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26. Juli 2014

Handelsware Fußball

Wer zahlt die Zeche?, fragt Tom Borg

Warum sollen wir Steuerzahlen den Schaden bezahlen, während "der" Fußball die dicke Kohle damit schaufelt? Randalierende Fans sind ein Problem der Vereine, der Veranstalter von Sportevents, die damit viel Geld verdiene. Warum soll der Steuerzahler Polizeieinsätze dafür bezahlen?

Mit Fußball lässt sich gutes Geld verdienen. Das wissen nicht nur die Stars, die Millionen mit Werbeverträgen verdienen, sondern auch der Fußballverband selbst. Die Verträge für die Vergabe eines Großevents wie beispielsweise einer Weltmeisterschaft regeln die wirtschaftlichen Spielregeln bis ins letzte Detail. Gewinner ist dabei immer die FIFA, der Internationale Fußballverband.

Wie weit die wirtschaftlichen Interessen reichen und wie egal der FIFA der gesunde Menschenverstand ist, zeigte jüngst die WM in Brasilien. Dort hatten die Verantwortlichen aus guten Gründen Alkoholverkauf rund um Stadien verboten - und damit die Rechnung ohne die FIFA gemacht. Denn einer der großen Sponsoren der WM ist ausgerechnet ein Bierbrauer. Und der möchte seine Produkte bei der WM sehen, egal was passiert. Wenn die Fußballfans besoffen randalieren, dann ist das halt ein Fall für die Polizei. Doch wer bezahlt die Kosten der Einsätze?

Bei einer WM ist das klar geregelt: Das austragende Land. Das gleiche gilt auch bisher im nationalen Fußball. Ausschreitungen bei einem Fußballspiel in Deutschland? Klar, den Polizeieinsatz bezahlt der Steuerzahler - schließlich trägt der ja schon den Begriff "Zahler" im Namen…

Dabei ist das gar nicht so selbstverständlich. Selbst in einer Fußballnation wie Deutschland gilt nach wie vor das Verursacherprinzip: Wer einen Schaden verursacht, der bezahlt ihn. Wer einen Polizeieinsatz verursacht, der muss ihn auch bezahlen. Es sei denn … er ist ein Fußballverband. Dann bezahlt selbstverständlich der Steuerzahler. Doch warum ist das so?

Ein Rockfestival ist ein öffentliches Ereignis wie ein Fußballspiel. Doch kommt es zu einer Massenschlägerei unter den Musikfans weil sich Rockergruppen in die Wolle bekommen, dann zahlt der Veranstalter. Wenn ein Kaufhaus ein sensationelles Sonderangebot anbietet und die Kunden bis auf die Straße stehen und den Verkehr so sehr beeinträchtigen, dass die Polizei anrücken muss, dann zahlt das Kaufhaus für den Einsatz. Verursacherhaftung nennt man diesen Umstand.


Geld her oder wir kommen nicht


Dass man aus diesen Verpflichtungen auch sehr leicht aussteigen kann, zeigt allerdings die Formel 1. Eccelstone hat schon lange das Veranstalter-Prinzip gegen das Antritts-Prinzip ausgetauscht. Die Formel 1 veranstaltet keine Rennen - die Formel 1 tritt mit ihrem ganzen Zirkus zu einem Rennen an. Und das macht juristisch einen gigantischen Unterschied. Zum einen muss sich Herr Ecclestone keinerlei Sorgen machen, wie er Geld verdient. Das bekommt seine Formel 1 automatisch in vertraglich garantierter Höhe auf die Hand als Gegenleistung dafür, dass die Formel 1 mit Autos, Fahrer und gesamten Tross überhaupt bei der Veranstaltung erscheint. Wie die ganzen Kosten wieder reinkommen, das ist Sache der Rennstrecke, die das Rennen veranstaltet. Die Formel 1 verdient dabei immer - alle Kosten hat automatisch immer die Rennstrecke bzw. deren Betreiber, der nicht selten auch die Kommune indirekt daran beteiligt, also den Steuerzahler…

Der Fußball macht es stillschweigend ähnlich. Die Lizenzeinnahmen für TV-Rechte etc. landen beim Verband und den Vereinen. Der Fußball verdient an den Eintrittsgeldern und dem ganzen Fan-Betrieb drum herum. Doch seit es immer öfter Ausschreitungen bei Fußballspiele gibt und allein die Anreise der Tausende Fans Polizeieinsätze nötig macht, stellt sich natürlich die Frage, wer diese bezahlen muss. Bisher ist das im Wesentlichen der Steuerzahler.

Jetzt hat es Bremen gewagt, dagegen aufzubegehren - und bekommt prompt von DFB als Revanche ein Länderspiel entzogen. Doch das ändert nichts am gesamten Sachverhalt, auch wenn alle anderen sich erst gar nicht trauen, solche Pläne auch nur anzusprechen. Warum sollen wir Steuerzahlen den Schaden bezahlen, während "der" Fußball die dicke Kohle damit schaufelt?

Gleiches Recht für alle! Wenn der Steuerzahler für Polizeieinsätze rund um Fußballspiele bezahlen soll, dann soll der Steuerzahler gefälligst auch die Rechnung bezahlen, die präsentiert wird, wenn bei einer Party im Stadtpark ein Grill außer Kontrolle gerät und die Feuerwehr anrücken muss. Ach nein, ja, klar, Lieschen Müller von nebenan kann sich dagegen nicht wehren, der DFB schon indem er einfach ein Länderspiel woanders austragen lässt. Gäbe es statt (Schaden)Freude beim neuen Ausrichter Solidarität in allen Bundesländern, dann müsste der DFB zukünftig seine Heimspiele im Ausland austragen. Aber dagegen protestieren dann wieder die Fans, die der Fußball einfach als Geisel zur Durchsetzung seiner wirtschaftlichen Interessen nimmt. Doch dagegen können wir Steuerzahler uns wehren: Gehen wir einfach nicht hin! Lassen wir einfach mal aus Protest, die Nationalmannschaft in einem leeren Stadion spielen. Dann würde sich etwas ändern…!