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01. Juli 2014

Kinder wie Kinder behandeln?

Wer will schon klein sein?, fragt Sarah Walter

Kinder werden aufgrund ihres geringen Alters sowie ihrer Größe oft auch entsprechend anders behandeln als Erwachsene. Zum Reden beugen sich viele zu ihnen nieder, des Verständnis wegen sprechen wir in einer etwas einfacheren Sprache und vor allem: wir behandeln Kinder wie Kinder. Doch wollen sie das auch?

Kinder benehmen sich wie solche: sie spielen, toben, suchen nach Süßigkeiten und erforschen neugierig die Welt - aber wie eins behandelt werden das wollen die wenigsten.

Sieht man ein kleines, süßes Kind, denkt man meistens "oh wie niedlich und süß!" und man sagt es dann auch. Fünfjährigen scheint so etwas egal zu sein, aber bei einem Zehnjährigen ist es schon ein bisschen anders. Wechselt man nach der Grundschule in die fünfte Klasse der weiterführenden Schule, trifft man auch auf wesentlich ältere Schüler. Früher oder später ist man den guten oder schlechten Kommentaren ausgesetzt. Entweder hört man ein "Oh wie süß, kleine Kinder!" oder ein "Oh Mann, die Kleinkinder sind wieder hier". Letzterer ist offensichtlich negativ, aber betrachtet man den ersten Kommentar, ist der eigentlich lieb gemeint. Allerdings interessiert es die meisten Kinder nicht. Sie hassen es, als klein bezeichnet zu werden, süß zu sein gibt einem noch den Rest - egal ob man es nett meint oder nicht. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Damals in der fünften Klasse haben meine Klassenkameraden und ich es zu tiefst gehasst, so genannt zu werden. Wir wollten den Tatsachen eben nicht ins Auge blicken, dass wir es eigentlich doch sind.

Heute werde ich vielleicht nicht mehr übertrieben verniedlicht, trotzdem denke ich, dass ich für viele meines Alters spreche, wenn ich behaupte, dass wir aufgrund unseres jungen Alters oft unterschätzt werden und wir auch oft nicht den nötigen Respekt bekommen. Klar, es ist verständlich, dass man als Jugendlicher normalerweise nicht das Recht hat, über einen Erwachsenen zu bestimmen. Aber einen mal ausreden lassen ist doch wohl nicht zu viel verlangt oder? Manchmal scheint es mir, als ob das, was wir sagen wollen für manche Erwachsene keine Relevanz hat, schließlich sind wir ja noch Kinder. Wenn man einem Erwachsenen ins Wort fällt, bekommt man sofort Ärger - unterbricht ein Erwachsener einen, scheint das wohl okay zu sein.

Soll man Kinder wirklich immer wie Kinder behandeln? Streng genommen bin ich zwar auch noch ein Kind, da ich noch nicht volljährig bin, aber habe ich somit kein Recht auf etwas Respekt oder wenigstens ein Recht, so behandelt zu werden, als sei man nicht minderwertig? Schließlich hat man doch die Menschenrechte von Geburt an und das beinhaltet unter anderem Redefreiheit.

Schließlich sagte Jesus doch auch einmal: "Geht so mit den Menschen um, wie ihr selbst behandelt werden möchtet." Hat dies keine Bedeutung, wenn es um Kinder geht? Oder sind Erwachsene grundsätzlich der Meinung, dass Kinder und Jugendliche noch keine echten Menschen sind….?