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28. Juli 2014

Frühkindliche Bildung

Eine frühkindliche Indoktrinierung befürchtet Tom Borg

Die Kita als Hort frühkindlicher Bildung? Das ist eine Förderung, vor der mir graut. Spätestens wenn ich mir bewusst mache, wie das politisch Korrekte in die Kita-Erziehung reingedrückt wird. Kinder lernen in der Kita ja nicht nur Lesen und Schreiben oder entdecken neue Welten. Sie lernen soziale Werte, die nicht jedes Elternpaar in der Form unterstützt.

In Deutschland haben Eltern die Erziehungshoheit - und das ist gut so. Eltern sind für Kinder die wichtigste Bezugsperson. Sie vermitteln soziale Werte und begleiten Kinder auf dem Weg zum Erwachsenen. Und das gut so. Erst recht, wenn man über den pädagogischen Tellerrand schaut und sieht, was in anderen Ländern passiert, mit denen Deutschland ungern in einem Topf geworfen werden möchte.

Ich selbst wohne aktuell in einem Land wo das Bildungssystem die Kinder regelrecht kaputt macht - zumindest wenn man deutsche Maßstäbe anlegt. Wenn ich mir ansehe, was meiner knapp dreijährigen Tochter in der Vorschule zugemutet wird, dann stehen selbst mir als Nicht-Pädagoge die Haare zu Berge. In Deutschland würden die hiesigen Vorschullehrer mit lebenslangem Berufsverbot belegt und mit Schimpf und Schande davongejagt.

Warum? Weil sie ein sinnloses Programm abspulen, das die Kinder weder verstehen noch wirklich lernen können. Auch ich als Erwachsener hatte in der ersten Stunde nicht den Hauch einer Chance, mir zumindest ein Drittel des maschinengewehrartig vorgetragenen Pensums zu merken. Da ratterten in 15 Minuten 3 Lieder durch, ein Bibelgebet, gut ein Dutzend Farben und Formen - und das alles in englischer Sprache, die für die Kinder eine Fremdsprache ist, die sie zuhause nicht sprechen. Was ist also ein hochgehaltenes rotes Quadrat: eine Form, eine Farbe oder was auch immer? Keine Ahnung! Wie sollten die Kleinen auch wissen, worum es geht.

Klar, in Deutschland ist das alles anders. Aber es geht hier ums Prinzip, um die Konsequenz. Denn am Ende lernen die Kinder von ihrer Umgebung, wachsen am Vorbild. Stimmt dieses Vorbild nicht, geht auch die Entwicklung in die falsche Richtung. Kommen Lehrer zu einer täglich anderen unpünktlichen Zeit, kann man nicht erwarten, dass Kinder Pünktlichkeit lernen. Soll man brav "Rechteck rot" sagen, wenn die Lehrerin ein solches hochhält, dann kann man zwar diesen Satz aufsagen, aber weiß trotzdem nicht was rot oder ein Rechteck ist. Man gleicht sich dem allgemeinen Trott an, sei er nun gut oder schlecht für die Entwicklung. Deshalb graut es mir bereits vor der ersten Klasse, ab der Kinder ganztags in die Schule müssen, aber letztlich trotzdem nicht mehr lernen als deutsche Kinder. Es ist halt nur deutlich viel mehr Leerlauf im Tag, Leerlauf, der hier das alltägliche Leben prägt. Die Kinder gewöhnen sich bereits in der Vorschule daran und vermissen für den Rest ihres Lebens nichts mehr, weil sie es nicht anders kennen.


Schlechte Angewohnheiten


"Nicht anders kennen" ist das Stichwort das mir ins Auge springt, wenn ich aktuelle Meldungen über Betreuungsgeld und Kitas lese. Da wird beklagt, dass speziell sozial benachteiligte Familien kein staatliches Angebot frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu nutzen. Da frage ich mich: braucht man das denn heutzutage? Ich fürchte ja, aus den unterschiedlichsten Gründen.

Im Fall von "sozial benachteiligte Familien", denen man salopp die Kompetenz zur Kindererziehung abspricht, mag es vielleicht noch angehen. Aber für die Mutter, die selbst über eine gute Bildung verfügt und sich bewusst für die Selbstbetreuung entscheidet, kann das so nicht gelten. Und dennoch ist es ein politisches Ziel, dass möglichst alle Kinder frühzeitig in das staatliche Bildungssystem integriert werden. Das warum, ist mir inzwischen klarer als je zuvor. Vielleicht muss man tatsächlich erst ins Ausland gehen um an den dortigen Missständen zu erkennen, dass die heimischen Verhältnisse letztlich nicht viel anders sind.

Die Kita als Hort frühkindlicher Bildung? Das ist eine Förderung, vor der mir graut. Spätestens wenn ich mir bewusst mache, wie das politisch Korrekte in die Inhalte der Kita-Erziehung reingedrückt wird. Kinder lernen in der Kita ja nicht nur Lesen und Schreiben oder entdecken neue Welten. Nein, sie lernen auch das Alltägliche durch das Vorbild der Kita-Betreuer, so wie das Kita-Umfeld die Familien-Gemeinschaft ersetzt. Natürlich nicht mit dem Holzhammer, sondern schleichend. Unmerklich werden einem die eigenen Kinder fremd. Sie lernen soziale Werte, die nicht jedes Elternpaar in der Form unterstützt. Durch die Gewöhnung, nehmen die Kinder dennoch das Vorbild an - und entwickeln sich weg von dem was in der Familie vorherrscht.

Das ist natürlich kein krasses Umschalten, sondern ein unbewusster Prozess, den man als Elternpaar erst dann bemerkt, wenn es zu spät ist, wenn das Kind so deutlich andere Verhaltensweisen zeigen, dass die Eltern sich für ihre Art zu leben, entschuldigen müssen.


Kinder für den Staat


Kita, die Kindertagesstätte, sollte ein Angebot zur Kinderbetreuung sein für Eltern, die aus welchen Gründen auch immer, sich tagsüber nicht selbst um die Kinder kümmern können. Die Kita sollte aber nicht die Eltern ersetzen, indem sie den Kindern fundamentale Werte einimpft, die dem Erziehungsweg der Eltern wiedersprechen. Schließlich haben die Eltern das Vorrecht zur Erziehung ihrer Kinder.

In das Vorrecht zur Erziehung des Kindes greift der Staat ein, indem er sicherstellt, dass Kinder eine allgemeine Schuldbildung erhalten, die ihnen ermöglicht, aktiv am sozialen Leben der Gesellschaft teilzunehmen. Doch Schule ist längst mehr. Schule ist die Kaderschmiede der Industrie und Wirtschaft. Kinder lernen bereits in der Schule für das spätere Berufsleben - und nicht nur fürs Leben allgemein.

Die Lerninhalte werden durch politisch gesteuerte Organe, Behörden und Kultusministerkonferenzen vorgegeben, auf die der normale Bürger kaum noch einwirken kann. Ja, nicht einmal die Politik ist sich einig. Aber die Zukunft unserer wollen alle nach ihrem Gusto gestalten, weil die in der Kindheit eingeimpften Werte und Verhaltensmuster prägend für das ganze Leben sind.

Da schleichen sich Gender-Mainstreaming und Religion in Kindergarten und Vorschule und beeinflussen die (wehrlosen) Kinder in einer Art und Weise, die Eltern nicht immer gutheißen würden. Spätestens durch die Schulpflicht verlieren sie aber einen nicht unerheblichen Teil der Einflussmöglichkeiten.

Die Kindertagesstätte, in der die Kinder sich dem Namen entsprechend den ganzen Tag über aufhalten, hat einen noch viel größeren Einfluss auf die Kinder, da die Kinder noch viel jünger sind, leichter zu prägen und zu formen.

Da klingeln bei mir sämtliche Alarmglocken, wenn ich sehe, dass es in gewissen politischen Kreisen offensichtlich ein Herzenswunsch ist, die Kinder möglichst flächendeckend in eine Kita zu stecken - und damit de facto den Eltern 50% ihrer Einflussmöglichkeiten zu entziehen, also rein zeitlich gesehen.

Das Vorrecht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder wird über Kitas quasi aufgeweicht. Bei allen Vorteilen, die frühkindliche Bildung bietet: sie beinhaltet auch die Gefahr der staatlich gelenkten Werteindoktrinierung. Der Staat erzieht sich die Kinder so, wie er sie braucht? Die Inhalte der frühkindlichen Erziehung orientieren sich an dem was Politik und Wirtschaft für sinnvoll halten; Kinder werden geformt und nicht ihren Talenten entsprechend gefördert. Der Staat braucht keine vorwitzigen Querdenker, die geistigen Sand ins Getriebe streuen, sondern gefügige Rädchen, die sich zuverlässig drehen - immer im Takt der jeweiligen Machthaber.

Bin ich jetzt ein gewissenloser Rabenvater wenn ich anmerke, dass mir meine Tochter dafür zu schade ist? Dass ich ihr lieber einen Werte-Rahmen vermittele, den sie beachtet, wenn sie ihre Talente entwickelt, ist nicht jedem Politiker recht. Doch ich halte es da lieber mit Victor Frederick Weisskopf: "Wissen ohne Gewissen wird zur größten Gefahr für die Menschen." Und die Vermittlung der Feinheiten des Gewissens möchte ich nicht einer politisch gesteuerten Kita überlassen.