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29. Oktober 2013

Freundschaft ist…

….wenn du nicht in meinem Handy schnüffelst, meint Tom Borg

Menschen die alles unter Kontrolle haben wollen, haben in der Regel am wenigsten sich selbst unter Kontrolle. Sie zweifeln an sich und der Welt, vor allem aber an sich selbst, ob sie das nun zugeben oder nicht. Hält der Freund wirklich zu mir?

Wenn Regierungen die Regierungen befreundeter Staaten ausspionieren und deren Handys abhören, dann ist das so als würde jemand in der Handtasche einer Frau herumwühlen. Ein absolutes No Go und garantierter Freundschaftskiller für jede Frau, die ihren "portablen Gemischtwarenladen" als persönliches Heiligtum betrachtet.

So wie beim Durchwühlen einer Handtasche gibt auch das Ausspionieren eines Handys nicht nur einiges über die Besitzer preis, sondern sagt auch einiges aus über den Bösewicht, der sich daran vergreift. Denn Menschen haben nun einmal kleine Geheimnisse und das Privileg einer Freundschaft ist, dass man an einigen davon teilhaben darf. Reicht einem der Freunde dies nicht aus, dann zeigt das relativ deutlich, dass die Freundschaft weniger zählt als die Kontrolle. Das alles wissen wollen über den anderen zeigt immer auch eine Schwäche des Wissbegierigen auf.

Menschen die alles unter Kontrolle haben wollen, haben in der Regel am wenigsten sich selbst unter Kontrolle. Sie zweifeln an sich und der Welt, vor allem aber an sich selbst, ob sie das nun zugeben oder nicht. Hält der Freund wirklich zu mir? Mit wem trifft sich mein Freund, wenn wir nicht Zeit miteinander verbringen? In diesen Fragen spiegelt sich immer wieder die Angst, den Freund zu verlieren oder andere Einschränkungen oder Verluste hinnehmen zu müssen.

Doch in einer Freundschaft wie auch in der Liebe muss es Vertrauen geben, die Freiheit des anderen, auch einmal etwas alleine oder mit anderen tun zu dürfen, ohne dass der Freund oder Partner sofort eifersüchtig das Ende der Beziehung befürchtet. Bei Staaten ist das nicht viel anders. Wie in einer Freundschaft zwischen einfachen Menschen ist eine Freundschaft zwischen Staaten etwas, das gewachsen ist, gemeinsame Interessen, Verständnis für einander - und auch Vertrauen darauf, dass beide Seiten die Freundschaft leben und auf unbestimmte Zeit gemeinschaftlich durchs Leben gehen wollen - in guten wie in schlechten Zeiten. Das Vertrauen darauf ist ein Teil der Werte, die eine Freundschaft ausmachen, wie auch die Einsicht, dass manchmal Freundschaften in die Brüche gehen, aber das Leben dennoch weiter geht.

Wer dieses Abenteuer Freundschaft durch Kontrolle in die für ihn genehmen Bahnen drängen möchte, den interessiert in Wirklichkeit nicht die Freundschaft, sondern der eigene Vorteil, den er aus der Freundschaft zieht, ganz gleich, wie auch immer dieser Vorteil aussehen mag. Nicht anders ist es auch bei Staaten.


Gehalt staatlicher Freundschaft


Wenn wir uns heute darüber aufregen, dass befreundete Staaten uns ausspionieren, allen voran die USA, dann verkennen wir einfach den Gehalt der Freundschaft, der auf staatlicher Ebene schlichtweg darin bestand, dass jeder versuchte, durch geschicktes Einbinden des anderen seinem eigenen Volk einen Vorteil zu verschaffen oder zu erhalten; wirtschaftliche Entwicklungen voranzutreiben oder technologische Vorsprünge zu erhalten. Das ist nicht neu und die deutschen Nachrichtendienste machen es wohl auch nicht viel anders. Es geht einfach um viel zu viel Geld und Macht als dass irgendwer das alles dem fragilen Gebilde einer Freundschaft überlassen würde.

Zumal die deutsch-amerikanische Freundschaft schon immer etwas seltsam war. In den früheren Jahrhunderten war sie geprägt vom "American way of life" dem amerikanischen Traum des Tellerwäschers, der es zum Millionär bringt. Doch spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg war es wohl eher eine deutsche Mitläuferschaft, denn eine gleichberechtigte Freundschaft. Zu groß, zu übermächtig war die Supermacht USA, als dass da eine echte Freundschaft entstehen konnte, wenngleich das sicherlich bei einigen Bürgern zutrifft, die enge Kontakte miteinander geknüpft haben und in Freundschaft mit einander verbunden sind.

Doch hat dabei die USA ein Problem mit sich selbst, was sie langsam aber sicher auch zu erkennen scheint. Auch Spitzenpolitikern dämmert so langsam, dass die NSA völlig außer Kontrolle geraten und ein Staat im Staate ist. Eigentlich wäre als Steigerung des "Merkel-Gate" ein "Obama-Gate" längst überfällig. Oder glaubt der angeblich mächtigste Mann der Welt wirklich ernsthaft daran, dass ihn definitiv niemand aus den Reihen seiner eigenen Sicherheitsdienste abhört? Die NSA hört die ganze Welt ab, alles was das Wohl der USA beeinflussen könnte wird ausspioniert - und ausgerechnet das größte Sicherheitsrisiko, der Mann im Weißen Haus an den Hebeln der Macht, wird nicht überwacht? Wenn Barack Obama das wirklich glaubt, sollte er wegen erwiesener Unfähigkeit sich sofort einen anderen Job suchen. Viel zu viele Milliarden-Töpfe hängen von seinen Entscheidungen ab, viel zu viele Interessengruppen, die nicht einmal vor einem Shutdown des Staates zurückschrecken, werden durch seine Politik beeinflusst. Und die sollen sich wirklich alle an die Spielregeln halten- inklusive NSA & Co.?


Strippenzieher im Hintergrund


Nein, ein "Obama-Gate" ist längst überfällig. Und wenn man bedenkt, dass die Schnüffler selbst für die Sicherheit des Präsidenten (mit)verantwortlich sind, kann man eigentlich ruhigen Gewissens sein letztes Hemd darauf verwetten, dass alle Präsidenten der letzten Jahrzehnte systematisch von NSA & Co. überwacht wurden - in des Wortes aller Sinne.

Vielleicht weiß Barack Obama wirklich nichts von den Details; vermutlich will er es auch gar nicht wissen, um es jederzeit glaubhaft abstreiten zu können. Vielleicht ist der Mann aber auch einfach viel zu intelligent um die Details zu hinterfragen, weil er tief in seinem Innersten verstanden hat, dass er nicht einverstanden wäre mit dem was er erfahren würde, aber sich auch bewusst ist, dass er nichts dagegen ausrichten könnte. Die Macht der Geld- und Sicherheitszentren ist einfach zu groß, erst recht in einem Land wie den USA. Der "Yes we can" Obama wurde längst von den Strippenziehern im Hintergrund auf ein erträgliches Maß zurechtgestutzt. Nicht einmal das Gefangenenlager Guantánamo hat er schließen können, obwohl es eines seiner Wahlversprechen im Jahr 2008 war. Er ist einfach machtlos, machtlos gegenüber einer vom Kapital gesteuerten Politik- und Militärelite die einfach tut was sie will ohne lange zu fragen, ob sie das darf.

Für Freundschaft ist da nicht viel Platz. Bei Geld hört die Freundschaft auf, sagt der Volksmund. Und um Geld dreht sich alles in den USA - beim Tellerwäscher wie auch bei den Milliardären. Ohne Geld geht in den USA nichts, und mit Geld geht alles nach den Interessen des Geldes. Das musste auch Barack Obama erkennen, als er fassungslos mit ansehen musste, wie ihm die Parlamentarier den Regierungs-Shutdown vorsetzten. Nur wir (dummen?) Deutschen glauben da noch an sowas wie Freundschaft. Doch wie soll es Freundschaft zwischen den Gefühlen von Menschen und den Bilanzen des Kapitals geben? Das funktioniert ja nicht einmal hierzulande, warum erwarten wir es auf der anderen Seite des Atlantiks?

"Merkel-Gate" ist da zweifelsohne nur die Spitze des Eisbergs. Sowohl was den Umfang des Ausspionierens anbetrifft, als auch die bröckelnden Illusionen über Werte wie Freundschaft und Vertrauen zwischen Völker und Staaten.

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.