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15. März 2016

Sparen war gestern

Haut raus die Euros, meint Tom Borg

Im Ich-will-auch-was-haben-Europa ist solides Wirtschaften immer weniger gefragt. Hau auf die Pauke, genieß dein Leben und pfeif auf alles, das später kommt - so lautet das Motto unserer Tage. Doch wer rettet uns, wenn die Nullzinsen jetzt unsere Ersparnisse auffressen?

Als ich noch zur Schule ging und damals Urlaub in Südfrankreich machte, sagte man mir mit fast beleidigender Deutlichkeit, dass wir Deutsche bescheuert wären. Wir verstünden nichts vom Leben und wie man es genießt. Das ist nun gute 30 Jahre her - und ich fange an, den Leuten von damals recht zu geben.

Draghis Halleluja-Geldpolitik und Mutti Merkels stures "Wir schaffen das" Mantra führen uns geradewegs in die Pleite. Und das nicht weil alles schief gehen wird, sondern weil wir so stur sind, unseren Weg gegen den Strom, gegen den Geist der Zeit zu gehen.

Nur, weil andere es anders machen, muss der deutsche Weg nicht zwangsläufig falsch sein. Ist er meiner Meinung nach auch nicht. Das, was uns in die Pleite führen wird, ist die um sich greifende Vergemeinschaftung von Schulden und Pflichten. Im Ich-will-auch-was-haben-Europa ist solides Wirtschaften immer weniger gefragt. Hau auf die Pauke, genieß dein Leben und pfeif auf alles, das später kommt - so lautet das Motto unserer Tage.

Das für mich erschreckende daran ist, dass die Protagonisten dieser Lebensweise am Ende recht behalten werden. So, wie wir aktuell die Flüchtlinge aus aller Welt zu retten versuchen, so werden wir eines Tages auch die südländischen Banken und Wirtschaften retten müssen. Doch wer rettet uns, wenn die Nullzinsen jetzt unsere Ersparnisse auffressen?

Selbst wenn am Ende wider Erwarten noch etwas übrig bleiben sollte, bleibt das Geschmäckle, dass wir bedepperten Deutschen den Gürtel enger schnallen, während die Welt um uns herum das Geld mit vollen Händen ausgibt. Es war ja auch selten so billig, auf Pump zu leben. Und wie mich französische und spanische Teenager bereits vor 30 Jahre belehrten, ist es bescheuert, heute einer Party fern zu bleiben, wenn man morgen schon tot sein könnte.

Ja, Europa lebt derzeit als gäbe es kein morgen. Die EZB pumpt Geld in alle Löcher, die noch ein paar Scheinchen aufnehmen können. Doch es zeigt sich immer mehr, dass dieses Geld nicht beim Otto-Normal-Verbraucher ankommt, sondern in Aktien und sündhaft teure Immobilien oder gar wirtschaftlich sinnlose Projekte angelegt wird. Investitionen, die sich Lieschen Müller selbst bei Nullzins nicht wirklich leisten kann.


Was kommt nach?


Doch was kommt, wenn all das Geld verpulvert wurde und die Wirtschaft immer noch so vor sich hin dümpelt? Dann kippen ganze Volkswirtschaften und vor allem unsere lebenslustigen Nachbarn im Süden sind plötzlich restlos pleite. Hoffnungslos überschuldet sind sie - wie wir auch - ja heute schon. Nur die billigen Kredite verhindern den Staatsbankrott. Und natürlich die diversen Rettungsschirme, die letztlich wiederum von der Gemeinschaft, zu der wir Deutsche dummerweise auch gehören, finanziert werden müssen.

Spätestens in dem Moment rächt sich unser deutscher Sparwahn, unsere Schaffe-Schaffe-Häusle-Mentalität, die auf Altersvorsorge setzt. Wenn halb Europa in die Pleite rutscht, werden wir mit hinein rutschen. Und dann zahlen wir zum zweiten Mal, nachdem wir jetzt bereits mit Lebensqualität bezahlen, indem wir den Gürtel enger schnallen. Spareinlagensicherungen werden jetzt schon schleichend vergemeinschaftet - und Schulden sind es de facto sowieso.

In dem Moment werden wir unser ach so vorausschauendes Leben bereuen, denn wir sind dann gemeinsam mit den anderen pleite und hatten nicht einmal etwas von all dem EZB-Euro-Halleluja. Die anderen haben wenigstens ordentlich Party gemacht, während wir geschuftet haben.

Klar, in anderen Ländern wird auch gearbeitet, das ist wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal für Deutschland. Aber im Gegensatz zu Deutschland setzen andere Länder weniger auf Zukunftssicherung und genießen das Leben lieber jetzt. Wenn dereinst die Pleite kommt, dann ist man eben pleite. Dann werden alle Schulden gestrichen und das Spiel fängt von vorne an. Der Schuldenschnitt für Europa oder gar eine generelle Währungsreform wie nach den Weltkriegen wird kommen. Dann zahlt Deutschland zum zweiten Mal, weil wir zu bescheuert waren, jetzt auch alles gepumpte Geld gedankenlos rauszuhauen. Wir sparen für die Zukunft anstatt jetzt zu leben.


Wenn schon pleite, dann aber richtig!


Keine Frage: Totsparen ist genauso dumm wie alles verjubeln. Aber in einem Umfeld, wo andere lieber Schulden machen und eine EZB das Schuldenmachen geradezu erzwingen will, ist es einfach nur noch dämlich und bescheuert, wenn wir sparen. Wir sollten einfach einen drauf machen, das Leben genießen - und dann gemeinsam mit den anderen in die Pleite gehen. Dann hätten wir alle etwas vom Geld und Leben gehabt und müssten dann auch alle die Ärmel hochkrempeln wenn wir wieder neu anfangen.

Aber solange eine Hälfte von Europa immer mehr Schulden macht, ist es einfach nur noch bescheuert, wenn die andere Hälfte sich verzweifelt dagegen stemmt und den Gürtel immer enger schnallt. Es wird nichts helfen - am Ende werden alle gemeinsam die angehäuften Schulden tilgen oder löschen müssen.

EU und EZB vergemeinschaften Risiken und Schulden. Wir sollten uns an der Verschleuderung der Gelder beteiligen, solange wir noch etwas davon abbekommen können. Das ist meiner konservativen Einstellung zufolge nicht richtig, ja abgrundtief falsch. Aber alles andere wäre bescheuert. Denn am Ende werden wir die Rechnung, die Draghi, EZB und EU-Politik uns einbrocken, bezahlen müssen.

Es ist sinnlos weiter zu sparen. Unsere Ersparnisse sind weg, denn alleine schon aus Selbsterhaltungstrieb wird uns gar nichts anderes übrig bleiben, als am Ende unsere Ersparnisse mit den verschuldeten Ländern zu teilen. Also lasst uns die Euros eimerweise raushauen, solange man noch etwas dafür bekommt…

Anleihen kann man nicht essen und Aktien sind nur solange etwas wert, wie die Firmen, die sie ausgeben, etwas wert sind. In einem wirtschaftlich desaströsen Umfeld, werden eines Tages auch die Aktien in den Keller gehen. Wohlgemerkt: die Aktien - nicht die dahinter stehenden Industrien und Anlagen. Aber einige Menschen werden sich irgendwann die Aktien einfach nicht mehr leisten können, werden Geld für das tägliche Leben brauchen und mit der Differenz zwischen An- und Verkauf horrende Verluste machen. Und dann werden es auch die letzten Optimisten einsehen: unser Geld ist weg. Und wenn wir es schon verlieren, dann lasst es uns wenigstens auf eine Art und Weise verjubeln, die Spaß macht - denn der wird uns schon noch vergehen wenn das ganze Ausmaß des Desasters offenbar wird…!