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05. März 2012

Alleinleben als neue Lebensform

Oder Weg in die Einsamkeit, fragt sich Tom Borg

Während Männer häufiger in jüngeren Jahren alleine leben, bevorzugen Frauen im fortgeschrittenen Alter häufiger das Alleinleben. Insbesondere bei Frauen scheint das Leben als Single karrierefördernd zu sein. Überhaupt hat die Emanzipation der Frau, ihre zunehmende Berufstätigkeit und ihr wachsendes Selbstbewusstsein das Singleleben für Frauen erst ermöglicht.

Mit zunehmender Liberalisierung der Sexualmoral, wurde es in den vergangenen Jahrzehnten immer leichter, den Weg des Alleinlebens einzuschlagen. Die Kirchen, die außereheliche Beziehungen bis heute ablehnen, werden in zunehmend unbedeutender und auch der steigende Wohlstand ermöglichte breiten Schichten, diese Lebensform in Betracht zu ziehen.

Die Ehe wird zunehmend für viele Menschen unattraktiv. Die wachsenden Scheidungsraten, insbesondere in Großstädten zeigen, dass die traditionelle Familie vielfach nicht mehr funktioniert.

Im Alleinleben sehen immer mehr Menschen, viele sicherlich auch nur zeitweise, eine Alternative. Viele Menschen möchten ihr Leben nicht mehr wie ihre Eltern in Kleinfamilien zu verbringen, sondern ihr Leben selbst in die Hand nehmen, selbst gestalten – ohne dabei auf Partner Rücksicht nehmen zu müssen. Was aber natürlich nicht heißt, dass man deshalb auf eine Beziehung verzichten muss. 50-75% aller Alleinlebenden führen eine feste Partnerschaft – mit getrennten Wohnungen.

Auch die Wirtschaft hat sich auf die zunehmende Anzahl Alleinlebender einstellt. Zum einen ermöglichen die verlängerten Öffnungszeiten auch dem alleinlebenden Berufstätigen angenehm einkaufen zu gehen, zum anderen gibt es vermehrt Urlaubsangebote für Alleinreisende, die Anzahl der 1-2 Zimmer Appartements nimmt zu und es gibt immer mehr kleinere Verkaufsgrößen bei Lebensmittel, denn der Alleinlebende braucht nicht nur zahlenmäßig weniger, er speist auch deutlich öfter auswärts, denn Untersuchungen zufolge finden sich viele Alleinlebende in hochqualifizierten Berufen. Menschen, die in ihrem Beruf aufgehen, einen großen Bekannten- und Freundeskreis haben – und das nötige Einkommen, um diese Form des Lebens auch zu genießen.

In Untersuchungen fällt immer wieder auf, dass die Verteilung der Alleinlebenden vom Geschlecht abhängig ist. Während Männer häufiger in jüngeren Jahren alleine leben, bevorzugen Frauen im fortgeschrittenen Alter häufiger das Alleinleben.

Insbesondere bei Frauen scheint das Leben als Single karrierefördernd zu sein. Überhaupt hat die Emanzipation der Frau, ihre zunehmende Berufstätigkeit und ihr wachsendes Selbstbewusstsein das Singleleben für Frauen erst ermöglicht.

Auch die Fortschritte in der Technik erleichtern die problemlose Haushaltsführung neben dem Beruf; Waschmaschine, Staubsauger und Mikrowellen machen die Rollenaufteilung in Hausfrau/mann und berufstätige(n) Geldverdiener(in) überflüssig.

Generell leben heute mehr ältere Menschen (freiwillig) alleine als noch vor ein bzw. zwei Generationen. Als Ursache wird meist die höhere Lebenserwartung der Alten und deren zunehmend bessere finanzielle Situation gesehen.

Aber auch moderne Technik erleichtert älteren Menschen, ihren Haushalt ohne fremde Hilfe zu führen und gibt ihnen damit die Freiheit zur Wahl der Lebensform – eine Wahl, die frühere Generationen nicht hatten. Ob das Ergebnis dieser Wahl mehr Lebensqualität bringt gegenüber früher wird die Zukunft zeigen müssen.