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24. November 2015

Digital Natives

Oder doch eher Digital Dummies?, hinterfragt Tom Borg

Eine Studie der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass ein Drittel der befragten Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren beim Benutzen der Suchmaschine Google nicht zwischen Suchergebnissen und geschalteter Werbung unterscheiden konnte. Mutiert unsere heutige Daddel-Generation zur ökonomischen Verfügungsmasse einiger Weniger?

Eine Studie der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom (PDF) kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass ein Drittel der befragten Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren beim Benutzen der Suchmaschine Google nicht zwischen Suchergebnissen und geschalteter Werbung unterscheiden konnte. Was auf den ersten Blick verwunderlich erscheint, ist letztlich jedoch nur ein sich beständig verstärkender Trend.

Mir als Digital Oldie fällt schon seit Jahren auf, dass ein wachsender Unterschied zwischen den Digital Natives und meiner Generationen der Digital Pioniers zu erkennen ist. Als Anfang der 1980er Jahre die ersten Micro-Computer aufkamen, war dies Neuland für uns, eine neue Technologie, ja, eine komplett neue Welt, die es zuvor nicht gab. Diese Welt wollte erkundet werden, erobert. Heerscharen von Kids stürzten sich auf Basic, der damals vorherrschenden Programmiersprache, und versuchten, den neuen Wunderkisten irgendwelche Funktionen einzuprogrammieren. Wir wollten diese Geräte beherrschen, ihnen vorgeben, was sie tun sollen, denn selbst die Anwendungsmöglichkeiten mussten damals ja erst ausgelotet werden.

Heute sind Computer und Tablets allgegenwärtig. Es gibt mehr kostenlose Programme aus dem Internet herunterzuladen als man letztlich wirklich ausprobieren oder gar regelmäßig benutzen kann. Und damit ist auch das magische Stichwort gefallen: benutzen. Heutzutage benutzen wir diese Geräte. Aber wir versuchen immer seltener zu verstehen warum sie überhaupt funktionieren und wie man selbst seine eigenen Vorstellungen in Form von Anwendungen realisieren kann.

Der Forscherdrang ist abhanden gekommen. Unsere Digital Natives, die mit Tablets, Smartphones und Internet aufwachsen, nutzen diese Geräte für ihre naheliegenden Interessen oder machen die Möglichkeiten der Geräte zu ihrem Interesse. Damit reduziert sich das Interesse an der Technik und ihre Möglichkeiten auf das, was die Geräte anbieten. Man nutzt sie einfach - vorwiegend für soziale Netzwerke und Kommunikation aber auch Anwendungen für Schule und Beruf. Aber immer weniger Menschen sind in der Lage, eigene Programme zu entwickeln.


Nutzen ohne Wissen


Keine Frage, die heutige Generation kommt hervorragend mit den neuen Geräten klar. Tablets und Smartphones gehören zu den Selbstverständlichkeiten ihres Lebens. Doch die übliche Anwendung der Geräte gleicht eher einem Tunnelblick: Man nutzt einige wenige Funktionen und für den Rest interessiert man sich nicht mehr. Wozu auch, es funktioniert ja alles wie gewünscht…

Dass dabei auch Online-Werbung immer weniger als solche erkannt wird, ist erschreckend. Nur ein Drittel der Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren konnten in der Studie der britischen Ofcom beim Blick auf die ersten Suchergebnisse korrekt zwischen Suchergebnis und Werbung unterscheiden. Bei den 8 bis 11-jährigen schafften es sogar nur noch ein Fünftel der Befragten.

Parallel dazu hinterfragen nur noch die Hälfte der Jugendlichen den Wahrheitsgehalt der Google-Suchergebnisse, während die andere Hälfte nicht weiter auf die Vertrauenswürdigkeit der Seiten achtet. Gleichzeitig vertrauen auch immer mehr darauf, dass die im Netz präsentierten Informationen tatsächlich wahr sind. Mit der Realität im digitalen Raum hat das aber immer weniger zu tun.

Damit muss man sich zwangsläufig von der Vorstellung verabschieden, dass Digital Natives, die mit der modernen Technik aufgewachsen sind, für die Funktionsweise und Strukturen der digitalen Welt ein deutlich besser ausgeprägtes Verständnis haben als meine Digital Pionier Generation.

Keine Frage, Jugendliche können hervorragend mit Tablets und Smartphones umgehen. Beim Versenden von Nachrichten und dem Stöbern in sozialen Netzwerken schlagen sie mich locker in der schnellen Bedienung der Geräte. Schließlich verbringen 8 bis 15-jährige pro Woche zwischen 11 und 19 Stunden online - und den Internetanschluss gibt es dank WLAN immer häufiger auch direkt im Kinderzimmer. Somit ist das Internet eine natürliche Umgebung für die junge Generation und das Bedienen von Tablets eine Basisfähigkeit. Doch das Verständnis für die technischen, wirtschaftlichen und vor allem sozialen Zusammenhänge schrumpft erschreckend stark. Und das entwickelt sich zu einem ernstzunehmenden sozialen Problem. Denn die Internet-Giganten und Medienkonzerne erkennen all diese Zusammenhänge immer schneller und besser und nutzen dieses Wissen zu ihrem Vorteil. Da mutiert unsere heutige Daddel-Generation zur ökonomischen Verfügungsmasse einiger Weniger.