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07. September 2013

Wieviel Rente braucht ein Beamter?

Eigentlich keine, denn er bekommt Pension - spöttelt Tom Borg

Zahlungen in die Rentenversicherung sind keine Ersparnisse für seine eigene Zukunft, sondern lediglich eine Kostenbeteiligung an der allgemeinen Gegenwart. Was der einzelne Bürger schließlich ausgezahlt bekommt, entscheidet sich erst in einigen Jahren - auf Basis der verfügbaren Kapitalmasse und dem Verteilungsschlüssel, der sich aus der erbrachten (Einkommens-) Lebensleistung ergibt.

Alle Jahre wieder streitet die Nation über die Renten und deren Höhe - und generell über die Frage, wie das alles zu bezahlen sei, wo doch immer mehr Senioren von immer weniger Arbeitnehmer finanziert werden müssen. Die Schere klafft immer weiter auseinander - Jahr für Jahr. Wie soll das enden?

Eine Antwort auf die Rentenfrage ist ähnlich schwer wie die zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen. Beiden gemein ist, dass es sich um Vermögensmassen handelt, in die der normale Bürger zwangsweise einzahlt, aber nicht aber nicht ebenso selbstverständlich wieder genug herausbekommt.

Dies ist ein Resultat des sogenannten Generationenvertrags, bei dem eine Generation die vorherige(n) finanziert. Und damit sind die Zahlungen, die jeder Bürger leistet, keine Ersparnisse für seine eigene Zukunft, sondern lediglich eine Kostenbeteiligung an der allgemeinen Gegenwart.

Was der einzelne Bürger schließlich ausgezahlt bekommt, entscheidet sich erst in einigen Jahren - auf Basis der verfügbaren Kapitalmasse und dem Verteilungsschlüssel, der sich aus der erbrachten (Einkommens-) Lebensleistung ergibt.

Ungerecht? Jein! Gerecht ist es insofern, als jeder in das Rentensystem einbezahlt - Pensionäre abgesehen, denn die versteuern dafür ihre Pension. Ungerecht daran ist natürlich, dass jemand der mehr in das System eingezahlt hat, am Ende relativ gesehen weniger herausbekommt, als seine Einzahlungen eigentlich wert wären. Aber auch das ist gerecht, wenn man es so sieht, dass - zumindest in Sachen Rente - es jedem so ungerecht geht und somit alle gleich ungerecht behandelt werden.

Bei der gesetzlichen Krankenkasse ist das mit der Umlage schon deutlich schwieriger. Dank der privaten Krankenversicherung, für die man sich ab einem festgelegten Einkommen entscheiden kann, können sich besser Verdiende aus dem Umlagesystem ausklinken und bekommen dann auch eine bessere Behandlung für die Beiträge, zumindest wenn man den Werbeversprechen der privaten Krankenkassen Glauben schenkt.

Natürlich können sich auch gesetzlich Versicherte privat zusätzlich versichern, ja es wird gerade zu gefördert von Politik und Wirtschaft. Doch da fängt die ganz große Ungerechtigkeit an, denn gesetzt Krankenkasse und private Zusatzversicherung sind zusammen teurer als eine private Gesamtversicherung aus einer Hand. Ähnlich sieht es auch bei den diversen Zusatzoptionen zu Absicherung der Altersrente aus. Spätestens Seit Riester ist das Zusatzsparen in aller Munde - aber dadurch nicht sinnvoller. Klar, Sparen und Vorsorge mag immer sinnvoll sein. Doch wozu zahlt man in die gesetzlichen Versicherungen ein, wenn man sich zusätzlich noch privat absichern soll? Dann kann man sich ja gleich privat versichern! Doch genau das soll der Bürger nicht, denn er soll ja in die Umlagekasse einzahlen - und zusätzlich der Finanzwirtschaft Geld zur Verfügung stellen. Denn darauf läuft es letztlich hinaus. Für die Finanzwirtschaft ist es ein zusätzliches Geschäft - für den Sparer ein zusätzliches Risiko. Die Finanzkrisen der letzten Jahre haben so manches Ersparte kurzerhand halbiert, wenn nicht gar schlimmer. Manche Institute jammern bereits, dass sie die gegebenen Zinsversprechen nicht mehr halten können und suchen nach (legalen) Wegen aus ihren Verpflichtungen.

Leidtragender ist erneut der Bürger, der auch über seine Zusatzversicherungen weniger herausbekommt als seine Einzahlungen - zumindest gefühlt -wert wären.

An dieser Stelle kommt erneut der Wert der Umlage zum Tragen, die zumindest etwas auszahlt. Die gesetzliche Rentenkasse zahlt immer - aber manchmal halt recht wenig, während man bei privaten Geschäften durchaus auch alles verlieren kann.

Somit sollte das Rentensystem gerecht sein? Erneut jein, denn so ganz vergleichbar sind Rente und Pension nicht. Es lässt sich herrlich herumrechnen mit den beiden unterschiedlichen Systemen. Die Rente basiert auf der Einkommens-Lebensleistung, während die Pension eine Art Lohnfortzahlung ist und als solche der Besteuerung unterliegt. Da die Pension sich aber am letzten Gehalt orientiert, ist sie in der Regel deutlich höher als die durchschnittliche Lebensleistung des Rentners. Braucht ein Beamter so viel Pension? Ja, klar, rufen die Pensionäre. Schweinerei, meint so mancher Rentner.

Gerechtigkeit sieht sicherlich anders aus. Wir sollten den Mut haben, die ganzen Pensionen auf die gesetzliche Rente umzustellen und einem Beamten nicht mehr auszahlen als er auch nach dem Rentenrecht erhalten würde. Ungerecht, weil es gegen alte Verträge verstößt, gegen errungene oder ersessene Vorrechte? Die Zeiten ändern sich halt, das sollten auch Beamte und Pensionäre einsehen. Wenn schon Zwangssysteme, dann bittschön einheitliche! Am besten eine einheitliche Grundrente für jeden, denn irgendeinen Beitrag hat schließlich jeder für die Gesellschaft geleistet - selbst der verurteilte Kriminelle verschafft dem Gefängniswärter seinen Job. Wer mehr geleistet hat, nach welcher Definition auch immer - der kann dann ja aus der Rentenkasse mehr bekommen, wenn noch etwas drin ist…