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01. September 2010

Wo sind all die Menschen hin...

…wo sind sie geblieben? fragt sich Tom Borg

20 Jahre nach dem Fall der Mauer sind die meisten der ehemals bekannten Köpfe aus dem Blickfeld verschwunden. Was blieb sind die „Bösen“, die es zweifelsohne gab. Sie prägen heute das Bild eines Landes, das es nicht mehr gibt. Doch das war doch nicht alles.

Es ist schon seltsam. In der ehemaligen DDR lebten 16 Millionen Menschen. Darunter viele Stars, Superstars, die die Menschen im Osten und manchmal sogar über die Grenzen des Landes hinaus begeisterten. Wo sind sie alle hin? Von den Stars des Ostens sind nur noch wenige übrig geblieben. Und von den wenigen, die uns in Erinnerung geblieben und vielleicht heute noch aktiv sind, tun die meisten alles erdenkliche, um ihre DDR-Vergangenheit auszulöschen. Warum eigentlich?

Neulich fragte ich eine bekannte Sängerin aus dem Osten, ob sie mir für eine Webseite ein paar Daten zu den Anfängen ihrer Karriere und ihrem Leben in der DDR geben könne. Prompt kam die Antwort: "Mensch, Leute, die DDR ist seit 20 Jahren vorbei…" Ja und, fragt man sich bei solch einer Antwort. Hat sie deshalb nicht stattgefunden? Haben die Menschen nichts in den 40 Jahren DDR erlebt?

Viele Stars des Ostens scheinen das Wort „DDR“ als Makel zu betrachten und behandeln das Thema nach dem Motto „ich war jung und brauchte das Geld“. Dabei haben auch die altbekannten Stars der ehemaligen DDR bis heute ihre Fans. Warum auch nicht?! Im vereinigten Deutschland gibt es noch viele lebende Fans, überwiegend aus der DDR stammend, die Lieder und Künstler der DDR-Zeit in guter Erinnerung haben. Schließlich hat man zu der Musik auf Festen getanzt, die Lieder mitgesungen und zu manch einer romantischen Nummer mit seiner Liebsten gekuschelt. Sowas vergisst man nicht. Aber die Künstler offenbar doch.

Warum vermitteln Ost-Künstler der jüngeren Generationen so selten ein Bild über ihr damaliges Wirken? Sie waren einmal Idole, Kultfiguren, die bis heute in den Köpfen vieler Menschen hängen blieben. Schämen sie sich etwa, ein Produkt der ehemaligen DDR zu sein, dem Land das ihnen Ruhm, Erfolg und einigen Wohlstand einbrachte?

20 Jahre nach dem Fall der Mauer sind die meisten der ehemals bekannten Köpfe aus dem Blickfeld verschwunden. Was blieb sind die „Bösen“, die es zweifelsohne gab. Sie prägen heute das Bild eines Landes, das es nicht mehr gibt. Doch das war doch nicht alles. Es gab doch auch ein Leben abseits von SED, NVA und Stasi, ein Privatleben ausserhalb der Kombinate und unabhängig von der Planerfüllung. Wo ist es hin? Kaum einer mag sich noch daran erinnern. Nur wenige Künstler wie das Urgestein Achim Mentzel bekennen sich noch zu ihrer ehemaligen Heimat – und das, wo doch gerade er ein sehr durchwachsenes Verhältnis zum Staat DDR hatte.

Wo sind all die Leute hin…? Sie warfen ihre Vergangenheit über Bord und glaubten an ein komplett neues Leben. Aber kann man einfach so 40 Jahre auslöschen? Wird die DDR nicht für immer ein Teil der Identität der Menschen bleiben, die in ihr aufwuchsen? Und wenn ja, was ist so schlimm daran? Menschen beurteilt man nicht nach ihrer Herkunft, sondern nach dem was sie sind und was sie tun – und vielleicht auch daran, ob sie Rückgrat haben und sich zu dem bekennen was einmal war…

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.