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07. August 2015

Altersarmut

Sparen wird zur Zukunftslüge meint Tom Borg

Wenn Sparen als Altersvorsoge nicht mehr taugt, schlittern immer mehr Menschen ohne ausreichende Alterssicherung in die Altersarmut. Ein Prozess der kaum noch umzukehren ist

Ein Sprichwort sagt: Ein Vater kann 10 Kinder ernähren, aber 10 Kinder nicht einen Vater. Ob dies so stimmt werden wir bald herausfinden können, denn immer weniger alte Menschen sind in der Lage, ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfe zu finanzieren. Im ersten Quartal 2015 mussten bereits mehr als 1 Million Rentner eine Grundsicherung in Anspruch nehmen. Und die Anzahl derer, die ohne hinreichende Ansprüche in Rente gehen, steigt.

Zu den altbekannten Gründen, warum ältere Menschen keine ausreichende Alterssicherung haben, kommen neuerdings einige politisch gewollte hinzu: allen voran die Niedrigzinspolitik der EZB. Deutschlands Bürger, die nicht nur sprichwörtlich als Sparnation gelten, trifft das de facto zinslose Sparen ganz besonders hart. Zwar wird traditionell viel gespart in Deutschland, doch das Sparbuch wirft immer weniger Zinserträge ab.

Der Politik sind Sparer kurzfristig ein Dorn im Auge, denn sie horten das Geld anstatt es auszugeben und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Doch was soll man kaufen, wenn man aktuell keine großen Bedürfnisse hat? Man kann es allenfalls in Konsumgüter investieren, die jedoch ihrem Sinn entsprechend verbraucht werden - womit sich das vorher vorhandene Bargeld buchstäblich in Luft auflöst. Es muss wieder neu erwirtschaftet werden, was ganz im Sinne von Politik und EZB ist. Aber nicht zwangsläufig ist es auch im Sinne der Bürger, die nicht selten einen anderen Lebensentwurf haben.

Unsere Eltern und mehr noch unsere Großeltern predigten: Spare in der Zeit so hast du in der Not. Ihre Idealvorstellung vom Leben war: in jungen Jahren ranklotzen und sparen - und dann das Alter genießen. Dass so mancher Herzinfarkt dieser Strategie einen Strich durch die Rechnung machte, steht auf einem anderen Blatt, schließlich werden immer mehr Menschen immer älter - und damit zur Last für die jüngeren, die deren Rente verdienen müssen. Doch abseits der beruflichen Rente haben viele Menschen für ihr Alter vorgesorgt durch Sparen und Lebensversicherungen. Letztere sind leider auch nicht mehr das was sie einmal waren, wenn man auf die Rendite schaut. Die Finanzkrise und die weltweit niedrigen Zinsen reduzieren die Rendite der Verträge. Die Versicherer tun sich inzwischen schwer, ihre gegebenen Zusagen einzuhalten.


Unaufhaltsamer Wandel


In Zeiten des Umbruchs trifft es die Sparer besonders hart, wenn die Zinsen in den Keller gehen. Es ist zwar nur ein Faktor von vielen die Altersarmut erzeugen, aber in Deutschland ein recht gewichtiger. Natürlich könnten die Sparer ihre Strategie ändern und ihr Kapital in Aktien anlegen. Das wäre seitens Politik und Finanzmärkte auch hoch erwünscht - aber auch mit entsprechenden Risiken verbunden.

Also bleibt für viele nur der Ausweg, sich Dinge zu kaufen, die einen dauernden Wert besitzen und vielleicht später wieder versilbert werden können. Die Auswahl der soliden Werte ist dabei jedoch nicht sonderlich groß, denn selbst Gold und Diamanten sind nicht mehr das was sie vor 100 Jahren einmal waren.

Somit landet man zwangsläufig wenn auch (noch) nicht gezwungenermaßen beim Geldausgeben. Solange der private Sparer noch keine negativen Zinsen bezahlen muss, kann er sein Geld noch auf dem Sparbuch lassen, wo es zwar kaum etwas einbringt, aber auch nichts verliert - solange die Inflation nicht über den Zins steigt.

Dass auch dies alles eine Illusion sein kann haben nicht nur die Bürger der Südländer zu spüren bekommen. Auch bei uns weht der Hauch der 10% Drohung des IWF durch die Lande. Kommt die Vermögenssondersteuer irgendwann und wenn ja, aber welchen Grenzwert? Noch löst der Gedanke keine Panik aus. Aber die Meldungen darüber tragen dazu bei, dass vor allem junge Menschen immer mehr für das Heute leben und ihr verdientes Geld gleich wieder ausgeben, anstatt es auf die hohe Kante zu legen. Leben auf Pump ist In - was Staaten können, können wir Bürger auch. Nur dass wir dabei übersehen, dass die Rente zwar laut Ex-Minister Blüm sicher ist aber leider nicht immer ausreicht. Man muss etwas tun, will man im Alter nicht mittellos dastehen.

Die Politik hingegen, die das Votum der Rentner bei Wahlen fürchtet, beschwichtigt und lockt gleichzeitig mit Konzepten wie Riester-Rente, deren Sinn auch schon länger angezweifelt wird. Immer neue Modelle machen die Runde während gleichzeitig immer verlockendere Werbung die verunsicherten Bürger in Versuchung führen. In diesem Umfeld aus Ratlosigkeit und Kaufanreizen geben immer mehr Menschen mehr aus als es eigentlich klug wäre. Denn dass allein die gesetzliche Rente für die nächste Generation als Altersvorsorge ausreichen wird, bezweifeln inzwischen immer mehr Menschen - einschließlich der Politik.

So rutschen wir auch ohne besondere Notsituationen immer leichter und tiefer in die Rentenfalle die uns sichere Renten verspricht und gleichzeitig darauf hinweist, dass private Zusatzvorsorge dringend nötig sei. Für viele von uns kommen diese doppelzüngigen Mahnungen zu spät, zumal in einer Zeit, wo genügsames leben und sparen längst keine Lösung mehr sind.

Es stehen uns schlechte Zeiten ins Haus. Die Altersarmut wird ein zunehmend ernsteres Problem für unsere Gesellschaft werden - und für unsere Kinder die ihre Eltern stärker unterstützen müssen.