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16. Juli 2014

Teenie-Mütter

Kinder mit Kinder haben es nicht leicht, meint Sarah Walter

Es ist ein durchaus gewohntes Bild: Junge Mädchen im Alter um die 16 Jahren laufen durch die Straßen mit einem Kinderwagen. Es sind nicht ihre Geschwister, die sie durch die Stadt schieben, es sind ihre eigenen Kinder. Oft haben sie nicht einmal die Schule beendet bzw. haben keinen richtigen Schulabschluss geschafft.

Solche Schwangerschaften waren meistens nicht geplant, denn in unserer Gesellschaft wird so etwas eher abgelehnt. Schließlich verbaut ein frühzeitiges Kind den Eltern die Zukunft - das Leben ist vorgeplant bis weit hinaus über das Anfangshandicap Windeln wechseln, statt feiern gehen. Aber ist eine frühe Schwangerschaft, wirklich etwas Schlechtes oder macht nur die Gesellschaft es zu einem Skandal?

In Afrika ist es beispielsweise hoch angesehen, wenn man viele Kinder hat. Also kann man gar nicht früh genug anfangen, welche zu bekommen. Viele Kinder symbolisieren dort Reichtum, da man somit verdeutlicht, dass man das nötige Geld dazu hat, alle zu ernähren, auch wenn dies immer seltener zutrifft. Doch das war auch mal das gleiche mit dem Gewicht. Früher galt man als wohlhabend, wenn man etwas mehr Speck auf den Rippen hatte. Die Schlanken zeigten mit ihrer dünnen Statur, dass sie in Armut lebten, da sie sich nicht genug zu essen kaufen konnten.

Heute ist es anders: Übergewicht deutet auf Fehlernährung hin und lässt somit darauf schließen, dass man sich keine gute und ausgewogene Ernährung leisten kann und ist dadurch für viele gesellschaftlich etwas niedergestellter. Ähnlich ist es auch mit den Kindern: wenige Kinder werden hier lieber gesehen als Großfamilien. Heute sind viele Kinder kein Beweis mehr für Reichtum, denn schließlich gibt es hier Kindergeld und falls das nicht reicht, kann man noch Sozialleistungen beziehen.

Aber was ist der Grund, warum Schwangerschaften im Teenie-Alter meist auf Ablehnung treffen? Allein schon beim Thema Sozialleistungen kommt es zu vielen Diskussionen. Der deutsche Steuerzahler meint, sich als Opfer bezeichnen zu können. Weil: ohne Schulabschluss - aufgrund einer Schwangerschaft - keine Ausbildung und mit diesen Voraussetzungen gibt es auch keinen Arbeitsplatz. Es muss zwar nicht immer sein, dass man keinen Schulabschluss hat, aber im Alter von 16 hat man garantiert noch keine Ausbildung abgeschlossen, geschweige denn überhaupt einen Job. Und da man als schwangerer Teenager sowieso keinen Job bekommt, endet es meist damit, dass man auf den Staat angewiesen ist. Das Problem? Die Steuergelder kommen von den Steuerzahlern und nur zahlt keiner gerne Steuern - und schon gar nicht für Verwendungszwecke, die er missbilligt.

Gefangen im Dickicht der Vorteile

Ich kenne beispielsweise ein 16 Jahre altes Mädchen. Sie gerade ihren Realschulabschluss gemacht und ist momentan im fünften Monat schwanger. Eine Ausbildung hat sie noch nicht. Sie veröffentlichte von ihrem Schwangerschaftsbauch ein Foto auf Facebook. Die Kommentare waren sehr zwiespältig: entweder waren es Glückwünsche - die aber von Schülern kamen, die sich anscheinend nicht über die Konsequenzen im Klaren waren oder Frauen, die selber ihr Kind schon mit 16 bekommen haben - oder eben negative Bemerkungen. Da las ich den Kommentar einer Frau, die meinte, dass sich das Mädchen gar nicht darüber freuen sollte, so jung ein Kind zu erwarten und begründete es damit, dass der Steuerzahler alles finanzieren muss, aufgrund des fehlenden Jobs. Ironischer Weise war die Frau selber schwanger.

Letztendlich verteidigte sich das Mädchen, indem sie sagte, dass sie einen genauen Plan habe und nach der Schangerschaft und den ersten Monaten des Mutterseins, eine Ausbildung beginnen möchte.

Und genau das hat mich auch auf diesen Gedanken gebracht. Warum ist es denn schlecht, wenn man früh Kinder bekommt? Man ist zwar jung, aber man kann doch alles nachholen oder nicht? Zudem ist das Alter doch eigentlich irrelevant, denn egal wenn man 16, 25 oder 30 ist: in der Zeit der Schwangerschaft fällt man so oder so für viele Tätigkeiten wie z.B. für den Beruf aus. Und wozu gibt es sonst das Mutterschutzgesetz?

Lediglich die Gesellschaft macht es zu einem Problem, denn ihr fehlt die Toleranz für bestimmte Lebensmodelle. Vorurteile prägen und sorgen dafür, dass viele gar nicht erst darüber nachdenken, da das angeblich "Richtige" schon vorgegeben ist. Vielleicht sollten viele mal ihren dicken Mantel der vorgefassten Meinung ablegen und das Kleid des Verständnisses und der Toleranz anziehen - es lässt einen nicht nur leichter durchs Leben gehen, sondern macht anderen auch das Leben leichter.