selbst einen Zeitplan zu erstellen und sich auch selbst daran zu halten. Gerade bei Bildschirmarbeit sind Skype, Facebook und News nur einen Klick entfernt und machen sich oft penetrant in Form von Pop-ups bemerkbar. Dann heißt es Disziplin! Die vorgegebenen Ziele verfolgen! Wenn ich am Vormittag einen Artikel von 10.000 Zeichen schreiben soll, dann wird eben der Artikel geschrieben. Muss ich dafür etwas recherchieren und stolpere dabei über interessante Artikel zu anderen Themen, dann speichere ich mir ein Lesezeichen - aber gelesen werden sie hinterher, wenn ich fertig bin mit meiner Arbeit.

Als Selbständiger ist das manchmal nicht ganz einfach. Denn meist ist man sein eigener Chef geworden, weil man nicht nach der Pfeife eines anderen Chefs tanzen möchte. Doch dabei darf man dieses kleine Wörtchen "Chef" nicht übersehen. Wenn ich selbst mein eigener Chef bin, dann muss ich mir nicht nur selbst meine Anweisungen erteilen, ich muss sie auch selbst befolgen. Ich bin mein eigener Chef - der gibt vor, was zu tun ist - und das hat Priorität. Allen anderen Verlockungen muss ich als Selbständiger ebenso widerstehen wie ich es auch von allen meinen Partnern und Mitarbeiten erwarte. Zuerst kommen die vorgenommenen Aufgaben - erst danach die vielen kleinen "mal eben". Und siehe da: plötzlich klappt's auch mit der Zeit...